Dieses Jahr kucken wir uns den Zustand der Kommunikation im digitalen Zeitalter genauer an. Denn bisher haben sich die Ereignisse 2016 überschlagen. Kaum eine Woche ohne ein Hashtag, der die Runde macht und auf konkrete oder virtuelle Ereignisse verweist. Ob ausnahmslos, Brexit, Hatespeech, offeneTüren in München (und Paris), Black Lives Matter oder PokemonGo – die Welt ist in Bewegung!

Deshalb wollen wir jenseits digitaler Hypes und aufgeregter Medienberichterstattung die darunterliegenden Netzphänomene und gesellschaftlichen Zusammenhänge beleuchten.

Elisabeth Wehling, Direktorin des Berkeley International Framing Institute, macht den Anfang mit ihrer Keynote „Politisches Framing und Neurokognitive Kampagnenführung“. Sie argumentiert, dass Sprache der Dreh- und Angelpunkt des politischen Denkens und Handelns ist. Denn Worte und Sprachbilder aktivieren in unserem Gehirn gedankliche „Frames“ (Deutungsrahmen), die Fakten erst ihren Sinn verleihen. Deshalb sind, so Wehling, Frames ausschlaggebend für politische Entscheidungen, und nicht Fakten an und für sich. Was das für die Kampagnenarbeit bedeutet, wollen wir mit euch diskutieren.

Im Anschluss spricht Tristan Harris, ehemaliger Product Philosopher bei Google, über ethisches Design und wieso es sich lohnt, insbesondere im digitalen Zeitalter unsere Entscheidungsfreiheit zurückzuerobern und zu verteidigen. Am Nachmittag greifen wir dann in einem Workshop die Frage auf, wie eine Gesellschaft mit automatisierten, auf Algorithmen basierten Entscheidungen umgehen soll.

Debatten, Diskussionen, Dialog

In den letzten Jahren wurde viel über Hass und Hetze im Netz geschrieben und gesprochen. Diese Debatte führen wir auf der reCampaign fort und spitzen sie auf Kampagnenarbeit zu. Wie wird im digitalen Zeitalter Meinungen im Netz gemacht? Wie kann trotz der rassistischen und sexistischen Hate Speech, populistischen Schreispiralen und Skandalgier ein fruchtbarer und konstruktiver Austausch gelingen? Was bedeutet es, sich in Zeiten von algorithmischen Gatekeepern, Filter Bubbles und Social Bots digital zu informieren? Und wo liegt die Grenze zwischen Zensur und freier Meinungsäußerung, wenn soziale Medien in letzter Instanz über sichtbare Inhalte entscheiden? Dazu haben ein Workshop und am Abend eine Podiumsdiskussion.

Ein weiterer Fokus liegt auf der Bedeutung, die das Arbeiten mit Daten für Organisationen mit sich bringt. Wie sieht ein verantwortungsvoller Umgang mit Daten aus? Auf welche Weise kann sinnvolle Datenvisualisierung erfolgen? Best Practices zur Arbeit mit YouTuber*innen und zum erfolgreichen Fundraising sowie was man von Künstler/innen lernen kann runden das Programm ab.

Das Beste sind die Teilnehmer/innen

Auch nach sieben Jahren bin ich fest davon überzeugt, dass das Beste an der reCampaign die Teilnehmer/innen sind. Erst sie machen das Programm komplett. Denn sie bringen ihre Erfahrungen ein, teilen ihr Wissen mit Kolleg/innen von anderen Organisationen, stellen kritische Fragen und suchen nach Lösungen. Das wird besonders am Barcamp-Tag sichtbar.

Ich freue uns auf den lebhaften Austausch!

Wer nicht dabei sein kann, folgt dem Hashtag #rc16 auf Twitter oder schaut auf unserer Socialwall vorbei.

Im Anschluss an die Konferenz werden wir Videoaufnahmen der Workshops veröffentlichen. Auf der reCampaign-Webseite findet ihr alle Infos zum Programm und die Dokumentation.

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