Südafrika: Farmarbeiterinnen setzen ihre Rechte durch

Auf kommerziellen Farmen in Südafrika kommt es immer wieder zu Arbeitsrechtsverletzungen. Vor allem Saisonarbeiterinnen leiden darunter. Oxfam Deutschlands Partner Women on Farms Project unterstützt sie dabei, ihre Rechte durchzusetzen.

Arbeitsrechte für Farmarbeiter/innen wurden in Südafrika erst 1994, nach dem Ende der Apartheid, eingeführt. Doch werden sie nicht auf allen kommerziellen Farmen eingehalten, und der Staat überwacht ihre Umsetzung nicht ausreichend.

Darunter leiden die festangestellten, vor allem aber die saisonal beschäftigten Arbeiter/innen, die nicht organisiert sind. Ihre Arbeitsrechte werden regelmäßig verletzt. Zudem werden Farmarbeiter/innen illegal vertrieben, sodass informelle Siedlungen in den Gegenden rund um die Farmen entstehen.

Women on Farms Project setzt sich für Farmarbeiterinnen ein

Oxfams Partnerorganisation Women on Farms Project (WFP) setzt sich seit Jahren für Farmarbeiter/innen ein – mit besonderem Augenmerk auf die Rechte von Frauen, die auf kommerziellen Farmen arbeiten. Hier sind Frauen häufig ohne Schutzkleidung giftigen Pestiziden ausgesetzt, werden schikaniert und erhalten trotz harter Arbeit nicht genug Lohn für ein menschenwürdiges Leben.

So berichtet etwa Josephine, eine 46-jährige Gelegenheitsarbeiterin: „Ich arbeite gerade auf der Farm eines Gutsbesitzers, der uns das Wassertrinken während der Arbeitszeit nicht erlaubt. Und ich weiß nicht, ob er uns tatsächlich bezahlen wird für die letzten zwei Wochen.“ WFP macht sich auf nationaler Ebene für umfassende Verbesserungen stark – unter anderem für die Durchsetzung von fairen Löhnen.

Gemeinsam gegen Arbeitsrechtsverletzungen

Gleichzeitig begleitet WFP Farmarbeiterinnen bei der Überwindung von Bevormundung, Ausbeutung, Arbeitsrechtsverletzungen und schlechten Arbeitsbedingungen. Oxfam Deutschland unterstützt WFP dabei.

Arbeiterinnen auf kommerziellen Farmen sind oft nicht ausreichend über ihre Rechte informiert und können deshalb ihre Ansprüche nicht geltend machen. WFP steht den Frauen zur Seite; so können sie sich organisieren und Allianzen bilden, sich über Arbeitsrechte informieren und darüber, wie sie sie in Anspruch nehmen können. Gemeinsam mit den Frauen setzt WFP sich zudem dafür ein, dass der Staat seiner Fürsorgepflicht nachkommt und die Arbeitsrechte von Frauen aktiv durchsetzt.

Ausweitung des Projekts mit Hilfe des BMZ ab 2014

Oxfam Deutschland finanzierte aus Eigenmitteln die Pilotphase des Projekts bis 2014. Danach konnte das Programm mit anteiliger Unterstützung durch das BMZ (Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) auf weitere Farmen am Westkap sowie auf das Nordkap ausgedehnt werden: Farmarbeiterinnen von rund 60 kommerziellen Farmen erwerben Wissen um Arbeitsgesetze, organisieren sich und setzen ihre Rechte gemeinsam durch.

Zudem werden Arbeitsrechtsverletzungen dokumentiert und veröffentlicht. Workshops, etwa zu politischer Bildung, haben nicht nur zu wachsendem Bewusstsein für Arbeitsrechte, sondern auch zu mehr Solidarität untereinander beigetragen: Inzwischen geben die Teilnehmerinnen alles, was sie aus den Workshops mitnehmen, aktiv weiter an ihre Frauengruppen und ihr Umfeld.

Unterstützung durch Gemüsegärten

Die meisten Farmarbeiterinnen sind nur saisonal beschäftigt und verdienen nicht genug, um ihre Familien ganzjährig zu ernähren. Deshalb legt WFP gemeinsam mit den Frauen 270 biologische Gemüsegärten an. So ist für einen ausgewogeneren Speiseplan der Familien gesorgt und das Haushaltseinkommen wird durch den Verkauf von Überschüssen verbessert.

Nicht nur auf die Arbeitsbedingungen, auch auf das Privatleben der Frauen hat die Arbeit von WFP Auswirkungen. Charmaine F., die seit rund 15 Jahren als Freiwillige für die Organisation arbeitet, erinnert sich: „Als ich jung war und wir unser erstes Kind hatten, begann mein Ehemann, mich zu schlagen. Als Gelegenheitsarbeiterin auf Farmen hatte ich von ‚Women On Farms Project‘ gehört, die auch über häusliche Gewalt informierten. Sie erklärten mir meine Rechte und gaben mir Informationsmaterialien, die ich in unserem Häuschen auslegte. Mein Mann las sie und war erstaunt, dass ich Rechte habe und nicht sein Eigentum bin. Wir sprachen darüber und er hat mich nicht mehr geschlagen.“

Das aktuelle Projekt mit Women on Farms Project läuft bis Ende April 2018. Ein daran anschließendes Projekt ist bereits in Planung.

 

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