Jemen: Die weltweit größte humanitäre Krise nimmt kein Ende

Der Krieg im Jemen dauert bereits mehr als 1.000 Tage, hat mehr als 5.500 Zivilisten das Leben gekostet und knapp drei Millionen Jemenitinnen und Jemeniten zur Flucht getrieben. Neben einer drohenden Hungersnot leiden die Menschen an der weltweit größten Cholera-Epidemie. Das kriegsgebeutelte Land benötigt dringend humanitäre Hilfe.
Der Junge Mujahed (Name geändert) lebt mit seiner Familie und Hunderten von anderen Binnenvertriebenen im Huth-Camp im Jemen
Der 11-jährige Mujahed (Name geändert) lebt mit seiner Familie und Hunderten von anderen Binnenvertriebenen im Huth-Camp im Jemen

Im Jemen herrscht die aktuell größte humanitäre Krise unserer Zeit. Das Unfassbare daran: Der Konflikt ist komplett menschengemacht. Seit mehr als 1.000 Tagen wüten schwere Kämpfe zwischen Regierungstruppen, ihren ausländischen Verbündeten und bewaffneten Oppositionsgruppen. Die Folge des bald dreijährigen Krieges: Mehr als 5.500 Zivilisten wurden getötet, mehr als 9.000 verletzt – durch Luftangriffe, Bodenkämpfe, Raketen und Scharfschützen. Häuser, Schulen und Krankenhäuser wurden dem Boden gleichgemacht; Farmen, Fabriken und Geschäfte zerstört. Zudem mussten wegen der anhaltenden Kämpfe beinahe drei Millionen Menschen ihre Heimat verlassen.

In den letzten Wochen sind in den Gouvernements Taiz und Aden die Kämpfe eskaliert, zahlreiche Menschen wurden durch Luftangriffe und Bodenkämpfe getötet. Dutzende Familien sind vor den Kämpfen geflohen. Auch Oxfam musste sein Büro in Hoban in Taiz vorübergehend schließen.

Da die Granaten 500 Meter entfernt einschlugen, hatten wir keine andere Wahl, als unser Büro in Hoban, Taiz, vorübergehend zu schließen. Sobald die Sicherheit unserer Mitarbeiter/innen gewährleistet ist, wollen wir unsere Arbeit wieder aufnehmen und den Jemenitinnen und Jemeniten dringend benötigte Hilfe bereitstellen.
Shane Stevenson, Oxfams Country Director im Jemen

Millionen leiden Hunger, Tausende erkranken an Cholera

Neben der brutalen Kriegsführung durch alle Kriegsparteien sind die Einschränkungen für die Einfuhr wichtiger Versorgungsgüter dafür verantwortlich, dass Millionen Menschen kaum Zugang zu Nahrung, Wasser und Gesundheitsversorgung haben. Mehr als die Hälfte aller Jemenitinnen und Jemeniten hat nicht genügend zu essen, 1,8 Millionen Kinder und mehr als 1 Million stillende Frauen leiden unter schwerer Mangelernährung, die Gefahr einer Hungersnot steigt täglich. Hinzu kommt die weltweit größte Cholera-Epidemie, für die kein Ende in Sicht scheint. Seit April 2017 wurden im Jemen über eine Millionen Choleraverdachtsfälle registriert, während sich die Krankheit in beinahe allen Landesteilen ausgebreitet hat. Mehr als 2.200 Menschen sind an der gefährlichen Durchfallerkrankung bereits gestorben.

Insgesamt sind drei Viertel der Bevölkerung auf Unterstützung angewiesen – mehr als 22 Millionen Menschen.

Sofortiger Stopp aller Waffenlieferungen

Neben dringender humanitärer Hilfe benötigen die Menschen im Jemen vor allem eines: Frieden. Die Kämpfe müssen endlich aufhören. Wir fordern daher nicht nur einen Waffenstillstand, sondern einen Stopp aller Waffenlieferungen an Kriegsparteien im Jemen. Wir appellieren an alle direkten und indirekten Konfliktparteien, eine politische Lösung zu suchen, um Zivilisten zu schützen und Gewalt, Blutvergießen, Flucht und Krankheit ein Ende zu setzen.

Oxfams Arbeit im Jemen

Trotz der Auswirkungen auf unsere Arbeit sind wir vor Ort und leisten akute Nothilfe. Wir stellen Trinkwasser bereit, verteilen Hygiene-Sets zum Schutz vor Cholera und unterstützen Familien mit Bargeld, damit sie Nahrungsmittel und andere lebenswichtige Güter kaufen können. Seit Ausbruch der Krise haben wir bereits mehr als 1,5 Millionen Menschen erreicht. Doch im Jemen sind mehr Menschen auf humanitäre Hilfe angewiesen als irgendwo sonst auf der Welt.

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Cholera Epidemie im Jemen, Sufian Ahmed aus Aden

Jemen

Oxfam unterstützt seit über 30 Jahren die Menschen im Jemen. Seit Ausbruch der jüngsten Krise hat Oxfam dort bereits mehr als 1,5 Millionen Menschen erreicht. Wir stellen vor allem Trinkwasser bereit und verteilen Bargeld, mit dem Familien Nahrungsmittel und andere lebenswichtige Güter kaufen können.

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