„Ich hatte eine Familie und ein gutes Einkommen, aber ich musste fliehen”, erzählt Peter O.*, dessen Leben in Nigeria von Angriffen der Boko Haram bedroht war. Seit 2011 versucht die radikal-islamische Gruppe, im Nordosten des Landes gewaltsam einen eigenen Staat zu errichten. Schätzungsweise 2,2 Millionen Menschen sind deshalb in Nigeria auf der Flucht.

„Wir ließen nachts beim Schlafen unsere Schuhe an …“

„Entweder steige ich in ein Boot und überquere das Meer nach Europa oder sterbe in meinem Land. Ich habe mich für das Meer entschieden.
Peter O.

Peter verließ sein Haus ohne sein Hab und Gut. Um seine Familie zu schützen, erzählte er ihnen nicht, wo er sich aufhielt. Zuerst versuchte er, in Niger und Libyen Arbeit zu finden. Doch auch dort war es auf Dauer für ihn nicht sicher genug. „Wir ließen nachts beim Schlafen unsere Schuhe an, weil wir in jedem Moment bereit sein mussten zu fliehen“, erklärt Peter über seine Zeit in Libyen.

Aus Angst um sein Leben, traf er die Entscheidung, über das Mittelmeer nach Europa zu fliehen. „Entweder steige ich in ein Boot und überquere das Meer nach Europa oder sterbe in meinem Land. Ich habe mich für das Meer entschieden.“

Peter ist angekommen

Heute steht er in einer Küche in Arezzo, Italien und bereitet Tortellini zu. Peter lernt, italienisch zu kochen und arbeitet auf einem Bauernhof. Zusammen mit sechs weiteren Migranten lebt er in einer Wohnung in der Nähe von Arezzo. Peter ist angekommen und baut sich mit der Unterstützung von Oxfam ein neues Leben auf.

„Ich habe viele Menschen sterben sehen.“

Das Leben, was er jetzt führt, hätte er sich nie vorstellen können. „Ich habe viele Menschen sterben sehen“, erzählt er von seiner Überfahrt auf dem Meer nach Italien. Zwischen Januar und Juni 2016 sind über das Mittelmeer fast 100.000 Migranten und Flüchtlinge in Europa angekommen. Die meisten reisen wie Peter auf seeuntüchtigen Booten von Libyen, Tunesien oder Ägypten und riskieren auf der Suche nach Sicherheit ein weiteres Mal ihr Leben. Viele von ihnen hatten noch nie das Meer gesehen oder können nicht schwimmen.  

Ein neues Leben

Peter Okharedia steht auf einen Balkon und schaut hinaus.

Für die Menschen, die die italienische Küste erreichen, ist es sehr schwer, in Italien Fuß zu fassen. Viele Migrant/innen und Flüchtlinge haben nichts mehr, wenn sie ankommen. Sie mussten auf der Flucht alles zurücklassen. Sie sind gezwungen, auf der Straße zu leben, weil sie keinen Asylantrag stellen dürfen und aus den Aufnahmezentren verwiesen wurden.

Flüchtlinge aus Afrika gehen von Bord eines Schiffes in Sizilien.
Migranten kommen in Sizilien an.

Um diese Menschen möglichst sofort nach ihrer Ankunft zu erreichen, hat Oxfam in Catania, Sizilien einen mobilen Dienst eingerichtet. In diesem Team arbeiten auch ein Sozialarbeiter und ein kultureller Übersetzer. Sie unterstützen vor allem die Migrant/innen, die aus dem italienischen Aufnahmesystem gefallen sind und somit besondere Hilfe benötigen.

Geflüchtete und Oxfam-Mitarbeiter sitzen an einem Tisch und unterhalten sich.

Wir versorgen diese Menschen mit medizinischer Hilfe und mit Informationen, sie erhalten rechtliche Beratung und wir stellen sichere Unterkünfte für sie bereit. Wir organisieren Ausbildungen und Sprachkurse.

Personen sitzen an einem Tisch und essen zusammen.

Wir unterstützen die Menschen dabei anzukommen, sich ein neues Leben aufzubauen und eine Arbeit zu finden. Aber wir wollen noch viel mehr Menschen erreichen.

* Name der Redaktion bekannt

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