• 05. April 2012

Der Regenvogel singt nicht mehr

Die Wege zum Wasser wurden immer länger
Martina Longom berichtet vor ihrem Haus in Caicaoa vom Ausbleiben des Regens.
Martina Longom berichtet vor ihrem Haus in Caicaoa vom Ausbleiben des Regens.

„Mittlerweile ist das Wetter unberechenbar. Der Regen kam in den letzten drei Jahren nicht nur zu spät, sondern er reichte auch nicht aus, um die Sorghum-Hirse wachsen zu lassen. Im vergangenen Jahr wiederum kam der Regen sintflutartig“, berichtet Martina Longom. Sie lebt im Dorf Caicaoa in der Region Karamoja im Nordosten Ugandas, wo Sorghum das wichtigste Grundnahrungs- und Futtermittel ist. Die Ernten in den letzten Jahren brachten aber nur geringe Erträge, weil Regen- und Trockenzeiten nicht mehr den bekannten Mustern folgen.

„Zur Zeit meiner Eltern kam der Elele-Vogel, um mit seinem Gesang den kommenden Regen anzukündigen.“

Für Martina Longom ist das Verschwinden des Elele-Vogels ein weiteres Zeichen dafür, dass mit den Jahreszeiten seltsame Dinge geschehen. „Zur Zeit meiner Eltern“, sagt sie, „kam der Elele-Vogel, um mit seinem Gesang den kommenden Regen anzukündigen. Das war das Signal für alle, mit dem Bestellen der Felder zu beginnen. Aber jetzt erscheint der Vogel nicht mehr und wir sind unsicher, wann wir mit der Aussaat anfangen sollen.“

Das Wetter war in Uganda niemals eindeutig vorhersagbar, genauso wenig wie anderswo. Aber in den letzten Jahren wurde es zunehmend unzuverlässiger, wodurch das Leben der Menschen, die wie Martina Longom für das Überleben auf die Landwirtschaft angewiesen sind, sehr viel schwieriger geworden ist.

„Jedes Jahr müssen wir weiter hinausziehen, um Feuerholz zu finden.“

Weil die Ernte nicht genug zum Leben einbringt, sammeln die Frauen Feuerholz, um es in der Stadt zu verkaufen. Das ist jedoch nicht ungefährlich. „Jedes Jahr müssen wir weiter hinausziehen, um Feuerholz zu finden“, erzählt Frau Longom. „Dadurch geraten wir in unsichere Gebiete, in denen es kriegerische Konflikte gibt. Als ich ein kleines Mädchen war, gab es genug Feuerholz gleich in der Nähe des Dorfes.“

Auch zum Wasserholen mussten die Frauen immer längere Wege zurücklegen, weil die Flüsse ausgetrocknet sind. Darum hat sich die lokale Frauengruppe dafür eingesetzt und tatkräftig mitgeholfen, dass in der Nähe des Dorfes ein Brunnen gebohrt wird. Statt sieben Stunden Fußweg bis zur nächsten Quelle brauchen die Frauen jetzt nur noch eine halbe Stunde zum Wasserholen. Das Kochen und Waschen wird damit erleichtert. Die Zuverlässigkeit des Regens lässt sich dadurch allerdings nicht wiedergewinnen.