Alljährlich gibt sich das Agrobusiness im Januar ein Stelldichein in Berlin. Beim „Global Forum for Food and Agriculture“ (GFFA) geht’s um die Businessinteressen der Land- und Ernährungswirtschaft und auch ein bisschen um Ernährungssicherung. Ich habe zwei Tage lang die Diskussionen beim GFFA verfolgt. Mein Eindruck: Der Wirtschaft geht’s ums Business und ein paar andere diskutieren über Ernährungssicherung und ökologische Nachhaltigkeit. Das Thema des diesjährigen GFFA “Landwirtschaft stärken: Krisen meistern – Ernährung sichern" wurde wenig diskutiert.

Ein Lobpreis auf Norman Borlaug als Macher der "Grünen Revolution"

Den Auftakt bildete ein Vortrag von Gordon Conway (siehe Bild). Er ist Vorsitzender des 2010 gegründeten Montpellier Panels. Eine  Expertengruppe, die eine bessere Unterstützung europäischer Regierungen für Landwirtschaft und Ernährungssicherung in Subsahara-Afrika anstrebt. Mitglieder dieser Gruppe sind u.a. Camilla Toulmin von IIED, Joachim von Braun vom ZEF, Namanga Ngongi von der „Alliance for a Green Revolution in Africa“ (AGRA) und Prabhu Pingali von der Gates-Stiftung. Gordon Conway ist ein Verfechter der „nachhaltigen Intensivierung“ (siehe „Sustainable Intensification: A New Paradigm for African Agriculture“). Das heißt: Mehr mit weniger produzieren, wobei keine Technologie, auch nicht die Gentechnik, ausgeschlossen wird. Ganz im Gegenteil! Er pries am Ende seines Vortrags Norman Borlaug, der als der Vater der „Grünen Revolution“ gilt und die Gentechnik gefördert hat.

Resilienz fördern, heisst Ursachen von Vulnerabilität angehen

Conway verlor kein Wort über die Menschen, die vom Klimawandel, von Umweltdegradation oder Preisvolatilität bei Nahrungsmitteln besonders betroffen sind. Es sind insbesondere Kleinbauern, Frauen und Pastoralisten in abgelegenen Gebieten. Dort sind die Böden unfruchtbar, es regnet wenig und der nächste Markt ist weit entfernt. Wer die Resilienz, die Widerstandsfähigkeit dieser Menschen verbessern will, muss die Ursachen für ihre Vulnerabilität analysieren und die Risiken, denen sie ausgesetzt sind, als Startpunkt nehmen. Es besteht die Gefahr, dass der Diskurs und die folgende Implementierung von Projekten bzw. Programmen zu sehr auf technische Lösungen setzt und nicht auf die Änderung der strukturellen Ungleichheiten. Die Landwirtschaft ist ein gutes Beispiel dafür. Den Geldgebern, privaten Stiftungen und den Agrarkonzernen geht es vor allen Dingen um einen steigenden Einsatz von Düngemitteln, Inputs und Maschinen. Vom verbesserten Zugang zu Land für Kleinbauern und Kleinbäuerinnen und von der Verbesserung der Bodenfruchtbarkeit ist nicht die Rede.

Public-Private-Partnerships auf dem Vormarsch

Marcela Villarreal von der FAO berichtete von einer Studie, die 70 Public-Privat-Partnerships (PPPs) in 15 Ländern untersucht hat. Das Ergebnis: Es gab positive Wirkungen wie ein höheres Nettoeinkommen, Beschäftigungseffekte, eine höhere Produktion und Qualität der Produkte, aber aus meiner Sicht auch gravierende Probleme, die dann trotz Nachfrage leider nicht näher diskutiert wurden. Dazu zählten: Marktungleichgewichte, Umweltdegradation, Landgrabbing und die Umsiedlung von Menschen. Die Kritik von NGOs an PPPs ist also berechtigt. Seit Ende der 1990er Jahre wurden in Deutschland 695 PPPs, davon 118 im landwirtschaftlichen Bereich umgesetzt. Der Finanzierungsanteil der öffentlichen Hand belief sich dabei auf 38 Prozent. Es ist bezeichnend, dass drei von den vier dargestellten PPPs, die die GIZ vorstellte, Cash Crops umfassten. Die GIZ hat zwar fünfzehn Jahre Erfahrung mit PPPs, aber von Selbstkritik keine Spur. Eine Evaluierung der deutschen PPPs liegt offensichtlich noch nicht vor. Da ist die FAO ein bisschen weiter.

PPPs werden auch in Indien spezifisch gefördert.

Der indische Industrieverband FICCI führte in einer Veranstaltung der German Asia-Pacific Business Association aus, wie sie der Regierung im November 2011 einen Vorschlag zu PPPs vorgelegt hatte. Daraus wurde dann das „PPP for Integrated Agricultural Development“ (PPPIAD). Während die Bauern beispielsweise Saatgut beisteuern, die Unternehmen Beratungsdienstleistungen anbieten, leistet die Regierung einen finanziellen Beitrag. Sie unterstützt die PPPs mit bis zu 50 Prozent der Gesamtinvestition pro Bauer. Die Obergrenze liegt bei 50.000 Rupies (ca. 600 Euro). Die Beispiele aus Indien, Marokko ("Plan Vert Maroc") und Äthiopien ("Agricultural Transformation Agency") machten deutlich, dass PPPs viel stärker strategisch eingesetzt werden, um Privatinvestitionen von Unternehmen anzuziehen. Klar definierte Entwicklungsziele und eine umfassende Evaluierung der Einzelprojekte sucht man häufig vergeblich. Die Debatte über die Entwicklungswirksamkeit von PPPs wird uns die nächsten Jahre noch sehr beschäftigen.

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