• 04. April 2012

Eine Brücke in der Wüste

Das Dorf Jingyuan ist fast verlassen, weil es an Wasser fehlt
Li Zhuang und seine Frau auf ihrem Feld mit Goji-Beeren.
BU: Seit Kurzem bauen Li Zhuang und seine Frau Goji-Beeren statt Weizen an, da diese bei Trockenheit besser gedeihen. Leider wurde die Ernte durch Vögel zerstört, da sich das Paar keine Schutznetze leisten konnte.

In der Provinz Gansu in China, nahe dem Dorf Jingyuan, steht eine alte Betonbrücke mit zwei breiten Pfeilern. Einen Zweck erfüllt die Brücke nicht mehr, denn unter ihr ist es staubtrocken. Der Fluss ist seit über zehn Jahren ausgetrocknet.

Im Dorf lebt der 41-jährige Li Zhuang mit seiner Familie. Viele seiner Nachbarn haben das Dorf mittlerweile verlassen, denn es gibt nicht mehr genug Wasser, um die Felder zu bestellen. „Ich lebe jetzt am Rande einer Wüste“, sagt Li Zhuang, der auch gerne fortziehen würde, aber die Mittel nicht hat. „Wir können nicht weg. Woanders ein neues Haus zu bauen und neues Ackerland zu bestellen, kostet viel Geld.“

„Ein Sandsturm hat ein Drittel meines Weizens zerstört.“

Der Klimawandel bedeutet für die Region weniger Niederschlag und längere Trockenzeiten. Der Regen fällt seltener und spärlicher. „Dieses Jahr hat ein Sandsturm ein Drittel meines Weizens zerstört. Die Ernte reichte für unsere Familie nicht aus, wir mussten auf dem Markt dazukaufen.“ Um das nötige Geld dafür zu verdienen, hat Li Zhuang zeitweise in einem Kohlebergwerk gearbeitet.

Seit Kurzem setzt er auf Goji-Beeren, deren Sträucher bei Trockenheit besser gedeihen als Weizen. Die kleinen roten Beeren werden in China zu Suppe und Wein verarbeitet und sind als Heilmittel gefragt. Die erste Ernte haben jedoch die Vögel weggefressen, weil Li Zhuang kein Geld für Schutznetze hatte. „Ich werde dieses Jahr noch härter arbeiten und versuchen mehr Geld zu verdienen, damit ich ein Netz kaufen kann. Wir hoffen auf eine große Ernte im nächsten Herbst. Dann wird alles besser.“