Ebola-Hotspots ohne sauberes Wasser und sanitäre Einrichtungen
Zwei Monate nach dem Ebola-Ausbruch im Osten der Demokratischen Republik Kongo sind Gesundheitseinrichtungen überlastet und die Versorgung mit sauberem Wasser vollkommen unzureichend. Auf dem Gelände eines Ebola-Behandlungszentrums in der Stadt Bunia sind bis zu 20.000 Menschen gezwungen, Trinkwasser aus einer einzigen Wasserquelle zu holen. Oxfam ist eine der wenigen Organisationen, die in den Provinzen Nord-Kivu und Ituri Wasser- und Sanitärversorgung leistet, doch fehlende Hilfsgelder verhindern eine Eindämmung des Virus.
Nach Angaben des Gesundheitsministeriums der Demokratischen Republik Kongo wurden in 42 Gesundheitszonen im Osten des Landes mehr als 2.086 Ebola-Fälle bestätigt, fast täglich kommen rund 70 neue Fälle hinzu. Es wurden bereits über 796 Todesfälle gemeldet.
Die Gesundheitseinrichtungen sind überlastet, einige arbeiten mit einer Auslastung von 130 Prozent. Oxfam-Mitarbeitende berichten, dass die meisten Gesundheitszentren in den Ebola-Hotspots weiterhin ohne sauberes Wasser und sanitäre Einrichtungen auskommen müssen. Dabei ist eine funktionierende sanitäre Versorgung die wichtigste Maßnahme gegen die Übertragung des Virus.
Dr. Manenji Mangundu, Oxfam-Länderdirektor für die Demokratische Republik Kongo, sagt: „Ohne sauberes Wasser und funktionierende sanitäre Einrichtungen fehlen die absoluten Grundvoraussetzungen, um die Ausbreitung des Ebola-Virus zu verhindern. Die Menschen sind aus Mangel an Alternativen gezwungen, Wasser innerhalb der Ebola-Behandlungszentren zu holen. Die Zeit drängt: Wir haben es bereits mit einer akuten Krise der öffentlichen Gesundheit zu tun.“
Das Virus breitet sich zudem über das ursprüngliche Epizentrum hinaus aus: Die Gesundheitsbehörden bestätigen neue Fälle in den Provinzen Tshopo und Haut-Uélé sowie zuletzt in Kisangani, einer Millionenstadt. Der Ebola-Ausbruch nähert sich somit dem Südsudan und der Zentralafrikanischen Republik.
Fehlende Finanzierung verhindert Hilfsmaßnahmen
Gleichzeitig bringen Finanzierungsengpässe die Ebola-Behandlungszentren an ihre Grenzen. Einrichtungen in Nord-Kivu und Ituri sind überbelegt. Es fehlt an Ressourcen um die steigende Zahl von Patient*innen ausreichend zu versorgen. Verdachtsfälle können zum Teil nicht mehr aufgenommen werden und müssen stattdessen in der nicht dafür ausgerichteten medizinischen Grundversorgung behandelt werden. Das mindert nicht nur Überlebenschancen, sondern setzt das Gesundheitspersonal sowie die Gemeinden einem zusätzlichen Ansteckungsrisiko aus.
Das Gesundheitspersonal muss teilweise ohne Schutzausrüstung wie Handschuhe arbeiten. Das führt an Orten wie in der Provinz Ituri zu hohen Infektionsraten unter dem medizinischen Personal.
Fehlende Finanzmittel bremsen außerdem die Aufklärungsarbeit in den Gemeinden. Dabei ist sie essenziell, um das Virus einzudämmen. Selbst zwei Monate nach dem Ausbruch sind aufgrund fehlender Mittel nur 10 Prozent der Mitarbeiter*innen zur Sensibilisierung für Präventionsmaßnahmen in den Gemeinden im Einsatz – ein Bruchteil dessen, was laut demZentrum für Krankheitskontrolle und Prävention (CDC) notwendig ist, um die Übertragung einzudämmen
„Gerüchte füllen die Lücke. Fehlendes Wissen oder Angst vor der Behandlung führt dazu, dass Menschen zu Hause bleiben und sterben. Jeder Patient, den wir nicht erreichen, eröffnet eine Übertragungskette, die wir nicht unterbrechen können“, ergänzt Mangundu.
Oxfam fordert dringende Investitionen, um die Wasserversorgung wiederherzustellen und Gesundheitseinrichtungen sowie Gemeinden besser auszustatten, damit Menschen grundlegende Schutzmaßnahmen erhalten. Jede Verzögerung ermöglicht es dem Virus, sich weiter auszubreiten und weitere Leben zu gefährden.
Redaktionelle Hinweise
- Oxfam ist eine der wenigen Organisationen, die in den Städten Butembo, Mongwalu und Rwampara Wasser- und Sanitärversorgung sowie Einbindung der Bevölkerung leistet. Um die grundlegende Wasser- und Sanitärversorgung in den betroffenen Gebieten zu sichern, hat Oxfam einen Finanzierungsbedarf von 10 Millionen Euro veranschlagt, um zu verhindern, dass sich das Virus weiter ausbreitet.
- Oxfam unterstützt zudem Ehrenamtliche vor Ort durch Schulungen und Aufklärungsmaßnahmen, die wiederum Vermittlungsarbeit leisten, wie sich Menschen vor Ebola schützen können und um Falschinformationen entgegenzuwirken.