Die G7 und das richtige Signal zur Ernährungssicherung

Von Marita Wiggerthale

Es bleiben weniger als 40 Tage bis zum nächsten G7 Gipfel in Schloss Elmau. Dieses Jahr ist das Thema Ernährungssicherung wieder ein wichtiger Tagesordnungspunkt auf dem Gipfel, so wie im Jahr 2009 und 2012. Die Industrieländer scheinen damit ein klares Signal setzen zu wollen, dass sie einen wichtigen Beitrag für das Erreichen des Null-Hunger-Ziels bis 2030 leisten werden. Aber was heißt das genau? Und wie kann die Gruppe von vorherigen Fehlern lernen?

Aus Fehlern der Vergangenheit lernen

Wenn die G7 sich dazu verpflichtet, einen spürbaren und messbaren Fortschritt bei der Beendigung des Hungers bis 2030 zu machen, wäre das sehr zu begrüßen. Auch die UN-Nachhaltigkeitsziele (SDGs), die im September bei den Vereinten Nationen in New York verhandelt werden, enthalten das Ziel, den Hunger bis 2030 zu beenden. Die reichen Industrieländer, wie die G7, spielen eine wichtige Rolle, wenn es um die Finanzierung der Umsetzung der SDGs und um das Setzen einer breiten, politischen Agenda geht.

Aber, wie bei vielen dieser Initiativen, wird der Teufel im Detail liegen.

Wichtig ist, dass die Mitgliedsstaaten von vorherigen G7-Initiativen zur Ernährungssicherung lernen. Beispiel: Neue Allianz für Ernährungssicherung, die im Rahmen der US amerikanischen G7-Präsidentschaft im Jahr 2012 in Camp David ins Leben gerufen wurde. Zivilgesellschaftliche Gruppen, einschließlich Oxfam, kritisierten sie vehement, weil sie top-down, ohne eine systematische Beteiligung von betroffenen Gruppen entwickelt wurde. Die Neue Allianz forciert neue Politiken im Land-, Steuer- und Saatgutbereich und verknüpft sie mit der Zusage von Entwicklungshilfeleistungen. Es ist davon auszugehen, dass sie  wahrscheinlich eher großen Unternehmen oder Investoren nützen als denjenigen, die sie vorgibt zu helfen: kleinbäuerliche Produzenten, Frauen und die Armen im ländlichen Raum.

Drei Prinzipien für eine erfolgreiche G7 Ernährungssicherungs-Initiative

Damit die G7 Initiative sich positiv für die Ernährungssicherung erweist, ist es nicht nur wichtig, von vergangenen Fehlern zu lernen. Die drei folgenden Prinzipien sollten von den politischen Entscheidungsträgern der G7 als wichtige Eckpunkte verankert werden, um den Erfolg der Initiative sicherzustellen.

  • Erneut Schwerpunkt auf öffentliche Investitionen setzen und diese priorisieren: Öffentliche Gelder für die Landwirtschaft sind in vielen Entwicklungsländern unbedingt notwendig, insbesondere um vulnerable und marginalisierte Gruppen wie kleinbäuerliche Produzenten, Frauen und nomadische Viehhalter zu unterstützen. Die Länder in Subsahara-Afrika geben nur ungefähr sechs Prozent ihres Staatshaushalts für die Landwirtschaft aus, obwohl die für die ländliche Entwicklung und Armutsbekämpfung sehr wichtig ist. Auch Unternehmen können eine unterstützende Rolle spielen, wenn sie mit ihren Investitionen eine nachhaltige, kleinbäuerliche Produktion stärken. Aber die Unternehmen erreichen mit ihren Investitionen kaum die Ärmsten und sie können Schaden anrichten, wenn es keine Regulierung für die Investitionen gibt.
  • Politiken und Programme am UN-Welternährungsausschuss (CFS) ausrichten: die Reform und Erneuerung des UN-Welternährungsausschusses im Jahr 2009 stellt eine der besten politischen Entwicklungen nach der Nahrungsmittelkrise 2007/2008 dar. Nach der Reform stellt das CFS die führende, inklusivste zwischenstaatliche und internationale Plattform zur Ernährungssicherung dar. Indem die G7 Initiative in Einklang mit den Entscheidungen der CFS steht, wird sichergestellt, dass der Vorschlag von Politiken geleitet wird, die das Recht auf Nahrung und eine ländereigene Vision der kleinbäuerlichen Landwirtschaft verwirklichen. Das globale, strategische Rahmenwerk für Erährungssicherung (2012 vom CFS verabschiedet) ist dafür ein guter Referenzrahmen.

Was ist mit dem Klimawandel und der Umwelt?

Die vorherigen G7 Initiativen haben größtenteils darin versagt, die Zusammenhänge zwischen Hunger, Klimawandel, Bodendegradation und anderen drängenden Umweltthemen anzugehen. Die Herausforderung, Hunger und Mangelernährung zu reduzieren, ist enorm groß: häufigere und stärkere Wetterextreme, ein  alarmierender Trend bei der Bodendegradation, der Verlust der biologischen Vielfalt und die zunehmende Knappheit und Versalzung von Wasser in vielen Gebieten. Die Situation im Sahel und in Indien sowie in Sao Paulo und Kalifornien zeigen, wie wichtig es ist, das Thema Wasserknappheit sehr ernst zu nehmen.

Ökologische Ansätze in der Landwirtschaft, wie Agrarforstsysteme, Praktiken zur Erhöhung der organischen Substanz im Boden, die Bewirtschaftung von Wassereinzugsgebieten und ein Landschaftsansatz haben sich als Methoden in der Praxis bewährt, um Wasserressourcen zu managen und die Widerstandsfähigkeit in Zeiten des Klimawandels zu erhöhen. Wenn das Wasserthema nicht angegangen wird, bleibt jegliche G7 Initiative blind im Hinblick auf eine der größten Herausforderung für die landwirtschaftliche Produktion in den kommenden Jahrzehnten. 

Wenn es darum geht, einen ersten sinnvollen Schritt im Hinblick auf die Zusammenführung von Ernährungssicherungs- und Umweltzielen zu machen, könnte die G7 von der UN-Welternährungsorganisation (FAO) lernen. Diese hielt im September 2014 ihr erstes Symposium zur Agrarökologie ab. Graziano da Silva, der Generaldirektor der FAO, erklärte zu dem Zeitpunkt, dass ein Fenster in der Kathedrale der Grünen Revolution geöffnet worden sei. Diese Bereitwilligkeit, den agrar-ökologischen Ansatz anzunehmen,  weist auf neue Denkweisen hin, die das produktivistische und ertragsfixierte Denken überwinden helfen, das so sehr das politische Denken im Bereich Landwirtschaft und Ernährungssicherung dominiert.

Um den Erfolg einer G7 Initiative sicherzustellen, sollten sich die Unterstützer die gescheiterten Ansätze der Vergangenheit und innovative Ansätze für die Zukunft anschauen. Der Menschenrechtsansatz ist genauso zentral wie die Beteiligung der betroffenen Gruppen. Es wird Zeit, dass die politischen Entscheidungsträger der G7 über die überkommenen, konventionellen, „business as usual“-Ansätze hinausgehen. Wenn die politischen Entscheidungsträger visionär sind, könnte eine Welt ohne Hunger basierend auf einer sozialen und ökologischen Neuorientierung der Landwirtschaft in Reichweite sein.

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