Mehrere Kinder stehen in einem niedrigen Zelt ohne Boden. Es reget sehr stark und das Wasser fließt durchs Zelt. Im Hintergrund weitere provisorische Zelte.

El Niño: weltweites Extremwetter

Was ist El Niño?

El Niño ist ein wiederkehrendes globales Wetterphänomen, bei dem sich zunächst im Pazifischen Ozean Meeresströmungen und Winde verändern und sich das Wasser an der Meeresoberfläche erwärmt.

Was sich harmlos anhört, hat weitreichende Auswirkungen auf globale Wettermuster: Je nach Region sind extreme Trockenheit mit Wasserknappheit oder starke Regenfälle mit Überschwemmungen und Erdrutschen die Folge.

El Niño tritt ungefähr alle zwei bis sieben Jahre auf. 2026 hat sich erneut ein El Niño entwickelt, der sich rasch verstärkt. Die Wahrscheinlichkeit für einen sehr starken El Niño im Herbst und Winter 2026/27 liegt bei über 80 %.

Zudem besteht ein sehr hohes Risiko, dass dieser El Niño stärker ausfallen wird als die meisten seit 1950 beobachteten Ereignisse. Das Phänomen wird mindestens bis Anfang 2027 anhalten.

Folgen von El Niño

Aktuell haben Kürzungen der internationalen Hilfe und der Klimafinanzierung die Unterstützung für die verwundbarsten Länder erheblich geschwächt.

Im östlichen und südlichen Afrika sind 62 Millionen Menschen aufgrund von Überschwemmungen und Dürren mit einer sich verschärfenden Ernährungsunsicherheit konfrontiert. Mehrere Länder sind von einer Hungersnot bedroht, darunter Sudan, Südsudan und Somalia. An fast 80 Prozent der Wasserstellen in der Sahelzone sinken die Wasserstände bereits, wobei die Lage in Mauretanien, Mali, Niger, Burkina Faso und im Tschad besonders besorgniserregend ist.

Besonders deutlich zeigt sich das Doppelrisiko aus Dürre und starken Regenfällen am Horn von Afrika. Dort könnten, wie beim letzten El Niño 2023/24, schwere Überschwemmungen zum Beispiel in Wajir (Kenia) zu einer humanitären Krise führen. Damals wurden Straßen unpassierbar und haben zu Engpässen bei Nahrungsmitteln und Treibstoff geführt. Oxfam unterstützte betroffene Gemeinden durch bedingungslose Bargeldtransfers sowie durch Gesundheits- und Sanitärversorgung.

El Niño dürfte zudem die ohnehin durch den Konflikt im Iran stark gestiegenen Preise für Lebensmittel, Treibstoff und Düngemittel weiter in die Höhe treiben. Darüber hinaus drohen weitere Störungen der Lebensmittelversorgungsketten und stärkere Preisschwankungen auf den Weltmärkten.

El Niño belastet das ohnehin geschwächte humanitäre System zusätzlich, das schon jetzt Mühe hat, mit dem Ausmaß der Not Schritt zu halten.

 Die verfügbaren Mittel sind angesichts des Ausmaßes dieser beispiellosen Bedrohung und der damit verbundenen Gefahren völlig unzureichend.

Marta Valdes García, Leiterin der humanitären Hilfe bei Oxfam International
Ein älterer Mann zeigt per Handbewegungen auf die Überflutungen sowie die zerstörte Infrastruktur.

Abdirahman Bulle (im Bild) erzählt von der Zerstörung, die Überschwemmungen in seinem Dorf in Wajir (Kenia) verursacht haben.

Besteht zwischen El Niño und der Klimakrise ein Zusammenhang?

Wie genau El Niño und die weltweite Klimakrise im Zusammenhang stehen, wird noch erforscht. Wissenschaftler*innen sagen allerdings voraus, dass besonders intensive El Niños aufgrund der globalen Erderwärmung häufiger als in der Vergangenheit auftreten könnten.

Die Klimakrise verstärkt zudem die Auswirkungen von El Niño – Trockenheit einerseits, Überschwemmungen andererseits – durch die allgemein beschleunigte Verdunstung.

Was sind politische Maßnahmen zu Klimaphänomenen wie El Niño?

Zwischen den Zielen des 2015 beschlossenen Pariser Klimaabkommens (mit dem Ziel, die globale Erwärmung unter 1,5°C zu halten) und der klimapolitischen Realität besteht weiter eine große Diskrepanz. Die Klimaschutzziele weisen eher auf eine Erwärmung um rund 3°C bis Ende des Jahrhunderts hin – mit drastischen Folgen für Länder des Globalen Südens.

Doch zur finanziellen Unterstützung der von der Klimakrise am stärksten betroffenen Länder fehlt bis heute die politische Bereitschaft. Das Thema wird selbst auf den globalen Klimakonferenzen sträflich vernachlässigt.

Unsere Forderungen

  • Regierungen müssen die humanitäre Finanzierung umgehend aufstocken und Mittel auf Grundlage verlässlicher Prognosen und lokal abgestimmter Pläne frühzeitig bereitstellen.
  • Betroffenen Ländern müssen Schulden erlassen werden, die den Handlungsspielraum dieser Länder bei der Vorbereitung auf El Niño und der Bewältigung seiner Auswirkungen einschränken.
  • Es braucht massive Investitionen in die Anpassung an die Klimakrise, in widerstandsfähige Ernährungssysteme, eine sichere Wasserversorgung und lokal gesteuerte Hilfsmaßnahmen.

El Niño wirkt als Krisenverstärker.

Wir wissen, dass es immer besser und auch kostengünstiger ist, vor einer Krise zu handeln, als hinterher die Scherben aufzukehren. Die Regierungen reicher Geberländer dürfen nicht länger untätig bleiben.

Marta Valdes García, Leiterin der humanitären Hilfe bei Oxfam International

Oxfams Arbeit vor Ort

Um auf die kommenden Monate gut vorbereitet zu sein, haben wir gemeinsam mit unseren Partnerorganisationen humanitäre Programme neu gestaltet und neu priorisiert.

So arbeiten wir beispielsweise in Kenia mit gemeinschaftsbasierten Organisationen, jugendlichen Helfer*innen und Anwohner*innen in hochwassergefährdeten Gebieten zusammen, um lokale Risiken zu erfassen und Resilienzzentren einzurichten. Außerdem planen wir Geldtransfers, die Bereitstellung von Materialien für Notunterkünfte, Hygiene-Sets für Frauen sowie die Unterstützung bei der Wasserversorgung und Abwasserentsorgung.

Unterstützen Sie jetzt Menschen in humanitären Krisen
  • Jan Kowalzig

    Jan Kowalzig

    Referent für Klimawandel & Klimapolitik
  • Ludwig Gloger, Referent Humanitäre Hilfe

    Ludwig Gloger

    Referent Humanitäre Hilfe