„Bis 2030 für alle Menschen inklusive, chancengerechte und hochwertige Bildung sicherstellen sowie Möglichkeiten zum lebenslangen Lernen fördern“ – das hat sich die Staatengemeinschaft als Ziel gesetzt. In den letzten Jahren konnten zwar deutlich mehr Kinder zur Schule gehen als früher, auch Bildungschancen für Mädchen haben sich verbessert. Doch der Bildungssektor steht vor enormen Herausforderungen: Bessere Qualität, mehr ausgebildete Lehrkräfte und gerechterer Zugang zu Bildung sind nötig, um das Ziel zu erfüllen.

Befürworter der Privatisierung sehen im Ausbau gebührenpflichtiger Angebote durch gewinnorientierte Unternehmen den einzigen Ausweg, Bildung zu „geringen“ Gebühren für alle zugänglich zu machen und die Qualität zu steigern. Sogenannte Low-fee Private Schools (LFPS) sind in Mode, zu den Fans gehört die Weltbank genauso wie Facebook-Chef Mark Zuckerberg.

Privatschulen machen Millionengewinne

In das lukrative Geschäft sind längst privatwirtschaftliche Akteure eingestiegen. Das Bildungsunternehmen Bridge International Academies etwa rechnet mit einem Profit von 500 Millionen US-Dollar in den nächsten zehn Jahren. Der Geschäftsführer des Bildungskonzerns Pearson bezeichnet Bildung als „große Wachstumsindustrie des 21. Jahrhunderts“. Bildung wird so zur Ware gewinnorientierter Unternehmen.

Ein Trend auf Kosten armer Familien

Dass dies auf Kosten armer Familien geht, zeigt der neue Bericht „Private Profit, Public Loss“ der Globalen Bildungskampagne (Global Campaign for Education). Er untersucht die Folgen dieser Privatisierung im Bildungsbereich und zeigt erhebliche Risiken der Low-fee Private Schools auf:

  • Qualität: Schüler/innen werden in Low-fee Private Schools zumeist von schlecht ausgebildeten und unterbezahlten Lehrkräften lediglich auf das Bestehen von Prüfungen getrimmt. Ein ganzheitliches Bildungsverständnis fehlt, bessere Qualität als in öffentlichen Schulen lässt sich nicht nachweisen.
  • Bezahlbarkeit: Die Gebühren sind nicht so niedrig, wie der Name suggeriert. Auch wenn es um geringe Beträge geht, belasten diese doch erheblich die Haushalte armer Familien. Ärmere Familien können sich oft nur für ein Kind den Schulbesuch leisten oder müssen sich beispielsweise zwischen Schulbesuch und Medikamenten entscheiden.
  • Zugang für benachteiligte Gruppen: Gerade ländliche Gebiete, die sowieso schon unterversorgt sind, decken auch die Low-fee Private Schools kaum ab. Und wenn Familien wegen der Gebühren nur eines ihrer Kinder zur Schule schicken können, müssen Mädchen und Kinder mit Behinderungen oft zu Hause bleiben. Bestehende Benachteiligungen werden also verschärft.
  • Effizienz und Innovation: Die Low-fee Private Schools brüsten sich damit, eine größere Anzahl an Kindern zu erreichen und besonders innovativ zu sein. Doch Tablet-Computer für Lehrerkräfte und standardisierte Unterrichtseinheiten mögen zwar billig sein, sind aber kein Ersatz für gut ausgebildete Lehrkräfte.

Gute öffentliche Bildungssysteme sind bezahlbar

Statt Low-fee Private Schools sind Investitionen in öffentliche Bildungssysteme nötig. Bildung ist eines der wirksamsten Mittel, um soziale Ungleichheit zu überwinden und Chancengerechtigkeit für arme, marginalisierte Gruppen herzustellen. Dies gelingt jedoch nur, wenn Staaten gute, gebührenfreie Bildung für alle zugänglich machen.

Arme Länder müssen ihre Steuereinnahmen erhöhen, z.B. durch progressive Steuersysteme oder die Besteuerung von ausländischen Unternehmen, und in Bildung investieren.

Die Entwicklungszusammenarbeit muss entsprechende Mittel bereitstellen und den Trend sinkender Hilfe für Grundbildung der letzten Jahre umkehren. Auch eine Finanztransaktionssteuer könnte erhebliche Einnahmen generieren, die unter anderem für Investitionen in Bildung genutzt werden sollten.