• 18. April 2012

Dämme gegen Dürre

Kleindämme bilden Hoffnungsschimmer

Die Konflikte der Zukunft werden um Wasser geführt. Die globale Erwärmung wird das Klima weiter aufheizen, die Verdunstung steigt. Gerade in armen Ländern ist Zugang zu Wasser eine Frage des Überlebens.

Mali besteht zu zwei Dritteln aus Wüste, dort wo es Wasser gibt,

sind die Felder und Gärten üppig bestellt – Tomaten sind von der Saat bis zur Ernte in vier Wochen reif. Jetzt im November nach der Regenzeit läuft überall die Ernte. In Balandougou und in Bagnagafata sind die Menschen zuversichtlich, dass das Wasser bis zur nächsten Regenzeit im Sommer 2012 reichen wird. Denn seit Sommer 2011 sind zwei Kleindämme in Betrieb, die das Wasser so stauen, dass die Bewohner/innen der Dörfer ober- und unterhalb der Dämme genug Wasser für sich, die Felder und ihr Vieh haben. 45.000 Euro hat der Damm in Bagnagafata gekostet, finanziert von Oxfam Deutschland und koordiniert von Oxfams Partnerorganisation Stop Sahel.

Wasser das ganze Jahr – für Mensch und Tier

Für die Schwestern Dembo und Bamakan Dansira ist der Damm ein Segen. „Wir müssen nicht mehr so weit laufen, um Wasser für unsere Gärten zu finden. Und das Vieh stirbt nicht mehr zum Ende des Frühlings. Es gibt sogar Fische, die wir hier fangen können.“ Farmory Jean Kamissoko, der Leiter der Organisation Stop Sahel geht noch weiter. Für ihn gehört die neue eingerichtete Ufer-Schutzzone mit zum Projekt. Am Bach wurden 250 Hektar Wald und Busch zur Schutzzone erklärt. Da in Mali drei Mal täglich auf Holzfeuer gekocht wird, ist Abholzung ein großes Problem. Hier haben die Dorfbewohner/innen den Sinn des Uferwaldes erkannt und respektieren ihn. Das Vieh kann nicht mehr das Wasser verschmutzen, es können keine Felder oder Gärten mehr direkt am Bach gebaut werden und das dichte Blätterdach schützt besser vor Verdunstung und Versandung.

Der Klimawandel führt in Mali nicht nur zur Verkürzung der Regenzeiten, er macht die Regenfälle auch unberechenbarer.

Kamissoko schimpft auf einen letzten eingezäunten kleinen Garten mit drei Bananenstauden mitten im Wald: „Das ist ein Garten der Abholzung. Der Besitzer hat den Wald abgefackelt und nach zwei Jahren muss er weiterziehen, weil der Boden ausgelaugt ist.“ Sonst steht der Uferwald voll mit Palmen und Stauden, in dem sogar Vögel zu hören sind und sich bunte kleine Schmetterlinge am feuchten Boden sammeln. „Es ist auch wichtig für unsere Kinder, dass sie sehen, wie die Natur aussehen kann, wenn man sie lässt“, sagt Oumar Sango von Oxfam Mali. Der Wald ist ein kleines Paradies. Große Tiere gibt es hier nicht mehr. „Die Elefanten sind nach Burkina Faso ausgewandert und die Giraffen nach Guinea“, meint Oumar Sango halb im Scherz.

Erst im Sommer 2011 eingeweiht, werden sich die Kleindämme beweisen müssen. Bieten sie jeweils Wasser bis zur nächsten Regenzeit? Halten sie Unwettern mit großen Wassermassen stand? Denn der Klimawandel führt in Mali nicht nur zur Verkürzung der Regenzeiten, er macht die Regenfälle auch unberechenbarer. Die Menschen in Mali berichten von heftigen Unwettern, die ebenso die Saat vernichten und den Boden wegspülen.

Anpassung hat Grenzen

Die Projekte sind ein Hoffnungsschimmer bei der Anpassung an den Klimawandel. Doch wird es noch heißer, verkürzt sich die Regenzeit weiter, ist das kurze Glück schnell zu Ende. „Wenn es nicht genug regnet, kommen die Leute aus den anderen Dörfern und wollen auch das Wasser“, sagen die Dansira-Schwestern. „Dann wird es Streit geben und am Ende reicht es für niemanden mehr“.

„Die Projekte hier können nur dann ein dauerhafter Erfolg sein, wenn die globale Erwärmung gestoppt wird“, sagt Jan Urhahn, der die Oxfam-Projekte in Mali bereist.