Stärkung der Rechte von Frauen und Mädchen in Mali

Die Rechte von Frauen und Mädchen sind in Malis Verfassung festgeschrieben. Doch in der Realität werden sie systematisch benachteiligt, und Formen der Gewalt gegen Frauen und Mädchen – wie weibliche Genitalverstümmelung – sind noch weit verbreitet. Oxfams lokale Partnerorganisation APSEF leistet Aufklärungsarbeit, um das zu ändern. Mit einigem Erfolg.

In der Verfassung Malis ist die Gleichberechtigung der Geschlechter verankert, auch die internationalen Konventionen zu den Rechten von Frauen und Mädchen wurden von der Regierung unterzeichnet. Doch im Alltag werden in vielen Regionen des Landes tief verwurzelte Formen der Gewalt gegen Frauen und Mädchen bis heute weder hinterfragt noch verfolgt.

Weibliche Genitalverstümmelung

In den traditionell geprägten Dörfern der ländlichen Gemeinde Nyamina im Westen Malis sind rund 98 Prozent der Frauen und Mädchen von weiblicher Genitalverstümmelung (FGM) betroffen. Die Folgen für die Gesundheit und das psychische Wohlergehen der Frauen und Mädchen sind gravierend, zuweilen enden Eingriffe tödlich.

Systematische Benachteiligung

Mädchen werden weit seltener eingeschult als Jungen und können in der Regel keine weiterführende Schule besuchen. Für viele minderjährige Mädchen in Nyamina werden Ehen arrangiert. Beim Zugang zu Ressourcen wie Land, Krediten und Saatgut werden Frauen stark benachteiligt. Dadurch haben sie kaum eigene Einkommensmöglichkeiten und sind von Armut besonders stark betroffen. Auch die gesellschaftliche Teilhabe und die Mitspracherechte von Frauen sind stark eingeschränkt; im Global Gender Gap Report 2016, der Ungleichheiten zwischen Männern und Frauen bewertet, belegt der westafrikanische Binnenstaat Rang 138 von 144 Ländern.

Aufklärung über Frauen- und Kinderrechte

Oxfams lokale Partnerorganisation APSEF leistet in 30 Dörfern der Gemeinde Nyamina Aufklärungsarbeit zu Frauen- und Kinderrechten sowie zu reproduktiver und sexueller Gesundheit, um die Lebensbedingungen der rund 12.500 dort lebenden Mädchen und Frauen zu verbessern.
Die Projektaktivitäten zielen darauf ab,

  • die Praxis weiblicher Genitalverstümmelung und anderer Formen von Gewalt an Frauen nach und nach zu beenden,
  • den Zugang zu Gesundheitsversorgung für Frauen und Mädchen zu verbessern,
  • Frühverehelichungen und Zwangsheiraten in den Dörfern abzuschaffen,
  • Einschulungsraten und Schulverbleib von Mädchen zu erhöhen sowie
  • die Mitspracherechte und Einkommensmöglichkeiten von Frauen zu stärken.
Virginie Mounkoro, Geschäftsführerin von Oxfams Partnerorganisation APSEF, spricht mit Frauen in Toumani, Gemeinde Nyamina.
Virginie Mounkoro, Geschäftsführerin von Oxfams Partnerorganisation APSEF, spricht mit Frauen in Toumani, Gemeinde Nyamina.

Langfristige Überzeugungsarbeit nötig

Aus Erfahrung wissen die Mitarbeiter/innen von APSEF, dass echtes Umdenken Zeit braucht. APSEF steht im intensivem Austausch mit allen in den Dörfern lebenden Menschen: Mit Schulungen und öffentlichen Theateraufführungen, Diskussions- und Sensibilisierungsveranstaltungen werden mindestens 5.000 Bewohner/innen unmittelbar erreicht – Junge wie Alte, Männer wie Frauen. Darüber hinaus informieren Radio- und Pressebeiträge die gesamte Bevölkerung Nyaminas. Durch die kontinuierliche Sensibilisierung im Dialog werden aktive Mitstreiter/innen in den Dörfern gewonnen, um einen nachhaltigen gesellschaftlichen Wandel zur Stärkung der Frauen- und Kinderrechte anzustoßen: Neu gegründete Dorfkomitees wachen über die Einhaltung der Frauen- und Kinderrechte, rund 600 freiwillige Paare treten als „Modellfamilien“ öffentlich für einen Wandel von Verhaltensweisen und Traditionen ein.

Auch Beschneiderinnen und Respektspersonen wie religiöse Führer und Lehrer/innen werden in den Dialog eingebunden: Sind sie überzeugt und tragen die gesellschaftlichen Veränderungen aktiv mit, werden sie zu einem Vorbild und wichtigen Mittler/innen. Lehrkräfte werden zu allen Schwerpunktthemen des Projekts geschult, um diese in ihren Unterricht einzubinden.
Mädchen ohne Schulbildung lernen in Kleingruppen Schreiben, Lesen und Rechnen und können so selbstbestimmter handeln.
Krankenschwestern und -pfleger werden über die gesundheitlichen und seelischen Folgen der verschiedenen Formen von Gewalt gegen Frauen und Mädchen fortgebildet, und lernen, wie sie am besten mit den Betroffenen umgehen.

Begleitend fördert das Projekt einkommensschaffende Maßnahmen für Frauen und jugendliche Mädchen. APSEF errichtet ein handwerklichen Ausbildungszentrums und leitet die Frauen an, Kredit- und Spargruppen zu gründen. Zudem erhalten die Frauen und jugendlichen Mädchen Rechtsberatung und medizinische Hilfe in Notfällen.

Das Projekt wird von Dezember 2016 bis März 2020 umgesetzt. Oxfam unterstützt die Arbeit von APSEF mit Mitteln des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ).

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Mehr Informationen zum Projekt finden Sie in unserer EINS Frühlingsausgabe 2017 (PDF):
„Aufgeben kommt nicht in Frage" – Im Einsatz gegen weibliche Genitalverstümmelung

Hintergrundinformationen

APSEF: Sensibilisierungsarbeit für Frauen- und Kinderrechte

Oxfams lokale Partnerorganisation APSEF (Association pour la Promotion des Droits et du Bien Être de la Famille) fördert schon seit den 1990er Jahren in Mali Veränderungsprozesse hin zu mehr Geschlechtergerechtigkeit. Seit 2011 unterstützt Oxfam die Aufklärungs- und Überzeugungsarbeit von APSEF in den stark traditionellen Dörfern der ländlichen Gemeinde Nyamina, zunächst mit dem Arbeitsschwerpunkt auf weibliche Genitalverstümmelung. Inzwischen setzen sich bei APSEF 16 spezifisch qualifizierte Mitarbeiter/innen für die Stärkung von Frauen- und Kinderrechten ein.

Über fünf Jahre erfolgreicher Sensibilisierungsarbeit in der Gemeinde Nyamina zeigen inzwischen mehr und mehr ihre Wirkungen: Mit Sirakorobougou hat im März 2016 das zweite Dorf der Gemeinde gemeinschaftlich beschlossen, keine weibliche Beschneidung mehr zuzulassen und dies mit einem öffentlichen Festakt bekräftigt. Sechs weitere Dörfer der Gemeinde Nyamina haben seit drei Jahren keine Beschneidung an Mädchen mehr durchgeführt, sind aber noch nicht ganz so weit, dies als offizielle Absage an die traditionelle Praxis öffentlich zu machen. Hata Koita, Bewohnerin des Dorfes Torokorobougou, berichtet: „Seit drei Jahren wurde die Beschneiderin nicht mehr in unser Dorf gebeten, wir reden noch nicht einmal mehr davon. Früher schickte der Dorfchef mit den Familienoberhäuptern jedes Jahr nach der Beschneiderin. Meist waren dann jeweils 60 Mädchen oder mehr betroffen. Dass der Dorfchef jetzt nichts mehr in dieser Richtung unternimmt, ist ein klares Zeichen an uns alle.

Und auch die Überzeugungsarbeit gegen Frühverehelichung zeitigt Erfolge: Im Jahr 2016 wurden im Einvernehmen mit allen Beteiligten 77 arrangierte Heiratsversprechen rückgängig gemacht, da die Mädchen noch nicht 18 Jahre alt waren. Zudem haben sich 9 der 10 Hochzeitspaare des Jahres 2016 entschieden, ihre Eheschließung auf dem Bürgermeisteramt beglaubigen zu lassen (mariage civil). Das bietet den Frauen mehr Schutz und Rechte im Falle einer Scheidung oder des Todes des Ehemanns.

Darüber hinaus wurden 2016 zum ersten Mal zwei Mädchen aus Nyamina auf einem Gymnasium angemeldet. „Unser Dorf verdankt seine Entwicklung den Schulungen, die wir von APSEF bekommen haben“, berichtet ein Vertreter des Ältestenrates aus Sirakorobougou. „Heute gehen alle unsere Kinder in die Schule. Früher wurden Mädchen schon mit 13 Jahren verheiratet. All das gehört der Vergangenheit an.

Länder und Regionen

Frauen werden über Folgen weiblicher Beschneidung aufgeklärt

Mali

Oxfam arbeitet in Mali zu den Themen Geschlechtergerechtigkeit, Vorsorge gegenüber Krisen und Naturkatastrophen, gute Regierungsführung sowie Prävention von Ebola-Infektionen.

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