• 18. April 2012

100 Jahre altes Wissen nützt nichts mehr

„Wer das heute so macht, hat am Ende nichts“

Für Birama Dembelé, den Hundertjährigen aus dem malischen Dorf Bagnagafata, waren früher die Regeln für die Landwirtschaft klar. Sieben Monate und sieben Tage nach der Ernte wurde hier im Westen Malis neu gesät. „Wer das heute so macht, hat am Ende nichts“, so der Dorf-Älteste. Der Alte sitzt unter dem großen Palaver-Baum, umringt von vier Generationen der Bewohner/innen. Nein, er könne sich nicht erinnern, dass es je eine so kurze Regenzeit gegeben habe und dass es im November bereits so heiß und trocken gewesen sei. Was seine Vorfahren ihn gelehrt haben, gilt nicht mehr. Dembelé wird unfreiwillig zum Klimazeugen. 

Kleinbäuerinnen und Kleinbauern sind dem Klimawandel ausgeliefert
 
Die kleinbäuerliche Landwirtschaft ist in vielen Ländern der Erde die tragende Säule der Nahrungsmittelversorgung. Sie gilt als regional angepasst und umweltverträglich. In Mali lebt ein großer Teil der Bevölkerung von der Landwirtschaft, die oft mit einfachen Methoden und noch einfacheren Werkzeugen, wie einer kurzen Hacke, betrieben wird. Doch der Klimawandel gefährdet die Kleinbäuerinnen und Kleinbauern. Verschieben sich Regen- und Trockenzeiten, so sind die Menschen dem schutzlos ausgeliefert. Hinzu kommen Wetterextreme. Fällt der Regen als Unwetter, droht er die Saat zu vernichten und den fruchtbaren Boden wegzuspülen.

„Wenn ich die Wahl habe, dann lieber eine Flut als noch so eine Dürre wie in diesem Jahr. Das wäre das Ende!“

In der Hauptstadt Bamako registrieren die Behörden die Folgen des Klimawandels für die Landwirtschaft genauestens. „Wir verlieren jedes Jahr pro Hektar tonnenweise Mutterboden“, sagt Mouhamadou Traoré von der regierungsnahen Agentur für Umwelt AEDD. Der heiße Wind weht den fruchtbaren Boden fort, die Wüste breitet sich aus. Durch die globale Erwärmung verschärft sich dieses Problem.

Neue Methoden schwer durchsetzbar

Mali, eines der ärmsten Länder der Erde, trägt so gut wie nichts zum Klimawandel bei, hat aber viele Lasten zu tragen. Nun wurde ein nationaler Plan zur Anpassung an den Klimawandel entwickelt – 60 Maßnahmen, die die Bevölkerung widerstandsfähiger machen soll, für das was kommt. So erklärt die AEDD den Bauern, wie sie die Niederschläge besser halten können, indem sie die Felder ebnen und quer zur Hangneigung pflügen. Doch wenn die Agrarfachkräfte nicht auf aufgeschlossene Dorf-Älteste wie Dembelé oder Berater wie Coulibaly treffen, setzen sie sich nur schwer gegen traditionelle Methoden durch. „Wir könnten mit diesen Methoden zwei Millionen Hektar Land besser nutzbar machen. Wir haben erst 20.000 Hektar geschafft“, so Traoré.