Mangelnder Zugang zu sauberem Wasser erschwert Eindämmung des Ebolavirus
Nach neuen Erhebungen von Oxfam verfügt nur jede fünfte Gesundheitseinrichtung in Ituri, einem der Epizentren des Ebola-Ausbruchs in der Demokratischen Republik Kongo, über ausreichend sauberes Wasser. Ein Mangel an Ärzt*innen, zerstörte Gesundheitseinrichtungen und fehlende Mittel für Seuchenüberwachung beeinträchtigen die Unterbrechung von Infektionsketten. Oxfam warnt, dass die tatsächliche Zahl von Ebolafällen deutlich höher liegen könnte.
Oxfams Daten zeigen, dass in der Stadt Mongbwalu, einem der Zentren des Ausbruchs in der Provinz Ituri, nur 20 Prozent der Bevölkerung Zugang zu sauberem Wasser haben. Lediglich 25 Prozent haben Zugang zu funktionierenden Sanitär- und Hygieneeinrichtungen. In der gesamten Provinz gibt es verunreinigte Wasserquellen, weitgehend zerstörte Handwaschinfrastruktur sowie Gesundheitseinrichtungen, die Schwierigkeiten haben, infektiöse Abfälle sicher zu entsorgen.
Wasser, die wichtigste und grundlegendste Schutzmaßnahme in jeder Gesundheitskrise, ist schlicht nicht verfügbar.
Die Minenarbeiter*innen in den umliegenden Gebieten haben weder Toiletten noch Möglichkeiten zum Händewaschen. Anschließend kehren sie in Gemeinden zurück, die bereits gegen das Virus kämpfen. Zwanzig Liter sauberes Wasser kosten zwei US-Dollar. Das ist für die meisten Familien hier unerschwinglich.
Größter dokumentierter Ausbruch der Bundibugyo-Variante
Die US-amerikanische Gesundheitsbehörde CDC hat bestätigt, dass es sich inzwischen um den größten jemals dokumentierten Ausbruch der Bundibugyo-Variante des Ebolavirus handelt. Das kongolesische Gesundheitsministerium meldet bislang 782 bestätigte Infektionsfälle und 181 Todesfälle. Oxfam warnt jedoch, dass die tatsächlichen Zahlen vermutlich deutlich höher liegen. Anders als beim Ebola-Ausbruch von 2018 gibt es gegen die Bundibugyo-Variante weder einen zugelassenen Impfstoff noch eine anerkannte Therapie.
Mit nur einer Ärztin bzw. einem Arzt pro 5.000 Einwohner*innen und mehr als 70 durch bewaffnete Konflikte zerstörten Gesundheitseinrichtungen haben die Gesundheitsbehörden der Demokratischen Republik Kongo große Schwierigkeiten, neue Infektionen schnell genug zu erkennen und Infektionsketten zu unterbrechen. Die Kontaktverfolgung, eine der wichtigsten Säulen der Ebola-Bekämpfung, weist nach dem Wegfall von US-Mitteln für die Seuchenüberwachung und angesichts gravierender Finanzierungslücken erhebliche Defizite auf. Derzeit werden lediglich 43 Prozent der Kontaktpersonen erfasst und nachverfolgt. Damit liegt die Abdeckung deutlich unter den 79 Prozent, die einen Monat nach Beginn des Ebola-Ausbruchs von 2018 bis 2020 in derselben Region erreicht wurden.
Mittel für humanitäre Hilfe um 46 Prozent zurückgegangen
Die internationale humanitäre Hilfe für die DR Kongo wurde drastisch gekürzt: Das Finanzierungsvolumen sank von 2,58 Milliarden US-Dollar im Jahr 2024 auf 1,4 Milliarden US-Dollar im Jahr 2026 – ein Rückgang um 46 Prozent und zugleich die niedrigste Finanzierungsquote seit einem Jahrzehnt. Hilfsorganisationen mussten deshalb ihre Aktivitäten erheblich einschränken. Nach Angaben des kongolesischen NGO-Forums erhielten lokale Organisationen, die bei Krankheitsausbrüchen häufig die erste Anlaufstelle für Betroffene sind, weniger als sechs Prozent der jüngsten humanitären Hilfsgelder.
Oxfam arbeitet gemeinsam mit Partnerorganisationen an der Eindämmung des Ebola-Ausbruchs und hat seine Hilfsmaßnahmen deutlich ausgeweitet. Für einen ersten sechsmonatigen Einsatz wurden 11,6 Millionen US-Dollar bereitgestellt. Damit sollen 200.000 Menschen in der Provinz Ituri mit sauberem Wasser und Hygienepaketen versorgt sowie gemeindebasierte Aufklärungsmaßnahmen unterstützt werden. Nach Einschätzung von Oxfam reicht dies jedoch bei Weitem nicht aus, um den tatsächlichen Bedarf zu decken.
Redaktionelle Hinweise
- Das Gesundheitsministerium der Demokratischen Republik Kongo meldete zum 13. Juni 2026 insgesamt 782 bestätigte Ebola-Fälle sowie 181 bestätigte Todesfälle.
- Daten der Weltbank zufolge stehen in der Demokratischen Republik Kongo lediglich etwa 0,2 Ärzt*innen pro 1.000 Einwohner*innen zur Verfügung (oder ein*e Ärzt*in pro 5.000 Einwohner*innen). Zum Vergleich: In Deutschland kommen 4,5 Ärzt*innen auf 1.000 Einwohner*innen.
- Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und des kongolesischen Gesundheitsministeriums lag die Quote der Kontaktverfolgung am 8. Juni 2026 bei lediglich 43,2 Prozent. Einen Monat nach Beginn des Ebola-Ausbruchs von 2018 in der DR Kongo hatte dieser Wert noch bei 79 Prozent gelegen.
- Der Finanzierungsbedarf für humanitäre Hilfe in der DR Kongo wurde von 2,58 Milliarden US-Dollar im Jahr 2024 auf 1,4 Milliarden US-Dollar im Jahr 2026 reduziert – ein Rückgang um nahezu 46 Prozent.
- Nach Angaben des Conseil National des Fora des ONG humanitaires et de Développement (CONAFOHD) in der DR Kongo wurden weniger als sechs Prozent der für die Ebola-Bekämpfung bereitgestellten Mittel an lokale Organisationen vergeben.