In der Tat ist es nur ein Stich, aber ein Stich, der tödlich enden kann. Es folgen Husten, Schnupfen, Kopfschmerzen – wie bei einer Erkältung. Doch dann kommen Schüttelfrost und hohes Fieber hinzu: es handelt sich um Malaria. Eine Krankheit, die – wenn sie nicht behandelt wird – lebensgefährlich ist. Besonders für Kinder. Darauf soll der Weltmalariatag am 25. April jedes Jahr den Blick richten.

Tansania, wo ich von 2008 bis 2011 gelebt habe,  gehört zu den sechs Ländern der Erde mit der höchsten Rate an Malaria-Toten. Die medizinische Versorgung ist schwach. Insbesondere Frauen, die sich nach wie vor maßgeblich um das Wohl der Familien kümmern,  haben häufig nicht genügend finanzielle Mittel zur Verfügung, um sich vor Malaria zu schützen. Dabei sind sie traditionell verantwortlich für Kinder, Alte und Kranke.  Manchmal fehlt sogar das Geld für ein Mückennetz, das nachts vor den Stichen schützen kann. Vorschläge wie der flächendeckende Einsatz von DDT (Dichlordiphenyltrichlorethan) zur Bekämpfung der die Malaria übertragenden Anophelesmücke werden da willkommen geheißen: Malariabekämpfung – wirksam und billig.

Aber natürlich hat es gute Gründe, dass der Einsatz von DDT z.B. in  Europa verboten ist. DDT gehört zu den schwer abbaubaren Umweltgiften, kann das Erbgut schädigen und Krebs erzeugen. Da geht es nicht nur der Mücke an den Kragen, sondern auch dem Huhn, das die toten Insekten frisst.

„Das ist wie die Wahl zwischen Pest und Cholera“ sagte meine tansanische Kollegin Sarah Chilendu immer. Wenn im Jahr 2010 mehr als 660.000 Menschen an Malaria starben, die meisten davon Kinder unter fünf Jahren, müsse man doch alles tun, was möglich sei. Doch wenn DDT an Schlafstellen kleiner Kinder eingesetzt wird, ist das besonders gefährlich. Sie sind anfällig für Erbgutschäden, die sich erst zeigen, wenn sie selbst einmal Kinder bekommen. Eine Krankheit wie Krebs ist in den meisten Ländern des globalen Südens nach wie vor kaum behandelbar, die Kosten für die Betroffenen nicht tragbar. „Aber sonst werden die Kinder nicht älter als fünf“, sagte Sarah.

Das ist eine schwere Entscheidung für eine Mutter, die schon ein Kind durch die Krankheit verloren hat. Und so lässt selbst die WHO, die Weltgesundheitsorganisation, Ausnahmeregelungen für den Einsatz von DDT zu. Die Debatte geht weiter. Während der Nutzen der Netze unbestritten ist.

Klar ist, dass der Kampf gegen Malaria in mehreren Stufen erfolgen muss. Das Sprühen von Insektiziden ist dabei nur ein Mittel, zudem gibt es Alternativen zu DDT. Es geht bei Malaria – auch in der Arbeit von Oxfam  –  um Vorsorge und Aufklärung, um Schutzmaßnahmen, um Tests, Diagnosen und um die Behandlung der Krankheit mit gezielt angewendeten Medikamenten.

In Europa können die meisten von uns bei Fieber zu einem gut ausgebildeten Arzt gehen, der diagnostiziert, woran wir erkrankt sind.  Der Oxfam-Bericht „Salt, Sugar and Malaria Pills“ (dt.:  Salz, Zucker und Malaria-Medikamente) belegt, dass viele Menschen in Ländern mit Malaria-Risiko sich auf die Einschätzung kleiner Kioskbetreiber und -betreiberinnen  verlassen müssen. Dort werden oft auch einzelne  Anti-Malaria-Tabletten verkauft. Um Menschen den Zugang zu Malaria-Medikamenten zu erleichtern, gibt es das Programm „Affordable Medicines Facility - malaria“ (AMFm), das subventionierte Malaria-Medikamente in acht Pilot-Ländern über den freien Markt vertreibt. Doch gut gemeint, ist nicht gut gemacht. Die Kioskbesitzer und -besitzerinnen haben keine Fachausbildung, die Diagnose ist Glückssache. Denn eigentlich setzt sie einen Bluttest der Erkrankten voraus. Daneben führt der nicht fachgerechte und häufige Gebrauch von Malaria-Medikamenten zunehmend zu Resistenzen, die Erreger werden durch die Medikamente nicht mehr abgetötet. Daher setzt sich Oxfam dafür ein, dies Programm zu stoppen, um die freiwerdenden Mittel für zielgerichtete Malaria-Bekämpfung in den betroffenen Ländern einzusetzen. Der Verkauf von Netzen an den Kiosken ist dagegen kein Problem.

Falls Ihr mehr zu der Studie wissen wollt, hier der Link auf den Report zu den Malaria-Medikamenten: Salt, Sugar and Malaria Pills

Und falls Euch einfache Lösungen gefallen und Ihr in nächster Zeit ein sinnvolles Geschenk braucht (z.B. für jemanden, der schon alles hat) – wie wär's mit einem Mückennetz von OxfamUnverpackt?

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