The future we choose – so lautet das Motto der heute und morgen stattfindenden Konferenz über Nachhaltiger Entwicklung der Vereinten Nationen. Das Treffen in Brasilien ist besser bekannt als „Rio+20 Konferenz“ oder als „Erdgipfel“. Zahlreiche Regierungsvertreterinnen und -vertreter sowie zivilgesellschaftliche Akteure kommen zusammen, um zu bereden, wie wir die Armutsbekämpfung vorantreiben, den Umweltschutz verbessern und die Herausforderungen im Zuge einer wachsenden Weltbevölkerung meistern können und wollen.

Bereits vor 20 Jahren hatten sich die Regierungsvertreter am selben Ort in Rio de Janeiro getroffen, um die Zukunft unseres Planeten zu diskutieren. Es ging darum, Wege zu finden, wie mit den endlichen Ressourcen dieser Erde fairer umgegangen und gleichzeitig mehr Wohlstand für alle Menschen geschaffen werden kann. Bedauerlicherweise warten die Ergebnisse von 1992 bis heute darauf, ernsthaft umgesetzt zu werden. Doch eines hat Rio vor 20 Jahren geändert: das Thema Nachhaltigkeit steht seit dem ganz oben auf der Agenda der globalen Herausforderungen und ist ins Zentrum der öffentlichen Aufmerksamkeit gerückt – immerhin.

Bei der Veranstaltung „Nachhaltigkeit RE-LOADED? Auf dem Weg zum Rio+20-Gipfel“, organisiert von der Friedrich-Ebert-Stiftung und Oxfam, machte Prof. Schellnhuber, Leiter des Potsdamer Instituts für Klimafolgenforschung, dem Publikum deutlich, womit wir in den kommenden Jahren zu rechnen haben: deutlich steigende Temperaturen, ein Schwund der fossilen Ressourcen und ein vorerst anhaltendes Bevölkerungswachstum. „Wir dürfen die Hoffnung nicht verlieren. Auch nicht nach einem nicht zufriedenstellenden Ergebnis von Rio+20”, sagte Chico Whitaker, Träger des alternativen Nobelpreises und Gründer des Weltsozialforums. Das bereits heute veröffentlichte Abschlussdokument der Rio-Konferenz bestätigte Whitakers Sorge. Fast alle NGOs haben es als eine große Enttäuschung kritisiert, dass keine neuen Impulse für die Fragen und Herausforderungen für nachhaltige Entwicklung setzt.

Worum geht es bei dem Ziel, nachhaltige Entwicklung zu fördern? Bis heute gilt die Definition aus dem Brundtland-Report von 1987: „Sustainable development is development that meets the needs of the present without compromising the ability of future generations to meet their own needs.“ Wie das funktionieren soll, ist bis heute unklar. Auf dem Panel der Veranstaltung von Friedrich-Ebert-Stiftung und Oxfam berichtete Sigmar Gabriel, Vorsitzender der SPD, von seinem Eindruck, dass Schwellen- und Entwicklungsländer Klimaschutz oft als Wachstumsbremse wahrnehmen und deshalb verbindlichen Abkommen äußerst skeptisch gegenüber stehen. Vandana Shiva, ebenfalls Trägerin des alternativen Nobelpreises, hielt dagegen, dass das westliche Industriemodell für viele Menschen in armen Ländern alles andere als attraktiv ist. Sie setzt auf andere Produktionswege, wie kleinbäuerliche Landwirtschaft, die beweisen, dass wir umweltfreundlich und sozial gerecht sicherstellen können, dass Millionen von Familien täglich genug zu essen haben.

Die Diskussion in Rio bewegt sich in einem Spannungsverhältnis zwischen dem Willen nach Entwicklung und der Hoffnung, die Erde in einem ökologischen Gleichgewicht zu bewahren. Unser Wirtschaften könnten wir schon heute viel nachhaltiger gestalten, zum Beispiel durch Gewinnung von mehr Energie aus regenerativen Quellen, durch einen Stopp der Subventionen für fossile Brennstoffe und eine Effizienzsteigerung, um mit den vorhandenen Ressourcen schonender umzugehen. All diese Schritte würden viel Gutes bewirken. Doch die eigentlichen Ursachen des Klimawandels werden damit nicht in Frage gestellt. Hoffentlich brauchen wir nicht nochmal 20 Jahre, um diese endlich auch auf Regierungsebene zu diskutieren.

2 Kommentare

<p>Hallo,</p>
<p>das Dokument hieß in der ursprünglich Form "The Future We Want", die jetzt vorgelegte Fassung trägt den Titel "Our Common Vision".</p>
<p>Grüße von Rio nach Rio von einem Oxfam Trailwalker</p>

Marvelous! Was für eine erstaunliche Inhalt .... Thema ist sehr gut. Ein solcher Vorteil, dass Informationen, die Sie zur Verfügung gestellt haben beweist es als goldene Zusammenfassung über das Thema ... danke.

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