Israelische Streitkräfte zerstören zivile Wasserinfrastruktur im Libanon
Innerhalb von nur vier Tagen hat Israel sieben Einrichtungen der Wasser- und Sanitärinfrastruktur im Libanon zerstört.
Stauseen, Leitungsnetze und Pumpstationen zerstört
Die Angriffe auf die sieben Einrichtungen der zivilen Infrastruktur ereigneten sich in den ersten Wochen der jüngsten Eskalation. Zu den zerstörten Einrichtungen gehören Stauseen, Leitungsnetze und Pumpstationen, die allein im Bekaa-Gebiet knapp 7.000 Menschen mit Wasser versorgten.
Gemeinsam mit unseren Partnerorganisationen waren wir mit der Instandsetzung von 19 Wasseranlagen im Südlibanon beschäftigt, als die Angriffe begannen. Die Anlagen versorgen bis zu 60.000 Menschen mit sauberem Wasser. Sechs dieser Wasseranlagen waren bereits bei der Eskalation im Jahr 2024 durch israelische Bombardements beschädigt worden.
In vielen Gebieten, in denen sich wichtige Anlagen befinden, haben nun erneut intensive Angriffe stattgefunden. Unsere Mitarbeitenden haben daher aktuell keinen Zugang mehr zu diesen Gebieten. Zudem mussten im Südlibanon auf Anordnung der israelischen Streitkräfte bereits Hunderttausende Menschen ihre Heimat verlassen.
Auch Stromnetze und Brücken wurden angegriffen
Die Zerstörung der zivilen Infrastruktur beschränkt sich nicht nur auf essenzielle Wasserversorgungsanlagen. Das israelische Militär hat auch Stromnetze und Brücken zerstört und damit lebenswichtige Versorgungsleistungen und Dienstleistungen für ganze Städte und Dörfer unterbrochen.
Die israelischen Streitkräfte im Libanon wiederholen dasselbe Muster wie zuvor im Gazastreifen.
Kritische zivile Infrastruktur, Rettungskräfte – darunter 12 Sanitäter*innen, die bei einem einzigen Angriff getötet wurden – und humanitäre Helfer*innen werden angegriffen.
Weitere massive Zerstörungen befürchtet
Während der Eskalation im Jahr 2024 beschädigte Israel bereits mehr als 45 Wasserversorgungsnetze im Libanon, wovon fast eine halbe Million Menschen betroffen waren. Die Folgen waren ein erhöhtes Risiko von Krankheitsausbrüchen und die Zerstörung von Lebensgrundlagen sowie Grünflächen. Wir befürchten, dass die aktuellen Angriffe erneut zu massiven Zerstörungen von ziviler Infrastruktur führen werden.
Wir fordern einen sofortigen bedingungslosen Waffenstillstand und ein Ende des Krieges.
„Die internationale Gemeinschaft hat im Gazastreifen tatenlos zugesehen, wie Israel Angriffe auf die Wasserversorgung als Kriegswaffe einsetzte und welche katastrophalen Folgen das für die Zivilbevölkerung vor Ort hat. Es darf nicht zugelassen werden, dass sich diese Zerstörung im Libanon wiederholt.
Die Straffreiheit muss aufhören: Israel muss für Verstöße gegen das Völkerrecht zur Rechenschaft gezogen werden und darf nicht noch mehr Land besetzen, weiteren Zivilist*innen ihre Grundrechte vorenthalten und das Völkerrecht ohne Konsequenzen missachten“, so Bachir Ayoub, Landesdirektor von Oxfam im Libanon.