Erklärung zu aktuellen Vorwürfen gegen Oxfam

Derzeit werden verschiedene Vorwürfe gegen Oxfam erhoben. Unter anderem wegen sexuellen Fehlverhaltens ehemaliger Mitarbeiter 2011 in Haiti und 2006 im Tschad sowie in Oxfam Shops in Großbritannien. Hier lesen Sie mehr über die Vorwürfe und Oxfams Konsequenzen daraus. (Letzte Aktualisierung dieser Seite: 20.02.2018, 17:30 Uhr)
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Oxfams Aktionsplan gegen Belästigung und sexuelle Ausbeutung

Nach den Vorfällen sexueller Ausbeutung durch Oxfam-Mitarbeiter stellt Oxfam einen umfassenden Aktionsplan vor. Mit dem Aktionsplan wollen wir offensiv gegen Belästigung und sexuelle Ausbeutung in der gesamten Organisation vorgehen.

Weitere Informationen zu unserem Aktionsplan finden Sie hier.

Anhörung vor dem parlamentarischen Ausschuss in London

Am 20.02.2018 wurden Oxfam-International-Geschäftsführerin Winnie Byanyima, Mark Goldring, Geschäftsführer von Oxfam Großbritannien, sowie Caroline Thomson, Kuratoriumsvorsitzende von Oxfam Großbritannien, vor einem Parlamentsausschuss in London angehört.

Winnie Byanyima: „Ich verspreche, dass Oxfam alles dafür tun wird, um zur globalen Bewegung zum Schutz von Frauen und Mädchen beizutragen. Letzte Woche habe ich einen neuen globalen Aktionsplan angekündigt, um unsere Organisationskultur zu ändern und unsere Safeguarding-Maßnahmen zu verbessern. Der Plan beinhaltet die Einrichtung einer unabhängigen Kommission, die Erhöhung von Investitionen und Ressourcen für das Safeguarding und die weitere Stärkung unserer vertraulichen Meldeverfahren.“

Der Hilfsorganisation Oxfam sind 26 neue Berichte über sexuelles Fehlverhalten bekannt geworden. Das sagte der britische Chef der Organisation, Mark Goldring, vor dem Parlamentsausschuss in London. Es handele sich um teils ältere, teils aber auch jüngere Vorfälle, die Mitarbeiter noch nicht gemeldet hätten.

Was ist 2011 in Haiti konkret geschehen?

Nach dem Erdbeben 2010 entsendete Oxfam Mitarbeiter nach Haiti, um Nothilfe zu leisten. 2011 wurden Vorwürfe der sexuellen Ausbeutung durch Oxfam-Mitarbeiter bekannt, untersucht und bestätigt.

Das Verhalten der sechs Oxfam-Mitarbeiter war völlig inakzeptabel und ist weder mit den Werten, für die sich Oxfam einsetzt, noch mit den hohen Erwartungen an alle Oxfam-Mitarbeiter/innen vereinbar. Die Inanspruchnahme sexueller Dienstleistungen ist ein schwerer Verstoß gegen Oxfams Verhaltenskodex (den Verhaltenskodex können Sie hier einsehen (englisch)).

Welche Konsequenzen hat Oxfam gezogen?

Oxfam nimmt derartige Vorwürfe sehr ernst und hat die Vorfälle 2011 sofort nach Bekanntwerden untersucht. Die betroffenen Mitarbeiter wurden für die Dauer der Untersuchung von der Arbeit suspendiert. Als sich die Vorwürfe der sexuellen Ausbeutung gegen sechs Oxfam-Mitarbeiter bestätigten, wurden vier von ihnen sofort entlassen. Zwei weitere hatten vor Ende der Untersuchung selbst gekündigt.

Der zuständige Landesdirektor hat die volle Verantwortung für die Vorfälle übernommen, intensiv mit dem Untersuchungsteam kooperiert und seine Stelle bei Oxfam aufgegeben.

Oxfam hat den vollständigen Bericht der damaligen internen Untersuchung jetzt veröffentlicht. Hier können Sie den Bericht (englisch) herunterladen. Ergänzende Informationen finden Sie in der Pressemitteilung dazu.

Sind Prostituierte mit Spendengeldern bezahlt worden?

Einige Medien hatten berichtet, im Zusammenhang mit den Vorfällen seien Spendengelder veruntreut worden. Das ist falsch. Richtig ist: Es wurden keine Prostituierten aus Oxfam-Mitteln bezahlt.

Waren Minderjährige unter den Prostituierten?

Hinweise auf minderjährige Prostituierte haben sich im Rahmen der Untersuchungen nicht bestätigt.

Wie hat Oxfam die Vorfälle transparent gemacht?

Oxfam hat vollständig mit den zuständigen Behörden kooperiert. Aufgrund der besonderen Situation nach dem Erdbeben in Haiti wurde in diesem Fall – nach Einholung rechtlichen Rats – die örtliche Polizei nicht eingeschaltet.

Oxfam hat jedoch sowohl die Untersuchung der Vorfälle als auch das entschiedene Vorgehen gegen die beteiligten Mitarbeiter öffentlich gemacht – auch gegenüber den Medien. Am 5. August und am 5. September 2011 wurden Presseerklärungen zur Untersuchung der Vorwürfe und zu den Ergebnissen veröffentlicht.

Oxfam-Gremien und Geberinstitutionen, darunter die EU, WHO und UN-Agenturen, sowie die UK Charity Comission wurden über die Untersuchungen und ihren Ausgang informiert.

Was hat Oxfam seither unternommen, damit derartige Vorfälle nicht mehr passieren?

Oxfam setzt alles daran, damit sich Vorfälle wie in Haiti nicht wiederholen. Wir haben unter anderem ein Team eingesetzt, das einen verantwortungsvollen Umgang mit Fällen von sexueller Gewalt, Belästigung und Ausbeutung sicherstellt. Zudem hat Oxfam ein Hinweisgebersystem eingerichtet, unter dem solche Fälle vertraulich gemeldet werden können.

Oxfam Deutschland entsendet selbst kein Personal in Länder des Globalen Südens. Unsere Projekte werden von Oxfam Länderbüros und Partnerorganisationen vor Ort umgesetzt. Um die sachgerechte und verantwortungsvolle Umsetzung sicherzustellen, gibt es entsprechende Verträge mit den Organisationen vor Ort, regelmäßige Monitoring-Reisen und Berichte. Die Verträge enthalten klare Regelungen, welche Verhaltensregeln für Mitarbeiter/innen gelten und wie vorzugehen ist, wenn es zu Fällen sexueller Belästigung, Missbrauch oder Ausbeutung kommt.

Es sind uns keine Fälle aus der Vergangenheit bekannt von sexueller Belästigung, Missbrauch oder Ähnlichem, mit denen Oxfam Deutschland in der Programmarbeit konfrontiert war.

Auf internationaler Ebene hat Oxfam Strukturen und Prozesse, die sicherstellen sollen, dass Mitarbeiter/innen und Menschen, mit denen wir arbeiten, vor sexueller Ausbeutung und Gewalt geschützt sind,zum Beispiel einen Verhaltenskodex und Hinweisgebersysteme, die hohen internationalen Standards gerecht werden. Den Verhaltenskodex und weitere Informationen zu den Hinweisgebersystemen finden Sie auf der Website von Oxfam Great Britain (englisch).

Steht Oxfam aktuell in Kontakt mit der haitianischen Regierung?

Vertreter/innen von Oxfam haben sich am Montag (19.2.2018) mit dem haitianischen Minister für Planung und internationale Zusammenarbeit, Aviol Fleurant, getroffen. Sie sprachen über die Vorwürfe sexueller Ausbeutung gegen Oxfam-Mitarbeiter während des Nothilfeeinsatzes in Haiti nach dem Erdbeben von 2010. Oxfam hat seine Betroffenheit über die Vorfälle ausgedrückt und um Verzeihung gebeten.

Zudem übergab Oxfam den internen Untersuchungsbericht aus dem Jahr 2011 und einen förmlichen Entschuldigungsbrief. Wir hoffen, dass wir in naher Zukunft in einem Treffen zwischen der haitianischen Regierung, der Oxfam-International-Geschäftsführerin Winnie Byanyima sowie Mark Goldring, Geschäftsführer von Oxfam Großbritannien, weitere Schritte der Aufarbeitung vereinbaren können.

Gab es 2006 im Tschad ähnliche Vorfälle wie 2011 in Haiti?

Oxfam-Mitarbeiter haben auch 2006 im Tschad sexuelle Dienstleistungen von Einheimischen in Anspruch genommen. In leitender Verantwortung war zu der Zeit jener Landesdirektor, der später wegen des massiven Fehlverhaltens von Oxfam-Mitarbeitern 2011 in Haiti Oxfam verlassen hat. Es gab 2006 intern Meldungen über diese Vorfälle, es ist jedoch nicht angemessen darauf reagiert worden.

Am Montag (12. Februar 2018) hat deshalb die stellvertretende Geschäftsführerin von Oxfam Großbritannien, Penny Lawrence, die Verantwortung hierfür übernommen und ist zurückgetreten: „Als damalige Programmdirektorin schäme ich mich dafür, dass diese Dinge unter meiner Aufsicht passiert sind und übernehme dafür die volle Verantwortung.“ Penny Lawrence war in den Jahren 2006 bis 2016 als Programm-Direktorin tätig.

Was sagt Oxfam zu den Vorwürfen der ehemaligen Leiterin des Safeguarding-Teams bei Oxfam Großbritannien, Helen Evans?

Am Montagabend (12. Februar 2018) erhob die ehemalige Leiterin des Safeguarding-Teams (bis 2015) bei Oxfam Großbritannien, Helen Evans, den Vorwurf, ihr Team habe nicht die nötigen personellen Ressourcen erhalten, um die Fülle der bekannt gewordenen Fälle sexuellen Fehlverhaltens zu bearbeiten. Zudem sei auf Fälle sexuellen Missbrauchs in Oxfam Shops in Großbritannien nicht angemessen reagiert worden.

Seit 2015 sind verschiedene Maßnahmen ergriffen worden, um die Arbeit des Safeguarding-Teams zu unterstützen. Unter anderem wurde die Anzahl der Mitarbeiter/innen verdoppelt, derzeit werden zwei weitere eingestellt. Auch gibt es inzwischen spezielle Trainings und Überprüfungen von leitenden Oxfam-Mitarbeiter/innen in den Oxfam Shops.

Was steckt hinter den Vorwürfen gegen Dr. Juan Alberto Fuentes Knight, Aufsichtsratsvorsitzender von Oxfam International?

Die Korruptionsvorwürfe gegen den Aufsichtsratsvorsitzenden von Oxfam International, Dr. Juan Alberto Fuentes Knight, stehen nicht in Zusammenhang mit seiner Tätigkeit für Oxfam International. Vorgeworfen werden ihm und anderen ehemaligen Regierungsmitgliedern Guatemalas Vergehen im Jahre 2009 – Fuentes Knight war damals Finanzminister Guatemalas.

Seit 2015 war Fuentes Knight Vorsitzender des Aufsichtsrats von Oxfam International. In dieser Position hatte er keine operative Verantwortung. Fuentes Knight ist gestern als Reaktion auf die Vorwürfe gegen ihn aus seiner Zeit als Finanzminister Guatemalas als Aufsichtsratsvorsitzender von Oxfam International zurückgetreten. Oxfam hat die stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende Dr. Henrietta Campbell zu seiner kommissarischen Nachfolgerin ernannt.

 

Hier finden Sie den Blogbeitrag von Marion Lieser, Geschäftsführerin von Oxfam Deutschland, über die Konsequenzen, die Oxfam aus den Vorfällen in Haiti 2011 und Tschad 2006 gezogen hat: Verlorenes Vertrauen zurückgewinnen

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(Letzte Aktualisierung dieser Seite: 20.02.2018, 17:30 Uhr)

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