Burkina Faso: Frauenkooperativen in der Reisverarbeitung stärken

Reis ist für die ländliche Bevölkerung in Burkina Faso Grundnahrungsmittel und wichtige Einkommensquelle zugleich. Oxfam unterstützt Frauen in landwirtschaftlichen Kooperativen dabei, sich in der hochwertigen Reisverarbeitung zu etablieren und so nachhaltig gesicherte Einkommen zu schaffen.

Reis ist in Burkina Faso eines der wichtigsten Grundnahrungsmittel. In vielen Regionen des Sahelstaats lebt die Bevölkerung von der Reisproduktion. Vom Anbau über die Verarbeitung und Veredelung bis zum Verkauf an den Endkunden durchläuft der Reis mehrere Stufen der Produktion in einer sogenannten Wertschöpfungskette.

Frauen arbeiten in dieser Wertschöpfungskette vor allem in der Weiterverarbeitung zum hochwertigen Parboiled-Reis, bei dem die Vitamine und Mineralstoffe aus der Hülle in das Innere des Reiskorns gedrückt werden. Doch viele Burkinabès konsumieren vorrangig den importierten, minderwertigen weißen Reis. Die Vorteile des lokal produzierten Parboiled-Reis für eine ausgewogene Ernährung sind kaum bekannt. Neben der mangelnden Nachfrage machen strukturelle Probleme die Reisveredelung der Frauenkooperativen unprofitabel.

Oxfam unterstützt Frauenkooperativen aus fünf Regionen des Landes in diesem vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) kofinanzierten Projekt dabei, sich mit hochwertiger Reisveredelung ihren profitablen Platz in der Wertschöpfungskette zu sichern. Schulungen in verbesserten Liefer-, Produktions- und Absatzmöglichkeiten stärken die Kompetenzen der Frauen. Sie gewährleisten ihnen so gesicherte Einkommen  und verbessern zugleich die regionale Ernährungssituation nachhaltig.

Frauenkooperativen in die Wertschöpfungskette integrieren: Vernetzen, Zugänge schaffen, Fraueninteressen vertreten

In der Reis-Wertschöpfungskette arbeiten viele Akteure, die bislang kaum vernetzt sind und die Produktionsinteressen der Frauenkooperativen nicht kennen. Die ohne feste Lieferverträge unzuverlässig schwankende Liefermenge und –qualität des Roh-Reises macht die Arbeit der Frauenkooperativen unprofitabel. Sie können so kaum investieren und wachsen, Kredite bei lokalen Banken bleiben ihnen oft verwehrt.

Mit dem Projektpartner UNERIZ (Dachverband für 3.400 Frauen in zehn Reis-Kooperativen) organisiert Oxfam Schulungen mit allen Akteursgruppen der Reis-Wertschöpfungskette. Gemeinsam arbeiten wir daran, die die Produktionsbedingungen und -qualität zu verbessern und feste Abnahme- und Lieferverträge mit den Frauenkooperativen abzuschließen. Allen Akteur/innen werden mithilfe des Gendered-Enterprise-and-Markets-Ansatz (GEM) die Rechte und Interessen der organisierten Frauen bewusst gemacht. Für eine gestärkte Verhandlungsposition und einen verbesserten Markt- und Kreditzugang werden Vertreterinnen der Kooperativen in umfangreichen Entrepreneurship-Schulungen ausgebildet. Die Schulungen beinhalten Informationen zu Vertragsgestaltung und Verhandlungstechniken, Ankaufkriterien, Business- und Jahresplänen sowie Finanzverhandlungen und Kreditmanagement. Die Frauen werden so zu Multiplikatorinnen, die ihr erworbenes Wissen an die Mitglieder ihrer Kooperative weitergeben und dadurch die nachhaltige Wirkung sicherstellen.

Mit hochwertiger Qualität neue Absatzmärkte für lokalen Reis erschließen

Maschine zur Reisveredelung in Burkina Faso

Durch den fehlenden Kreditzugang mangelt es manchen Kooperativen an qualitätssteigernder Ausstattung wie guten Schäl- und Sortiermaschinen, geeignetem Lagerraum und Transportmöglichkeiten. Das Programm stellt dafür die Ausstattung und finanziert den Bau von geeigneten Lagerhallen und Arbeitsplätzen.

Um die Nachfrage nach lokal produziertem Parboiled-Reis signifikant zu erhöhen, etabliert das Programm eine an den Vorlieben der Käufer/innen (wie Geschmack, Farbe und Haltbarkeit nach dem Kochen) ausgerichtete Qualitätssicherung. Mit der Partnerorganisation SEVE Africa wird parallel dazu eine Werbe- und Marketingstrategie erarbeitet. Über ein neues Großlager in der Hauptstadt Ouagadougou sollen so auch städtische Absatzmärkte wie Großhändler, Supermärkte, Restaurants und Stadtbevölkerung  erreicht werden. Die Ernährungssituation wird damit mittelfristig für die  Bevölkerung verbessert.

Im Sinne der ökologischen Nachhaltigkeit können Energieverbrauch und Brennholzeinschlag für das Vorgaren des Reises durch die Einführung ressourcenschonender Kochherde bedeutend reduziert werden. Sie werden  statt mit Kohle ausschließlich mit den im Schälprozess anfallenden Reisspelzen befeuert.

Der Schwerpunkt des Capacity Buildings, also der Transfer von Kompetenzen und Produktionsmitteln an die Frauenkooperativen, sichert eine besonders nachhaltige Wirkung des Programms. Die Kompetenzen und Ausstattung steigern die produzierte Menge und Qualität des Parboiled-Reises. Gleichzeitig  diversifizieren sie die Absatzmöglichkeiten und heben so die Gewinne der Frauenkooperativen signifikant, sodass die Kooperativen zukünftig wiederum verstärkt investieren und expandieren können.

Das Projekt wurde von Januar 2016 bis März 2018 umgesetzt. Ein Folgeprojekt ist in Planung.