Reisebericht: Die „Neue Allianz“ in Burkina Faso

Von Marita Wiggerthale

Burkina Faso ist ein Land mit 16 Millionen Einwohnern im Westen Afrikas. Meine Reise führte mich in die Hauptstadt Ouagadougou. Frühmorgens kam ich dort an. Noch war es angenehm warm, aber tagsüber stieg die Temperatur auf 40 Grad Celsius an. Auf den Straßen waren auffallend viele Menschen mit Motorrädern unterwegs. Busse gibt es in der Stadt wenige, wie ich hinterher erfuhr. Ich führte viele Gespräche mit Oxfam-Mitarbeitern, den Partnern von Oxfam, der Regierung und der Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ). Dadurch bekam ich einen ganz guten Einblick in die Probleme der Landwirtschaft und in die Regierungspolitik in Burkina Faso.

Burkina Faso gehört zu den ärmsten Ländern weltweit. Der Großteil der Burkiner lebt von der Landwirtschaft (80-90 Prozent). Die große Mehrheit sind Subsistenzbauern. Das heißt, die Nahrungsmittel werden selbst verbraucht und es bleibt ihnen nichts, was sie auf dem Markt verkaufen können. Insgesamt gibt es 900.000 Bauern und Bäuerinnen, die knapp 12 Millionen Hektar (70 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche in Deutschland) bearbeiten. Das Wasser ist knapp und die Böden sind karg. Burkina Faso gehört zu den acht von 54 afrikanischen Ländern, die mindestens 10 Prozent ihres Staatshaushalts für die Landwirtschaft ausgeben. Oxfam setzt sich zusammen mit Partnern dafür ein, dass mit diesen öffentlichen Geldern eine bäuerliche Landwirtschaft und Frauen gefördert werden.

Die "Neue Allianz" und der Wachstumskorridor "Bagré Pole"

Der Hauptanlass für meine Reise war ein Treffen zur „Neuen Allianz für Ernährungssicherung der G8“, die im Mai 2012 in Camp David/USA ins Leben gerufen wurde. Beteiligt an dieser Initiative sind die G8-Länder, zehn afrikanische Länder (darunter auch Burkina Faso), inländische Unternehmen und ausländische Konzerne. Oxfam hatte Partner, NGOs, Regierungsvertreter und Geldgeber zu einem Austausch eingeladen. Das war für mich sehr interessant, da ich in Deutschland zu diesem Thema arbeite.

Im Mittelpunkt der Diskussion stand der Wachstumskorridor „Bagré Pole“, der von der Weltbank gefördert wird. In dieser Gegend will die Regierung inländische und ausländische Investoren ansiedeln. Das Ziel: Die Förderung der landwirtschaftlichen Produktion und die Schaffung von Arbeitsplätzen. Welche Investoren in dem 12.712 Hektar bewässerten Gebiet angesiedelt werden, ist noch nicht festgelegt. Auch blieb unklar, ob mehrere hundert Familien wirklich nur während des Anlegens des Bewässerungssystems temporär umgesiedelt werden. Offensichtlich sind Dreiviertel der bewässerten Fläche für Investoren vorgesehen, während nur ein Viertel für Kleinbauern und Kleinbäuerinnen bleibt. Das Projekt begünstigt somit eindeutig Investoren und fördert nicht schwerpunktmäßig die kleinbäuerliche Landwirtschaft.

Ich bin froh, dass Oxfam und seine Partner bei diesem Thema am Ball bleiben wollen. Die Neue Allianz birgt nämlich wirklich große Gefahren in sich: Landgrabbing, Umweltprobleme, Gentechnik, Abhängigkeit von Konzernen wie Monsanto beim Saatgut, Vernachlässigung der kleinbäuerlichen Landwirtschaft etc. Wir werden hierzu im engen Kontakt bleiben. Deutschland spielt auch eine wichtige Rolle bei der Neuen Allianz. Vor Ort wollte ich deswegen mit der GIZ sprechen. Zum Glück ließ sich ein Treffen mit dem Leiter Herrn Thies einrichten. Er nahm sich viel Zeit, um mir aus seiner Sicht die Herausforderungen der Landwirtschaft in Burkina Faso darzustellen.

Mein Hauptinteresse galt jedoch der Beteiligung der GIZ an der Neuen Allianz und die Umsetzung des Reisprojektes im Rahmen der German Food Partnership. Letzteres ist eine Kooperation von BMZ, GIZ und multinationalen Agrarkonzernen wie Bayer und BASF. Für die GIZ steht aber mehr die Umsetzung des nationalen Programms für den ländlichen Raum im Vordergrund und nicht die Neue Allianz und die German Food Partnership. Diese und andere Einblicke sind für meine Arbeit in Deutschland sehr hilfreich.

1 Kommentar

Danke Oxfam, danke liebe Frau Wiggerthale, dass Sie sich für echte Partnerschaft in der Entwicklungszusammenarbeit und für die Kleinbauern einsetzen.

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