Mali: Nachhaltige Ressourcennutzung (Projekt abgeschlossen seit 12/2013)

Naturressourcen sind die wichtigste Lebensgrundlage für die Menschen der westafrikanischen Sudanzone, die südlich an die Sahelzone grenzt: Bis zu 90 Prozent der Bevölkerung leben von Landwirtschaft und Viehzucht. Gleichzeitig ist die Region stark von den Auswirkungen des Klimawandels und von Übernutzung geprägt. Die Böden trocknen aus, Wasser ist knapp und die Waldbestände gehen stetig zurück – der Lebensraum für Menschen und Tiere ist langfristig nicht gesichert. Die malische Organisation STOP-SAHEL setzt sich deshalb gemeinsam mit der Bevölkerung für eine nachhaltige landwirtschaftliche Nutzung und den Schutz der Artenvielfalt in der Sudanzone ein.

Naturressourcen sind die wichtigste Lebensgrundlage für die Menschen der westafrikanischen Sudanzone, die südlich an die Sahelzone grenzt: Bis zu 90 Prozent der Bevölkerung leben von Landwirtschaft und Viehzucht. Gleichzeitig ist die Region stark von den Auswirkungen des Klimawandels und von Übernutzung geprägt.

In der westafrikanischen Sudanzone trocknen zusätzlich die Böden aus, Wasser ist knapp und die Waldbestände gehen stetig zurück – der Lebensraum für Menschen und Tiere ist langfristig nicht gesichert. Die malische Organisation STOP-SAHEL setzt sich deshalb gemeinsam mit der Bevölkerung für eine nachhaltige landwirtschaftliche Nutzung und den Schutz der Artenvielfalt in der Sudanzone ein.

Das Radio ist im ländlich geprägten Südwesten Malis das wichtigste Mittel zur Verbreitung von Informationen. Unsere Partnerorganisation STOP-SAHEL nutzt das beliebte Medium in ihrem aktuellen Ressourcenschutzprojekt, um die Menschen über Dorfgrenzen hinaus für den Schutz ihrer Lebensgrundlagen zu mobilisieren. So erfährt die Bevölkerung von den wichtigsten rechtlichen Bestimmungen zu Fischfang, Viehhaltung, Jagd und Waldschutz. „Eine große Rolle spielen dabei  mehrfach ausgestrahlte Radiosendungen in den verschiedenen Lokalsprachen“, berichtet STOP-SAHEL-Direktor Famory Kamissoko.

STOP-SAHELS Aktivitäten im Rahmen des Projektes „Schutz und nachhaltige Nutzung biologischer Ressourcen im Landkreis Kita“ knüpfen an ein Pilotprojekt zum Walderhalt an, das vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) und Oxfam kofinanziert wurde.

In diesem ersten Projekt wurden Wasserrückhaltebecken, Brunnen und Gemeinschaftsgärten gebaut, um die nötige  Infrastruktur für nachhaltige Ressourcennutzung zu schaffen. Das aktuelle Projekt zielt nun auf die Stärkung der Eigenverantwortung der Bevölkerung für die nachhaltige Bewirtschaftung ihrer Böden ab. Auch dieses Mal haben Oxfam und BMZ das Projekt gemeinsam finanziert.

Die Initiative geht von der Bevölkerung aus

Die Menschen im malischen Landkreis Kita wissen um die Bedeutung intakter natürlicher Ressourcen für ihren Lebensraum. Gemeinsam haben sie Ideen entwickelt, um die Übernutzung der lokalen Flora und Fauna einzugrenzen: In zehn Kommunen werden insgesamt 2.500 Hektar Schutzgebiet – das entspricht etwa 3500 Fußballfeldern – ausgewiesen, in dem sich die Natur frei von menschlichem Einwirken regenerieren kann.

Zusätzlich werden dorfübergreifende Nutzungsvereinbarungen erarbeitet, die notwendige Tätigkeiten wie das Sammeln wilder Baumfrüchte, Brandrodung und Wasserentnahme ermöglichen, ohne die Naturressourcen weiter zu gefährden. Auch die saisonale Weidewanderung während der Trockenzeit, in der der Landkreis zusätzlich Tausende von Rindern aus anderen Landesteilen aufnimmt, wird durch überregionale Absprachen mit allen beteiligten Nutzergruppen geregelt. So werden die Bedürfnisse von Ackerbauern und Viehzüchtern berücksichtigt und Konflikten wird vorgebeugt.

Im Pilotprojekt wurden  für mehrere Frauengruppen des Landkreises Kita größere Gemeinschaftsgärten geschaffen, um eine ausgewogenere Ernährung durch Gemüseanbau zu ermöglichen. Die Frauen verkaufen den Überschuss und erwirtschaften so ein kleines Einkommen. Im aktuellen Projekt geht es nun darum, die Gemeinschaftsgärten noch besser zu nutzen. So besuchen die Frauen Schulungen zur Herstellung organischen Düngers (Kompost) und vertiefen gleichzeitig ihre Gartenbaukenntnisse.

Ein weiteres Wasserrückhaltebecken sorgt dafür, dass Regenwasser besser vom Boden absorbiert wird – der so erhöhte Grundwasserspiegel  wirkt sich positiv auf die Vegetation und die biologische Vielfalt der gesamten Umgebung aus. Zudem wird in der Nähe des Wasserrückhaltebeckens der Anbau von Trockenreis, Obst und Gemüse möglich. Das Becken dient außerdem als Tränke für das Vieh.

Die Bevölkerung ist sowohl in der Entwicklung als auch in Durchführung und Kontrolle der Ressourcenschutzmaßnahmen federführend. Oxfams Partnerorganisation STOP-SAHEL steht den Bewohner/innen Kitas bei der Planung und Durchführung dieser Maßnahmen zur Seite und hilft beim Aufbau von geeigneten Gremien, die  für die langfristige Einhaltung der Nutzungsvereinbarungen sorgen.

Aktive Beteiligung auf allen Ebenen

Die am Projekt teilnehmenden Dörfer können in einem öffentlichen Wettbewerb weitere Ideen zum Schutz des Waldes, des Bodens und des Wassers einbringen. Die Teilnehmer/innen bekommen die nötigen Werkzeuge wie Schubkarren, Hacken und Spaten, um ihre Vorschläge ein Jahr lang in die Tat umzusetzen.

Dann werden die besten Projekte ausgewählt und symbolisch prämiert. Auch am 31. Juli, dem „Tag der Afrikanischen Frau“, sind Umweltschutz und Biodiversität wichtige Themen: Öffentliche Baumpflanzungsaktionen sind zu einem festen Bestandteil der Feierlichkeiten geworden.

Gemeinsam tragen all diese Aktivitäten und Initiativen dazu bei, die Balance zwischen Nutzung und Schutz von Boden, Wald und Weideland in Kita wiederherzustellen. So bleibt der Wald  erhalten und die Menschen können auf ihre Ernten zählen.

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Hintergründe

Der Landkreis Kita erstreckt sich auf einer Fläche von ca. 35.300 Quadratmetern und hat etwa 435.000 Einwohner/innen. Die Gesellschaft ist jung: 75 Prozent der Einwohner/innen Kitas sind jünger als fünfunddreißig.  90 Prozent leben von Landwirtschaft und Viehzucht, weshalb die wirtschaftliche Situation der Bevölkerung stark von den vorhandenen Natur­ressourcen abhängt. Kita verfügt im Vergleich zu den nördlicheren Landkreisen der Region (Nioro, Diéma) über verhältnismäßig fruchtbare Böden und Weideland und ist von zahlreichen Wasserläufen (Bafing, Bakoye und Badinko) mit Galeriewaldbeständen durchzogen. Ein Teil des Naturschutzgebietes „Boucle du Baoulé“ mit seinen Palmen- und Bambus­wäldern liegt in Kita.

Trotz dieses land- und forstwirtschaftlichen Potentials haben in den vergangenen Jahrzehnten verschiedene Faktoren zu einer immer stärkeren Verknappung der Naturressourcen, des Waldes und einem Rückgang der Biodiversität geführt, was die Lebensgrund­lagen der Bevölkerung zunehmend gefährdet und zu fortschreitender Verarmung beiträgt:

  • Verstärkte Einwanderung von Menschen aus anderen Landkreisen und Regionen auf der Suche nach landwirtschaftlich nutzbarer Fläche und Weideland sowie ein hohes Bevölkerungswachstum in der Region haben den Druck auf die vorhandenen Ressourcen weiter erhöht.
  • Auch die Auswirkungen des Klimawandels sind in Kita deutlich spürbar: Klimatisch liegt der Landkreis zwischen Sudan- und Sahelzone mit stark variierenden Niederschlagsmengen von 500 mm/Jahr im Norden und 1.200 mm/Jahr im Süden. Die Regenmengen sind jedoch rückläufig und zunehmend schlechter verteilt, was die Gefahr weiterer Desertifikation mit sich bringt.
  • Zusätzlich haben Strukturanpassungsmaßnahmen in den 1980er und 1990er Jahren den flächendeckenden Anbau von Baumwolle in Monokultur gefördert, was die Bäuerinnen und Bauern im Zuge des Preisverfalls der Baumwolle auf dem Weltmarkt in eine Schuldenkrise führte und somit zu weiterer Ausbeutung vorhandener fragiler Naturressourcen trieb.
  • Eine kommerzielle Ausbeutung von Waldressourcen durch ausländische Holz­händler, z.B. aus Mauretanien, und zahlreiche regionale Holzkohleproduzenten ist zu beobachten.

In dem von Oxfam und dem BMZ kofinanzierten Pilotprojekt „Ressourcenschutz, Walderhalt und Biodiversität im Landkreis Kita“ wurde von Oktober 2010 bis Juni 2011 die Infrastrukturgrundlage für eine nachhaltigere Nutzung und den Schutz der Naturressourcen im Raum Kita geschaffen. Dabei wurden vor allem Wasserrückhaltebecken und Brunnen zur lokalen Wasserversorgung und –speicherung sowie ressourcenschonende Gemeinschaftsgärten für den Gemüseanbau geschaffen.