Weihnachten liegt 17 Wochen zurück. Und damit die Zeit, in der man traditionsgemäß Gutes tun will. Warum also schon wieder mit dem Thema anfangen? Und dann mit dem Bürgerkrieg in Syrien? Warum sich damit auseinandersetzen, dass vor unseren Augen einem ganzen Land das Rückgrat gebrochen wird? Das trauen sich nur wenige. Trau Dich.

Argumente gegen Spendenaktionen für syrische Flüchtlinge gibt es genug – hier die häufigsten:

  • Gegenargument 1: Kriege erfordern eine politische Lösung, Hilfreiches für direkt Betroffene zu tun beendet den Krieg in Syrien nicht!

    Stimmt, aber die Menschen werden nicht auf Dauer betroffen sein. Sie werden mit unserer Unterstützung überleben, wobei auch die politische Unterstützung eine wichtige Rolle spielt, damit sie ihrer Vision eines friedlichen Zusammenlebens eine Form geben können. Wenn sie nicht ausreichend versorgt sind, wenn sie Hunger leiden, keine medizinische Versorgung erhalten und ihre Kinder nicht mehr in die Schule gehen können, so wirft das die Gesellschaft um Jahrzehnte zurück. Das, was man sich an Hilfe in einem solchen Moment ‚spart‘, muss später in Zeiten des Friedens vierfach investiert werden. Es lohnt sich also, an der Seite der in diesem Krieg Schwächsten zu verweilen.

  • Gegenargument 2: Wer gegen das Assad-Regime ist, steht damit automatisch auf der Seite der syrischen Rebellen (die auch nicht alle als Demokraten gelten).

    Stimmt nicht. Inzwischen befindet sich ein Viertel der syrischen Bevölkerung auf der Flucht. Darunter sind Assad-Gegner/innen und Assad-Fans, Muslime, Christen, Islamisten, Pazifisten und, und, und. Doch in einer solchen Situation gibt es keine Trennung: Allen unschuldig in Not Geratenen muss geholfen werden! Humanitäre Hilfe darf es nicht in der Kombination mit Waffen oder politischen Vorlieben geben. Sie muss sich an der Not orientieren. Und Organisationen wie Oxfam tun dies. Täglich. Vor Ort sowie auf politischem Parkett.

  • Gegenargument 3: Für die syrischen Flüchtlinge sollten die Golfstaaten aufkommen.

    Das stimmt insofern, als die Golfstaaten augenblicklich die größten Geldgeber für die Nothilfe in und um Syrien sind. Dies reicht aber nicht aus. Wohlhabende Länder wie Deutschland sind ebenfalls verpflichtet, einen angemessenen Anteil für die humanitäre Hilfe zu leisten.

Es ist nach 17 Wochen Zeit umzudenken und mitzufühlen. Beim Weg zum Bäcker daran zu denken, dass syrische Familien eben nicht zum Bäcker gehen können, um ihre frischen Brötchen zu holen, da dieser Weg lebensgefährlich ist und Brot selten verfügbar. In Gedanken bei den Studenten und Studentinnen zu sein, deren Uni zerbombt ist und deren Zukunft nicht mehr existiert. Bei den Kindern, die ihre Väter für immer vermissen werden und die im besten Lego-Spielalter Kranke versorgen oder Nächte lang wach liegen, weil sie der Geschützlärm ängstigt.

Kurz vor dem Ausbruch des Krieges war ich zum letzten Mal in Damaskus. In einer wunderschönen Altstadt inmitten des syrischen Polizeistaates. Mit hoffnungsvollen Menschen, die sich freuten, dass es endlich auch bei ihnen Mobiltelefone und Internet gab. Jungen Menschen mit Geschäftsideen. Künstlern mit starker Ausdruckskraft. Alten, die die Hoffnung für ihre Kinder nie aufgegeben haben. Beeindruckende Gespräche, Einladungen zum Essen, positive Offenheit. Das prägt. Wenn Ihr Euch nun traut, etwas für diese Menschen zu tun, wir würden uns freuen:

http://www.oxfam.de/informieren/syrien

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