El Niño: weltweites Extremwetter
Was ist „El Niño“?
El Niño ist ein wiederkehrendes globales Wetterphänomen, bei dem sich zunächst im Pazifischen Ozean Meeresströmungen und Winde verändern und sich das Wasser an der Meeresoberfläche erwärmt.
Was sich harmlos anhört, hat weitreichende Auswirkungen auf globale Wettermuster: Je nach Region sind extreme Trockenheit mit Wasserknappheit oder starke Regenfälle mit Überschwemmungen und Erdrutschen die Folge.
El Niño tritt ungefähr alle zwei bis sieben Jahre auf. 2026 hat sich erneut ein El Niño entwickelt, der sich rasch verstärkt. Die Wahrscheinlichkeit für einen sehr starken El Niño im Herbst und Winter 2026/27 liegt bei über 90 %.
Zudem besteht ein sehr hohes Risiko, dass dieser El Niño stärker ausfallen wird als die meisten seit 1950 beobachteten Ereignisse. Das Phänomen wird mindestens bis Anfang 2027 anhalten.
Folgen von El Niño
Nach Einschätzung des Welternährungsprogramms (WFP) könnten weltweit fast 50 Millionen Menschen zusätzlich in akute Ernährungsunsicherheit geraten. Die Auswirkungen der Extremwetterereignisse sind in großen Teilen Afrikas sowie in Süd- und Mittelamerika, in der Karibik, in Asien und im Pazifik zu spüren. Europa ist durch El Niño weniger betroffen.
Besonders deutlich zeigt sich das Doppelrisiko aus Dürre und starken Regenfällen am Horn von Afrika. Dort könnten, wie beim letzten El Niño 2023/24, schwere Überschwemmungen zum Beispiel in Wajir (Kenia) zu einer humanitären Krise führen. Damals wurden Straßen unpassierbar und haben zu Engpässen bei Nahrungsmitteln und Treibstoff geführt. Oxfam unterstützte betroffene Gemeinden durch bedingungslose Bargeldtransfers sowie durch Gesundheits- und Sanitärversorgung.
Abdirahman Bulle (im Bild) erzählt von der Zerstörung, die Überschwemmungen in seinem Dorf in Wajir (Kenia) verursacht haben.
Besteht zwischen El Niño und der Klimakrise ein Zusammenhang?
Wie genau El Niño und die weltweite Klimakrise im Zusammenhang stehen, wird noch erforscht. Wissenschaftler*innen sagen allerdings voraus, dass besonders intensive El Niños aufgrund der globalen Erderwärmung häufiger als in der Vergangenheit auftreten könnten.
Die Klimakrise verstärkt zudem die Auswirkungen von El Niño – Trockenheit einerseits, Überschwemmungen andererseits – durch die allgemein beschleunigte Verdunstung.
Was sind politische Maßnahmen zu Klimaphänomenen wie El Niño?
Zwischen den Zielen des 2015 beschlossenen Pariser Klimaabkommens (mit dem Ziel, die globale Erwärmung unter 1,5°C zu halten) und der klimapolitischen Realität besteht weiter eine große Diskrepanz. Die Klimaschutzziele weisen eher auf eine Erwärmung um rund 3°C bis Ende des Jahrhunderts hin – mit drastischen Folgen für Länder des Globalen Südens.
Doch zur finanziellen Unterstützung der von der Klimakrise am stärksten betroffenen Länder fehlt bis heute die politische Bereitschaft. Das Thema wird selbst auf den globalen Klimakonferenzen sträflich vernachlässigt.
Es muss aber deutlich mehr investiert werden, damit die Menschen sich langfristig an die künftigen Veränderungen infolge des Klimawandels besser anpassen können, etwa durch veränderte Anbaumethoden, Bewässerungssysteme, Katastrophenvorsorge und Frühwarnsysteme. Wirtschaftlich privilegierte Länder wie Deutschland, die eine Mitverantwortung für die Klimakrise tragen, müssen dabei vorangehen.