10 Jahre nach den Panama Papers: Unversteuertes Offshore-Vermögen übersteigt Gesamtvermögen der ärmeren Hälfte der Menschheit
Das von den reichsten 0,1 Prozent der Weltbevölkerung im Ausland versteckte, unversteuerte Vermögen übersteigt das gesamte Vermögen der ärmeren Hälfte der Menschheit. Das zeigt eine Oxfam-Analyse anlässlich des zehnten Jahrestages der Veröffentlichung der Panama Papers. Auch ein Jahrzehnt später nutzen Superreiche weiterhin Offshore-Systeme, um Vermögen zu verbergen und Steuern zu vermeiden. Oxfam fordert die Beseitigung von Steueroasen, ein Transparenzregister über große Vermögen und eine globale Mindeststeuer für Superreiche.
Oxfam schätzt, dass 2024 unversteuertes Vermögen in Höhe von 3,55 Billionen US-Dollar in Steueroasen und nicht gemeldeten Konten im Ausland versteckt war. Diese Summe übersteigt das Bruttoinlandsprodukt (BIP) Frankreichs und ist mehr als doppelt so hoch wie das kombinierte BIP der laut den Vereinten Nationen 44 am wenigsten entwickelten Länder der Welt. Die reichsten 0,1 Prozent besitzen etwa 80 Prozent des gesamten unversteuerten Offshore-Vermögens, was rund 2,8 Billionen US-Dollar entspricht. Innerhalb dieser winzigen Gruppe entfällt mehr als die Hälfte des Offshore-Vermögens auf die reichsten 0,01 Prozent.
Manuel Schmitt, Referent für soziale Ungleichheit bei Oxfam Deutschland:
Die Panama Papers haben offengelegt, wie sich Superreiche systematisch ihrer gesellschaftlichen Verantwortung entziehen, indem sie Milliarden in Steueroasen verstecken. Zehn Jahre später ist klar: Das Problem besteht fort und wir alle zahlen den Preis. Dieses Geld fehlt für Schulen, Krankenhäuser und Klimaschutz – bei uns und weltweit. Wer sich so der Finanzierung des Gemeinwohls entzieht, verschärft die Ungleichheit und untergräbt unsere Demokratie.
Anteil von unversteuertem Offshore-Vermögen am globalen BIP beträgt 3,2 Prozent
Zwar wurden Fortschritte bei der Reduzierung unversteuerter Offshore-Vermögen erzielt, beispielsweise durch das System des automatischen Informationsaustauschs (AEOI), bei dem Staaten Finanzkontodaten austauschen. Doch der Anteil von unversteuertem Offshore-Vermögen am globalen BIP bleibt mit etwa 3,2 Prozent weiterhin hoch.
Oxfam fordert die Bundesregierung auf, die globale Zusammenarbeit zu stärken, um Steueroasen im Kontext des Rahmenübereinkommens der Vereinten Nationen über internationale Zusammenarbeit im Steuerbereich zu beseitigen. Sie muss Steuerbehörden stärken und sich für ein globales Transparenzregister einsetzen, um das Vermögen der reichsten Personen zu ermitteln und nachzuverfolgen. Darüber hinaus sollte die Bundesregierung die im Rahmen der G20 diskutierte Mindeststeuer von mindestens zwei Prozent für Multimillionär*innen und Milliardär*innen in Deutschland einführen und die Umsetzung einer solchen Steuer auf internationaler Ebene vorantreiben.
Redaktionelle Hinweise
- Methodische Erläuterungen zu Oxfams Berechnungen finden Sie hier.
- Das Offshore-Vermögen ist seit der Veröffentlichung der Panama Papers gestiegen und erreichte im Jahr 2023 schätzungsweise 13,25 Billionen US-Dollar (12,48 Prozent des globalen BIP). Der Anteil des unversteuerten Offshore-Vermögens ist jedoch erheblich zurückgegangen. Forscher führen dies auf das System des automatischen Informationsaustauschs (AEOI) zurück, das zwischen 2016 und 2017 eingeführt wurde. Während in den unmittelbar folgenden Jahren ein starker Rückgang zu verzeichnen war, hat er sich seit 2018 verlangsamt, wobei sich das unversteuerte Offshore-Vermögen bei etwa 2 bis 4 Prozent des globalen BIP stabilisiert hat.
- Die Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen haben im November 2024 das Mandat für ein Rahmenübereinkommen über internationale Zusammenarbeit im Steuerbereich verabschiedet. Die Verhandlungen begannen offiziell Anfang 2025 und werden voraussichtlich bis 2027 andauern.