Evakuierungsbefehl im Südsudan stoppt lebenswichtige Hilfe für mehr als 200.000 Menschen
Nach einem Evakuierungsbefehl für den Bezirk Akobo im Norden des Südsudan haben am vergangenen Wochenende zehntausende Menschen die Region verlassen, darunter auch sämtliche Mitarbeitende von Hilfsorganisationen. Lebenswichtige humanitäre Programme für mehr als 200.000 Menschen wurden eingestellt. Damit hat sich die ohnehin katastrophale Lage weiter verschärft.
Am 6. März ordneten die South Sudan People’s Defence Forces an, dass alle Menschen, einschließlich hunderter Mitarbeiter*innen der UN und von Hilfsorganisationen, innerhalb von vier Tagen evakuiert werden müssen. Evakuierte Oxfam-Mitarbeitende berichten, dass die humanitäre Situation bereits vor der jüngsten Eskalation äußerst kritisch war. Viele Familien ernähren sich von wilden Früchten und Blättern. Akobo hat mehr als 188.000 Einwohner*innen. Zusätzlich hatten dort etwa 82.000 Menschen Schutz gesucht, die wegen Konflikten aus anderen Teilen des Bundesstaates Jonglei vertrieben wurden.
Mehr als die Hälfte der Vertriebenen sind Frauen und Kinder
Aufgrund des Evakuierungsbefehls müssen nun viele dieser Menschen erneut fliehen. Tausende Familien erleben damit eine zweite Vertreibung und verfügen über noch weniger Ressourcen und Unterstützung. Mehr als die Hälfte der Vertriebenen sind Frauen und Kinder. Die zunehmende Gewalt und die wiederholte Flucht erhöhen das Risiko von sexualisierter Gewalt und Entführungen. Außerdem sehen sich manche Familien gezwungen, aus wirtschaftlicher Not für ihre Töchter frühe und unfreiwillige Eheschließungen in Betracht zu ziehen.
Shabnam Baloch, Oxfam-Landesdirektorin im Südsudan:
Dieser Evakuierungsbefehl hat dazu geführt, dass sämtliche humanitäre Hilfe eingestellt werden musste – das ist ungeheuerlich. Die Lebensbedingungen waren bereits extrem schlecht und nun sind erschöpfte Menschen, von denen viele schon einmal vertrieben wurden, erneut zur Flucht gezwungen, weil der Konflikt immer weiter eskaliert.
Der Großteil der Vertriebenen ist nach Tergol geflohen, einem wichtigen Grenzübergang für südsudanesische Geflüchtete. 37.000 Menschen sind in die Region Gambella in Äthiopien geflohen, zusätzlich zu rund 78.000 Menschen, die laut dem Amt der Vereinten Nationen für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten (OCHA) bereits im Januar dort ankamen. Diese neue Fluchtbewegung belastet die Region Gambella zusätzlich, in der bereits über 450.000 Geflüchtete aus dem Südsudan leben.
Die Unterstützung neuer Schutzsuchender aus dem Südsudan wird in Äthiopien immer schwieriger. Aufgrund enormer Belastungen und gekürzter Finanzierung mussten mehrere Organisationen wichtige Hilfsleistungen reduzieren. Auch Oxfam, das bei der Bereitstellung von sauberem Wasser und Sanitärversorgung eine führende Rolle spielt, musste seine Arbeit einschränken und erreicht nun noch weniger Menschen. Und das zu einer Zeit, in der der Bedarf weiter steigt.
Zwei Drittel der Bevölkerung benötigen humanitäre Hilfe
Äthiopien ist selbst mit mehreren Krisen konfrontiert: Konflikte, Dürre und Ernteausfälle in einigen Regionen nach zwei ausgefallenen Regenzeiten haben dazu geführt, dass viele Haushalte ohne ausreichende Lebensgrundlagen dastehen. Der humanitäre Hilfsplan für den Südsudan im Jahr 2026 geht davon aus, dass mehr als zehn Millionen Menschen – etwa zwei Drittel der Bevölkerung – humanitäre Hilfe benötigen. Darunter sind 7,5 Millionen Menschen, die von Hunger (IPC Phase 3 oder mehr) bedroht sind.
Oxfam fordert alle Konfliktparteien im Südsudan auf, die Gewalt zu deeskalieren, den Schutz der Zivilbevölkerung zu gewährleisten und sicheren humanitären Zugang zu den Menschen im Bezirk Akobo sowie entlang der Grenze zu Äthiopien sicherzustellen.