G7-Gipfel Frankreich

G7-Staaten kürzen Entwicklungszusammenarbeit um 48 Milliarden US-Dollar

Milliardärsvermögen wachsen um denselben Betrag in nur neun Tagen

Die G7-Staaten haben ihre Mittel für die Entwicklungszusammenarbeit zwischen 2024 und 2025 um 48 Milliarden US-Dollar gekürzt. Dies entspricht dem Vermögen, das Milliardär*innen in den sieben Ländern im selben Zeitraum in nur neun Tagen angehäuft haben. Das zeigt eine aktuelle Oxfam-Analyse anlässlich des bevorstehenden G7-Gipfels im französischen Évian. Ein weiteres Ergebnis: Ölkonzerne steigern ihre Gewinne während des Irankriegs auf rund 400 Millionen US-Dollar pro Tag. Oxfam fordert von der Bundesregierung und den G7, Milliardenvermögen sowie Übergewinne zu besteuern und die Mittel für Entwicklungszusammenarbeit zu erhöhen.

Die Kürzungen in der Entwicklungszusammenarbeit der G7 sind die größten in der Geschichte der Staatengemeinschaft. Die menschlichen Kosten sind katastrophal. Seit 2019, als Frankreich zuletzt den Vorsitz des G7-Gipfels innehatte, sind jede Minute 44 Menschen in eine humanitäre Notlage geraten. So trifft etwa die aktuelle Ebola-Krise in der Demokratischen Republik Kongo ein Land, in dem die massiven Mittelkürzungen Gesundheits- und Überwachungssysteme geschwächt haben. Durch ein funktionierendes Frühwarnsystem hätte der Ausbruch vermutlich Wochen eher erkannt werden können.

Ölkonzern-Gewinne voraussichtlich 80 Prozent über Vorkriegsniveau

Neue Berechnungen von Oxfam anlässlich des G7-Gipfels in Évian zeigen auch, wie Milliardär*innen und Ölkonzerne vom Irankrieg profitieren. Die Gewinne der sechs großen Ölkonzerne werden voraussichtlich 80 Prozent oder 68 Milliarden US-Dollar über den Vorkriegsprognosen liegen. Ihre Gewinne sind auf dem besten Weg, 152 Milliarden US-Dollar im Jahr 2026 zu erreichen, was 416 Millionen US-Dollar pro Tag entspricht. 41 G7-Milliardär*innen, deren Vermögen überwiegend aus dem Energiesektor stammt, also zum Beispiel aus Öl und Gas, haben ihr Vermögen seit Beginn des Krieges um 23,5 Milliarden Dollar vermehrt. 

Während die Gewinne von Öl- und Gasmilliardär*innen sprudeln, drehen die G7-Staaten bei Entwicklungszusammenarbeit und humanitärer Hilfe den Hahn zu.

Dabei ist offensichtlich mehr als genug Geld da – es konzentriert sich nur in den Händen weniger Superreicher. Und die deutsche Bundesregierung plant weitere drastische Kürzungen von Hilfsgeldern, mitten in einer Zeit, in der Menschen weltweit besonders darauf angewiesen sind. Gesundheit, Bildung, Armutsbekämpfung – all das steht auf dem Spiel. Internationale Solidarität wird so kaputtgespart, während die Mittel für Entwicklungszusammenarbeit nur zwei Prozent des Bundeshaushalts ausmachen. Die Bundesregierung muss die Mittel für Entwicklungszusammenarbeit und humanitäre Hilfe wieder erhöhen und Superreiche sowie Übergewinne von Unternehmen endlich konsequent besteuern, um mehr finanziellen Spielraum zu schaffen.“

Tobias Hauschild, Leiter des Bereichs Soziale Gerechtigkeit bei Oxfam Deutschland

Oxfam fordert die Bundesregierung und die anderen G7-Staaten auf, Milliardenvermögen und Übergewinne stärker zu besteuern, um zusätzliche öffentliche Einnahmen zu erzielen. Diese Mittel sollten genutzt werden, um die Entwicklungszusammenarbeit und humanitäre Hilfe zu stärken, statt die Budgets weiter zu kürzen. 

Redaktionelle Hinweise

  • Auf die G7-Länder entfallen rund drei Viertel der gesamten öffentlichen Entwicklungszusammenarbeit (ODA).
  • Die Gewinnprognosen der Ölkonzerne wurden anhand der Konsensschätzungen für den Nettogewinn im Jahr 2026 berechnet, also der durchschnittlichen Gewinnprognose für ein Unternehmen auf der Grundlage von Analystenschätzungen. Sie stammen von S&P Capital IQ. Die Schätzungen aus der Zeit vor dem Krieg vom 25. Februar 2026 wurden mit den Prognosen vom 26. Mai 2026 verglichen. Die Analyse konzentrierte sich auf die weltweit sechs größten Ölkonzerne nach Umsatz im Jahr 2025.
  • Die Daten zum Vermögen der Milliardär*innen basieren auf einer Analyse von Oxfam der Forbes-Echtzeit-Milliardärsliste vom 18. Mai 2026.
  • Mitarbeiter im Presseteam: Sebastian Danz.

    Sebastian Danz

    Pressereferent Soziale Ungleichheit, Steuern, humanitäre Krisen, Oxfam Shops