Für den Bericht hat Oxfam mit über 200 Rohingya-Flüchtlingen gesprochen, die in Behelfsunterkünften in der südöstlichen Provinz Cox’s Bazar in Bangladesch untergekommen sind. Einige waren bereits zum dritten Mal in ihrem Leben gezwungen, aus ihrem Heimatland zu fliehen. In Gruppendiskussionen und individuellen Tiefeninterviews erklärten alle Befragten, dass Frieden und gleiche Rechte für sie die Voraussetzung für eine Rückkehr seien, insbesondere das Recht zu arbeiten und frei zu reisen. Viele Befragte, insbesondere Frauen, sind stark traumatisiert, wurden vergewaltigt oder mussten mitansehen, wie ihre Angehörigen getötet wurden.

Stellvertretend für viele erklärte Fatima Sultan*, eine 20-jährige Geflüchtete: „Ich möchte zurück nach Hause, wenn wir dort als gleiche Staatsbürger behandelt werden, wenn die Gewalt endet, wenn Frauen nicht gefoltert und entführt werden, wenn wir endlich in Freiheit leben können“. Und sie ergänzt: „Wenn wir gezwungen werden zu gehen, verbrennen wir uns selbst.“

Katastrophale Bedingungen in Behelfsunterkünften

Dabei sind die Bedingungen in Bangladesch katastrophal. Die Geflüchteten müssen in unsicheren, überfüllten Behelfsunterkünften hausen und sind der ständigen Gefahr ausgesetzt, entführt oder vergewaltigt zu werden. Alle Flüchtlinge, mit denen Oxfam gesprochen hat, erklärten, sie fürchteten insbesondere bei Nacht um ihre Sicherheit. Mehr als die Hälfte berichtete, Mädchen und Frauen seien von Fremden angesprochen worden und später verschwunden. Viele Frauen fürchten, ihnen könnte ähnliches passieren.

Paolo Lubrano, Oxfams Nothilfe-Koordinator für Asien, berichtet: „Die Menschen, mit denen wir gesprochen haben, sind schrecklich traumatisiert und nun mit neuen Gefahren in den Camps konfrontiert, von Menschenhandel bis sexualisierter Gewalt. Dass einige Flüchtlinge, vor allem Frauen, sagen, sie würden sich lieber umbringen als zurückzukehren, zeigt wie dringlich es ist, eine gerechte und dauerhafte Lösung für die jahrzehntelange Unterdrückung der Rohingyas zu finden. Internationale Regierungen und die Vereinten Nationen dürfen nicht länger untätig zusehen, wie Verbrechen gegen die Menschlichkeit ungestraft begangen werden. Nötig ist jetzt eine diplomatische Initiative gegenüber den Regierungen von Bangladesch und Myanmar, um diese Krise endlich zu beenden.“

Vereinte Nationen müssen Führungsrolle übernehmen

Bangladesch und Myanmar haben kürzlich vereinbart, Ende Januar 2018 damit zu beginnen, Rohingya-Flüchtlinge zurück in ihr Heimatland zu bringen. Oxfam hatte gewarnt, dass die Bedingungen für eine sichere und freiwillige Rückkehr dort noch nicht gegeben sind. Die Vereinten Nationen müssen hier eine Führungsrolle übernehmen und sicherstellen, dass humanitäre Hilfe diejenigen erreicht, die sie brauchen.

Von den Behörden Myanmars fordert Oxfam, alles zu unternehmen, um die Gewalt zu beenden. Zudem müssen sie sich an ihre Zusage halten, die Empfehlungen der von Kofi Annan geleiteten Rakhine-Kommission umzusetzen. Diese hatte unter anderem erklärt, in Myanmar sollten für alle Menschen gleiche Rechte gelten.

 

Weiterführende Informationen:

  • *Alle Namen wurden geändert
  • Für den Bericht hat Oxfam mit 208 Rohingyas über ihre Bedürfnisse, Hoffnungen und Ängste gesprochen. Es wurden 28 individuelle Tiefeninterviews und 23 Fokusgruppen mit insgesamt 180 Geflüchteten durchgeführt. Die Interviews und Diskussionen fanden zwischen September und November 2017 in den Flüchtlingscamps Kutupalong und Balukhali statt.
  • Oxfam arbeitet in Flüchtlingscamps in Ukhia und Teknaf in der Provinz Cox’s Bazar. Dort werden Wasserstellen, Toiletten und Duschen eingerichtet sowie Seife und andere lebenswichtigen Gütern bereitgestellt. Bisher wurden 185.000 Menschen erreicht, es ist geplant, mehr als 200.000 Menschen mit Hilfsmaßnahmen zu versorgen.