• 31. Oktober 2012

Ausbleibender Regen: Dürre bedroht Bauern

„Die Dürre verschlimmert sich, und die Temperaturen steigen“, berichtet Shovaliev Nurali, ein Bauer aus dem Dorf Hansanbek in der tadschikischen Region Temurmalik. Shovaliev Nurali spürt die Folgen des Klimawandels. Öfter auftretende Dürren und vermehrte Extremwetterereignisse erreichen die Bewohner/innen Tadschikistans. In den letzten 65 Jahren ist die jährliche Durchschnittstemperatur in den bergigen Gebieten Tadschikistans  um 1-1,2 Grad gestiegen. Die steigenden Temperaturen haben die Gletscher im zentralasiatischen Hochgebirgsland schmelzen lassen. Der Zugang und die Verfügbarkeit von Wasser werden dadurch beeinträchtigt, denn die Gletscher lieferten der Bevölkerung in der Vergangenheit einen wertvollen Wasserspeicher. Ebenso haben sich die Perioden, in denen das Thermometer regelmäßig auf über 40 Grad steigt, in den letzten Jahrzehnten  spürbar verlängert.

Dabei tragen die Menschen in Tadschikistan fast nichts zum Klimawandel bei. Das Land hat einen Kohlendioxid-Ausstoß von weniger als eine Tonne pro Person und Jahr; in Deutschland sind es über zehn Tonnen.

Landwirtschaft durch zunehmende Dürren bedroht

Wie Shovaliev Nurali leben zwei Drittel der tadschikischen Bevölkerung von der Landwirtschaft. Um sich zu versorgen und ein Einkommen zu erwirtschaften, bauen die Landwirte/innen Baumwolle, Weizen, Nüsse, Früchte und Gemüse an. Jedoch wird die Landwirtschaft in Tadschikistan durch den Klimawandel massiv gefährdet. Shovaliev Nurali berichtet von den Folgen steigender Temperaturen: „Der Weizen kann in der Hitze nicht wachsen. Für unser Vieh können wir kein Futter ernten. Aber wir brauchen das Vieh, um Gemüse und Wasser zu kaufen.“ Durch diesen Verlust ihrer Lebensgrundlage können sich die tadschikischen Bäuerinnen und Bauern kaum noch ausreichend ernähren. Damit er für seine Familie Mehl kaufen konnte, musste Shovaliev Nurali letztlich sogar sein kostbares Vieh verkaufen.

Seit dem Austrocknen der Flüsse ist auch Trinkwasser in Shovaliev Nuralis Dorf nicht mehr ausreichend vorhanden. Weil es nicht mehr genug Frischwasser aus den Quellen gibt, müssen die Menschen in Hansanbek ihr Trinkwasser nun erwerben. Darüber hinaus beeinträchtigt der aus einer Dürre resultierende Einkommensverlust Haushalte noch lange nach der Dürre, denn vielen Bäuerinnen und Bauern ist es in einer Dürreperiode mit ausfallenden Ernten nicht möglich, das Saatgut und den Dünger für das nächste Jahr einzukaufen.

Tadschikistan steht vor enormen Herausforderungen in der Zukunft

Seit jeher musste sich die tadschikische Bevölkerung immer wieder an Veränderungen ihrer unmittelbaren Umwelt anpassen – und das unter extremen klimatischen und ökonomischen Bedingungen. Kleinbäuerinnen und Kleinbauern versuchen bereits, sich an die Veränderungen durch den Klimawandel anzupassen, indem sie zum Beispiel Wasserspeicher und Vorräte für harte Zeiten anlegen und Knoblauch gegen die vermehrten Schädlinge auf ihren Feldern auslegen. Jedoch wird all das in Zukunft womöglich nicht ausreichen. Klimawissenschaftler/innen befürchten, dass in Zentral- und Südasien die Ernten um bis zu 30 Prozent zurückgehen könnten. Die Folge könnte sein, dass es immer mehr Tadschiken/innen ins nahe Russland zieht, mit der Hoffnung auf ein besseres Leben dort. Daran denkt auch Shovaliev Nurali, „Wenn sich die Bedingungen nicht verändern, müssen wir auch weggehen.“