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  • 24. Mai 2016

Jemen: Eine unsichtbare Nahrungskrise

Ein Jahr lang tobt bereits der Krieg im Jemen. Die Menschen müssen mit immer schlimmeren Bedingungen fertig werden.

Die Krise im Jemen nimmt kein Ende. Friedensgespräche wurden bereits mehrfach angestrengt, aber bislang wurden alle Hoffnungen auf ein Ende der Kämpfe enttäuscht. Unter diesen Bedingungen ist Unterstützung für die Not leidenden Menschen extrem schwierig – die meisten Zivilisten sind beim alltäglichen Überlebenskampf auf sich alleine gestellt. Es fehlt vor allem an Nahrung und Trinkwasser. Beides war bereits vor Kriegsausbruch sehr knapp. Durch die Zerstörungen ist das Land nun Jahre, wenn nicht Jahrzehnte zurückgeworfen worden.

Oxfam gehört zu den wenigen internationalen Organisationen, die im Jemen in größerem Umfang Nothilfe leisten. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf Taiz – eine Provinz, die im Mittelpunkt der kriegerischen Auseinandersetzungen steht. Hier ist der Alltag besonders hart. Im Februar wurden die Bewohner/innen von Taiz befragt, ob sie beim Einkauf von Lebensmitteln irgendwelche Sicherheitsbedenken hätten. Ihre Liste war lang: Angriffe von Scharfschützen, spontane Kämpfe und Gewaltausbrüche, Schikanen an den Kontrollstellen, Missbrauch, Beleidigungen und Demütigungen.

Nur durch Frieden kann eine der weltweit größten humanitären Krisen beendet werden.

Die folgenden Bilder sind in Taiz entstanden.

Auf der Suche nach Essen

Eine Frau in Jemen trägt ihr Kind auf dem Arm.
Umm Ayman trägt ihr Kind, Ayman, während sie Cafés und Restaurants nach übrig gebliebenen Nahrungsmitteln durchsucht.

Ein Mann bettelt vor Cafés und Restaurants.
Ein Mann bettelt vor Cafés und Restaurants.

In Taiz gab es im Februar nirgends Gemüse oder Säuglingsmilchpulver zu kaufen. Die Menschen berichteten Oxfam, dass in manchen Gebieten die Preise für Lebensmittel um 200 Prozent gestiegen sind. Viele sagten, dass sie nur noch eine Mahlzeit pro Tag zu sich nehmen. Manche hatten während der intensiven Kämpfe mehr als 36 Stunden lang nichts zu essen. Zwar wurden von Zeit zu Zeit Lieferungen von Lebensmitteln und Medikamenten nach Taiz durchgelassen, jedoch konnten diese bei Weitem nicht den Bedarf decken.

 
Die Preise für Nahrungsmittel sind vor allem in Kampfgebieten stark angestiegen. Händler berichten, dass viele Menschen deshalb gezwungen sind, weite Wege auf sich zu nehmen, um zu bezahlbaren Preisen einkaufen zu können. Viele reisen entlang gefährlicher Gebirgsrouten, um Kontrollpunkte zu umgehen. Ein Händler berichtete Oxfam, dass sie die Lebensmittel auf ihrem Rücken herbeitragen müssen, immer in Gefahr, von Scharfschützen erschossen zu werden.

Trinkwasser

Dafür arbeiten wir mit einer lokalen Organisation und einem privaten Fuhrunternehmen zusammen. Am Abend stellen viele Menschen ihre Kanister in einer Schlange auf, um sicherzugehen, dass sie am nächsten Tag auch Wasser aus den Tanks bekommen.

Der Versuch, zu überleben

Die Händler in Taiz berichteten Oxfam, dass sie sich gezwungen sehen, ihre Läden zu schließen und in besser erreichbare Regionen zu ziehen, wenn die Situation sich nicht verbessert. Die meisten Bäckereien der Stadt mussten bereits schließen. Die Anzahl ihrer Kunden sei um 80 Prozent zurückgegangen. Insgesamt mussten 222.000 Menschen die Stadt verlassen und ins Umland fliehen.