• 05. Juni 2013

Wenn immer weniger wächst

„Als ich Kind war, gab es mehr Ernten.“

Julia Flores Carrera, 50 Jahre alt aus Tepexi in Zentralmexiko, besitzt einen kleinen Laden, in dem sie seit 20 Jahren Heilkräuter verkauft. Sie besitzt zwei Ziegen und zwei Schafe und baute neben Mais früher in ihrem Garten Arnika, Kuckucksblumen, Fuchsschwanz und Drüsengänsefuß an. Jetzt aber ist der Boden völlig ausgetrocknet - in der Vergangenheit kam das nie vor. So wird es für Frau Carrera immer schwerer, ihren Laden mit eigenen Kräutern zum Verkauf zu versorgen; was ihr nun im Angebot fehlt, muss sie in der Stadt einkaufen, die sechs Stunden entfernt von Tepexi liegt. Vor zwei Jahren hat Frau Carrera ihr Erspartes zusammengekratzt, um einen Wassertank zu kaufen, in dem sie Regenwasser für die Bewässerung ihrer Pflanzen sammelt.

Frau Carrera berichtet, dass nicht nur der Anbau ihrer Heilkräuter durch die Trockenheit gefährdet ist. Überall in der Region sind die Ernten wichtiger Grundnahrungsmittel wie Mais zurückgegangen: „Als ich Kind war, gab es mehr Ernten. Früher hatte mein Vater einen kleinen Speicher, in dem unsere Ernte gelagert wurde. Der Speicher war voller Mais, denn davon hatten wir immer genug. Das ist jetzt nicht mehr so. Hier in der Nähe gibt es einen Brunnen, aus dem ich als Kind immer Wasser geholt habe, aber jetzt ist der auch fast ausgetrocknet.“

Ein trockeneres und heißeres Klima gefährdet die Landwirtschaft

Seit einigen Jahren beobachten Frau Carrera und die anderen Bewohner/innen in Tepexi, im Puebla-Distrikt, wie sich das Klima verändert hat. In Puebla ist es heißer geworden, und es gibt weniger Regen, der unregelmäßiger kommt und, wenn es regnet, dann kurz und sehr heftig, was oft die Samen von den Äckern spült. Insekten und Schädlinge befallen die Pflanzen mehr als früher und machen den Anbau  von Nahrungsmitteln für den Verkauf und den Eigenbedarf schwieriger. Das treibt auch die Preise in die Höhe, während gleichzeitig immer mehr Einwohner/innen etwa Mais nicht mehr selber anbauen können, sondern zukaufen müssen, um ihre Familien zu ernähren.

„Letztes Jahr konnte ich gar keinen Fuchsschwanz ernten. Die Maisernte fiel auch sehr mager aus. Wir haben zwar unseren Tank, aber der reicht nicht, wenn es zwei Monate nicht regnet. Alles ist vertrocknet. Unsere Ernte hat nicht einmal ausgereicht, um die Tiere ausreichend zu füttern. Deshalb müssen wir Mais für uns und die Tiere teuer einkaufen. Der Preis für Mais ist von 10 Pesos vor einem Jahr auf 15 Pesos in diesem Jahr gestiegen.“, erzählt Frau Carrera. Sie gibt nun im Vergleich zu früher mehr Geld für Lebensmittel aus und ist gleichzeitig besorgt um die Zukunft ihres Geschäfts, da sie aufgrund der Trockenheit immer weniger Heilkräuter anbauen kann.

„Es macht mir Angst, wenn der Regen nicht mehr kommt. Ohne Wasser haben wir keine Pflanzen – und damit auch kein Leben “, resümiert Frau Carrera.