Kampf um Al-Hodeida: Oxfam fordert Waffenstillstand

Engpässe bei Nahrungsmitteln und Wasser – Choleragefahr – 80.000 Menschen auf der Flucht
Die Lebensbedingungen für etwa eine halbe Million Menschen in Jemens umkämpfter Hafenstadt Al-Hodeida verschlechtern sich rasant. Darauf weist die Nothilfe- und Entwicklungsorganisation Oxfam hin. Oxfam berichtet von Mangel an Nahrungsmitteln und schwer beschädigten Wasser- und Abwassersystemen, die das Risiko eines erneuten Cholera-Ausbruchs erhöhen. Die Hilfsorganisation fordert einen sofortigen Waffenstillstand.

Al-Hodeida bereitet sich auf massive Angriffe vor. Bisher mussten über 80.000 Menschen aus ihren Häusern fliehen. In der Stadt wurden Truppen stationiert, Schützengräben gezogen und Barrikaden errichtet. Die Außenbezirke werden bombardiert, Flugblätter rufen die Bevölkerung zum Aufstand auf.

Oxfam appelliert an den UN-Sicherheitsrat, der sich heute mit dem Thema befassen wird, höchsten diplomatischen Druck auszuüben, um die Kriegsparteien zu einem Waffenstillstand zu bewegen.

Muhsin Siddiquey, Leiter des Oxfam-Einsatzes im Jemen, erklärt: „Das Schicksal von 600.000 Menschen steht auf dem Spiel. Schon jetzt sind die Ressourcen knapp, und es ist zu befürchten, dass wir den Auftakt zu einer massiven Offensive erleben, die viele Menschen töten wird. Die Weltgemeinschaft darf das nicht zulassen. Noch ist Zeit, die Zerstörung aufzuhalten. Die Unterstützer dieses Krieges, auch die in westlichen Hauptstädten, müssen aufhören, den Konflikt weiter anzuheizen. Stattdessen müssen sie maximalen Druck auf die Kriegsparteien ausüben, einen Waffenstillstand zu schließen. Wenn sie nicht schnell handeln, machen sie sich mitschuldig.“

Siddiquey weiter: „Zu unseren größten Befürchtungen gehört ein erneuter Cholera-Ausbruch. Im vergangenen Jahr war Al-Hodeida schwer von der Cholera betroffen, und ein neuer Ausbruch wäre katastrophal für die Menschen.“

 

Hintergrund: Situation in Al-Hodeida

  • Oxfams Kontaktpersonen in Al-Hodeida berichten von verwaisten Straßen. Viele Geschäfte, Märkte und Bäckereien haben geschlossen. Nach Panikkäufen der Bevölkerung sind Lebensmittel knapp, insbesondere Grundnahrungsmittel wie Mehl und Öl. Auch Kochgas ist schwer zu bekommen. Reis hat sich um 350 Prozent verteuert, Mehl um 50 Prozent und Öl um 40 Prozent. Gleichzeitig haben sich Haushaltseinkommen oft verringert, weil viele Fabriken schließen mussten.
  • Schon bisher war die Ernährungssituation in Al-Hodeida kritisch. Ein Viertel der Kinder ist unterernährt, seit dem vergangenen Jahr steht der Bezirk Al-Hodeida kurz vor einer Hungersnot, nahezu 800.000 Menschen leiden Hunger.
  • Auch die Wasserversorgung ist kritisch. Teile des Wasser- und Abwassersystems von Al-Hodeida sind durch die Verteidigungsvorbereitungen und Luftangriffe beschädigt worden, was wiederum das Cholera-Risiko erhöht.
  • Mindestens 35.000 Menschen mussten aufgrund der Kämpfe in den Außenbezirken bereits ihre Häuser verlassen. Einige haben sich in anderen Teilen der Stadt niedergelassen, andere sind in Schulen untergebracht. Die Stadt mit Hilfsgütern zu versorgen ist schon jetzt schwierig und wird noch schwieriger, wenn die Kampfhandlungen zunehmen.
  • Etwa 46.000 Menschen haben es geschafft, die Stadt zu verlassen. Auf der Flucht droht Gefahr durch Kämpfe, Luftangriffe und Landminen.
  • Oxfam versorgt 10.000 Menschen im Norden der Stadt.
  • Über den Hafen von Al-Hodeida wird ein Großteil der Lebensmittel, der Medikamente und des Treibstoffs in den Jemen eingeführt. Ein Ausfall des Hafens für längere Zeit würde das Leben von über acht Millionen Menschen ernstlich gefährden.

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