Ausbeutung in Vietnam: 1.200 Paar Schuhe für 9 Dollar

Die 32-jährige Duong Thi Lan arbeitet in einer Fabrik in der Dong Nai Provinz in Vietnam. Dort näht sie Absätze und Sohlen für Schuhe internationaler Marken zusammen. Sie arbeitet sechs Tage die Woche, neun Stunden am Tag, erhält etwa 1 US-Dollar pro Stunde. Pro Tag arbeitet sie an 1.200 Paar Schuhen – kann sich von ihrem monatlichen Gehalt allerdings noch nicht mal ein Paar davon für ihren Sohn leisten. Um über die Runden zu kommen, hat sie zwei zusätzliche Jobs: Zwei Abende in der Woche arbeitet sie als Schneiderin; sonntags, an ihrem freien Tag, als Kellnerin in einem Restaurant.

So wie Lan geht es vielen Arbeiter/innen in der Textilindustrie. Das grundsätzliche Problem: Hungerlöhne, die dazu beitragen, dass die Einkommensschere immer weiter auseinander geht. Spürbare Lohnsteigerungen erhalten insbesondere – meist männliche – Führungskräfte. Zudem sind Konzerne darauf fixiert, Gewinne an ihre Aktionär/innen auszuschütten, anstatt in Löhne zu investieren.

Würden die fünf weltweit führenden Textilkonzerne ein Drittel weniger an ihre Aktionär/innen auszahlen, könnte davon der Verdienst von 2,5 Millionen Textilarbeitskräften, das sind vor allem Frauen, in Vietnam auf ein existenzsicherndes Minimum angehoben werden.

Die Politik muss etwas ändern

Von der zukünftigen Bundesregierung fordern wir, für existenzsichernde Einkommen und Löhne zu sorgen: Unternehmen müssen gesetzlich zum Schutz der Menschenrechte verpflichtet werden – im eigenen Haus sowie bei ihren Tochter- und Partnerunternehmen. In den globalen Lieferketten deutscher Unternehmen müssen die zentralen internationalen Arbeitsrechte verbindlich gemacht und durchgesetzt werden. Strukturelle Barrieren, die der gleichberechtigten ökonomischen Teilhabe von Frauen im Wege stehen, müssen abgebaut werden. Und das Wirtschaftssystem muss dazu beitragen, Geschlechtergerechtigkeit zu schaffen, anstatt sie zu unterminieren.

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