Die Umfrage der Vereinten Nationen My World 2015, an der sich mittlerweile mehr als vier Millionen Menschen beteiligt haben, zeigt deutlich: Für Menschen weltweit steht eine gute (Aus-)Bildung an erster Stelle – unabhängig davon aus welchem Teil der Erde sie kommen.

Ungleiche Bildungschancen

Doch Bildungschancen sind in vielen Gesellschaften höchst unterschiedlich verteilt. Kinder und Jugendliche aus Haushalten mit niedrigem Einkommen haben es häufig ungleich schwerer in der Schule als Altersgenossen aus reicheren Haushalten, deren Eltern selbst in den Genuss einer guten Bildung gekommen sind.

In Ländern mit niedrigen und mittleren Einkommen klafft mit Bezug auf Bildungschancen eine noch größere Lücke zwischen Arm und Reich. Der Mangel an adäquater Infrastruktur, Lehrmaterialien und ausgebildeten Lehrkräften, hohe Schulgebühren oder Konflikte erschweren den Zugang zu Schulen – vor allem für Jungen und Mädchen aus armen Haushalten. Laut UNESCO bleiben 121 Millionen Kinder und Jugendliche weltweit infolgedessen komplett vom formalen Bildungssystem ausgeschlossen. Besonders betroffen sind Menschen mit Behinderungen, ethnische Minderheiten und – in vielen Ländern – auch Mädchen.

Lernen für eine gerechte Welt ohne Armut

Eine qualitativ gute Bildung aus öffentlicher Hand für alle sicherzustellen, ist nicht nur ein moralischer Imperativ, sondern auch eine soziale, wirtschaftliche und politische Notwendigkeit. 41 Prozent der Bevölkerung Afrikas sind 15 Jahre und jünger. Auf diesen jungen Menschen liegt die Hoffnung für die Entwicklung eines ganzen Kontinents. Dennoch besuchen 30 Millionen Kinder in Afrika südlich der Sahara nicht einmal eine Grundschule. Gelingt es jetzt nicht, alle Kinder mitzunehmen, rücken die Chancen auf eine nachhaltige, inklusive Entwicklung Afrikas in weite Ferne.

Gute Bildung muss internationale politische Priorität werden

Derzeit verhandelt die internationale Gemeinschaft über einen Katalog von globalen Zielen für nachhaltige Entwicklung, die Sustainable Development Goals (SDGs). Sie sollen 2015 den acht Millenniums-Entwicklungszielen (MDGs) folgen, die die Entwicklungspolitik seit 2001 entscheidend geprägt haben.

Bildung – mehr als Alphabetisierung

Angesichts der großen Zahl von Kindern und Jugendlichen weltweit, die keinen Zugang zu Bildung haben oder weder lesen noch schreiben können, müssen ambitionierte Ziele vereinbart werden, um genau diese Missstand zu beenden. Jedes Kind muss Zugang zu guten Kitas und Kindergärten, Grund- und Sekundarschulen erhalten. Doch reicht es nicht aus, nur über den Zugang zu Schulen zu sprechen, oder ob die Schüler/innen dort alphabetisiert werden. Wenn Bildung wirklich den Ansprüchen einer nachhaltigen Entwicklung gerecht werden soll, müssen die SDGs auch Ziele zu Bildungsinhalte umfassen. Sie müssen Verbindlichkeiten für alle Staaten auf der Welt schaffen – auch für die reichen –, ihre Bildungssysteme so zu gestalten, dass die Lernenden und ihre Fähigkeiten, mit den Folgen der globalen Krisen umzugehen, im Zentrum stehen. Dazu gehören neben politischer Bildung, Friedensbildung, Menschenrechtsbildung, Bildung für nachhaltige Entwicklung und Bildung für Global Citizenship auch emotionale und soziale Fähigkeiten wie Konfliktlösung und Kommunikation sowie Respekt vor Mitmenschen und Umwelt. 

 

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