• 20. Dezember 2012

Chivala bringt die Ernte durcheinander

„Als ich Kind gewesen bin, war das Wetter anders!“, sagt die 52-jährige Estela Njolo aus Kunthembwe. Sie ist Witwe und ernährt fünf Kinder durch den Anbau von Mais. Estela Njolo und die anderen Ältesten im Dorf sind sich einig, dass es seit der großen Dürre 1991/1992 in Malawi immer häufiger zu schweren Dürren und Fluten kommt  - wegen Chivala, so nennt man die Erderwärmung in Malawi. Estela Njolo beschreibt, wie sich die Regenzeit verändert hat: „Der Regen kommt nicht mehr, wenn wir ihn erwarten. Eigentlich sollte es regnen, wenn der Mais seine Quasten austreibt. Dann braucht der Mais viel Wasser.“ Doch diesen Moment abzupassen, ist viel schwieriger geworden als früher. Hinzu kommt, dass es neuerdings entweder zu viel oder zu wenig Regen gibt. „Dieses Jahr gibt es zwar viel Regen, aber das ist auch nicht gut. Es ist schon Mai und es regnet immer noch! Jetzt brauchen wir aber dringend die Sonne, damit der geerntete Mais trocknen kann.“

Der Anbau von Mais ist Estela Njolos Lebensgrundlage. Doch durch die Probleme mit der Ernte hat sie große Schwierigkeiten, die Gebühren für das Journalistik-Studiums ihres ältesten Sohns und die Schulgebühren für ihre anderen vier Kinder zu bezahlen. Wird der Maisanbau wegen Chivala künftig noch schwieriger, wird das Geld dafür womöglich einfach nicht mehr reichen. Estela Njolo: „Als ich Kind war, besaßen wir mehr. Die Menschen waren glücklicher und halfen einander. Das ist jetzt nicht mehr so. Nur Gott weiß, wie es weitergehen wird.“

Die Menschen in Malawi reden viel über den Klimawandel. Chivala wirkt sich auch auf den Malawisee aus, der dem südafrikanischen Land seinen Namen gab. Die steigende Wassertemperatur bringt den Nährstoffhaushalt des Malawisees durcheinander, weshalb die Fischbestände des Sees zurückgehen. Das wäre verheerend, denn der fischreiche See ist eine wichtige Proteinquelle für die Menschen in Malawi.