Etwas mehr als ein Jahr vor der endgültigen Übergabe der Sicherheitsverantwortung an die afghanische Regierung sind erheblich größere Anstrengungen erforderlich, um mehr Frauen für die afghanische Polizei zu rekrutieren. Dies ist dringend nötig, um der steigenden Gewalt gegen Frauen in Afghanistan entgegenzutreten. Trotz langjähriger Bemühungen auch von Ländern wie Deutschland beträgt der Frauenanteil in der afghanischen Polizei derzeit nur ein Prozent. Weibliche Polizeikräfte leiden außerdem häufig selbst unter sexueller Gewalt, werden diskriminiert oder wegen ihres Berufs sogar getötet. 

Robert Lindner, Afghanistan-Experte bei Oxfam Deutschland: „Afghanische Frauen benötigen wesentlich mehr weibliche Polizeikräfte, die sie vor Gewalt und Unterdrückung schützen können. Die Regierungen Afghanistans und der Geberländer müssen deshalb nicht nur für mehr Frauen im Polizeidienst sorgen, sondern diese auch besser ausbilden und ausstatten. Sonst bleibt für Millionen Afghaninnen der Zugang zu Sicherheit und Recht auch weiterhin ein ferner Traum.“

Frauen können sich bei Gewalttaten nicht an Polizisten wenden

Der neue Oxfam-Bericht „Women and the Afghan police - Why a law enforcement agency that respects and protects females is crucial for progress” zeigt, dass zwölf Jahre nach dem Sturz der Taliban die Gewalt gegen Frauen deutlich ansteigt. Von 2011 bis 2012 wurden 25 Prozent mehr solcher Verbrechen dokumentiert. Afghanistan ist damit nach wie vor eines der gefährlichsten Länder für Frauen und besonders für Polizistinnen.

In der extrem konservativen afghanischen Gesellschaft können sich Frauen oftmals nur an weibliche Polizeibeamte wenden. Viele Frauen zögern, gegen sie gerichtete Gewalttaten bei der Polizei anzuzeigen. Viele Afghaninnen können aber überhaupt keinen Kontakt zu weiblichen Sicherheitskräften aufnehmen, da landesweit durchschnittlich auf 10.000 Frauen nur eine Polizistin kommt. In manchen Provinzen gibt es sogar überhaupt keine weiblichen Einsatzkräfte.

Frauen im Polizeidienst werden häufig von männlichen Kollegen und Vorgesetzten sexuell belästigt. So wurden Berichten zufolge von Frauen als Gegenleistung für ihre Beförderung sexuelle Gefälligkeiten gefordert. Frauen haben im Polizeidienst bisher schlechte Karriereaussichten und erhalten nur selten Positionen, in denen sie Fälle von Gewalt gegen Frauen bearbeiten können – etwa, um Opfer und Zeuginnen persönlich zu vernehmen. Oftmals fehlt es auch an grundlegenden Dingen wie zum Beispiel Uniformen oder frauengerechter Ausgestaltung von Polizeigebäuden und Unterkünften, damit Polizeibeamtinnen ihre Arbeit adäquat verrichten können.

Achtung Redaktionen:

Oxfam bietet umfangreiches Material zu dem Thema an (engl). Den Report: www.oxfam.de/publikationen/frauen-afghanistan. Dort finden Sie auch Fragen und Antworten zum Thema sowie zwei Fallstudien. Fotos: https://www.dropbox.com/sh/2xu8w3pq7ev5s50/Zj8cL04_0w. Filmmaterial auf Anfrage.

Bitte wenden Sie sich bei Interesse an

Roslyn Boatman, Media and Communications Lead, Oxfam International, Afghanistan,

Mobile:+93 (0) 796 738 402, Email: roslyn.boatman@oxfamnovib.nl

Robert Lindner erreichen Sie unter Tel.: ++ 49 (0)30 453069 640 oder mob.: ++49 (0)160 93715477