Zivilgesellschaftliches Engagement stärken in Al-Anbar
Laufzeit: 01.11.2025 – 31.01.2027
Projekttitel: Stärkung des Engagements in der Gemeinde und der Beziehungen zwischen Bürger*innen und Regierung bei der lokalen Entwicklungsplanung
Finanziert durch: Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH
Projektregion: Al-Anbar (Städte Heet, Falludscha und Ramadi), Irak
Themen: Lokale Zivilgesellschaft in Krisen stärken, Wasserknappheit, Klimakrise und Klimagerechtigkeit
Die Situation vor Ort
Die Klimakrise zwingt mit steigenden Temperaturen und Wasserknappheit viele Menschen in die Städte. In der irakischen Provinz Al-Anbar hat der Islamische Staat (IS) in den Städten Heet, Ramadi und Falludscha jedoch große Zerstörung hinterlassen. Auch Jahre nach der IS-Herrschaft ist der Zugang zu Basisdienstleistungen wie Wasser-, Strom- und Gesundheitsversorgung dort noch immer stark eingeschränkt. Es mangelt darüber hinaus an aufeinander abgestimmten und bürgernahen Strategien zur Klimaanpassung.
Zudem stehen die Gemeinschaften vor der Herausforderung, Rückkehrer*innen einzugliedern, die ehemals durch den IS vertrieben worden sind.
Das Misstrauen gegenüber staatlichen Institutionen ist hoch, da es an Bürger*innenbeteiligung fehlt: Laut Weltbank glauben nur 6 % der Iraker*innen, dass sie Einfluss auf lokale Entscheidungen nehmen können. Frauen und junge Menschen in ländlichen Gebieten sind dabei besonders stark unterrepräsentiert.
Hinzu kommt, dass 2019 die sogenannten „local councils“ abgeschafft wurden, die die einzige demokratisch gewählte lokale Vertretung im Irak darstellten. Lokale Vertretungen (wie Bürgermeister*innen) werden seitdem meist ernannt statt gewählt, Entscheidungen werden also „von oben“ getroffen.
Unser Ziel
Eine erhöhte Bürgerbeteiligung, die möglichst viele Menschen unterschiedlicher Hintergründe einbezieht, stärkt das Vertrauen und die Beziehung zwischen Bürger*innen und staatlichen Institutionen. Damit wird langfristig der soziale Zusammenhalt in Al-Anbar gestärkt.
So erreichen wir unser Ziel:
Wir unterstützen lokale Behörden bei der Umsetzung von 13 Maßnahmen, die ihre Regierungsführung im Bereich der Klimaanpassung verbessern. Diese Maßnahmen fördern die Gleichstellung von Frauen und helfen den lokalen Behörden dabei, sich an den Bedürfnissen der Menschen zu orientieren. Sie beziehen möglichst viele unterschiedliche Menschen ein.
Die Maßnahmen wirken auf zwei Ebenen: Sie unterstützen einerseits lokale Behörden darin, Beteiligungsprozesse anzuleiten und regelmäßig anzuwenden. Andererseits motivieren und befähigen sie auch die Bürger*innen, sich aktiv an der Entwicklung und Umsetzung von Maßnahmen zur Klimaanpassung zu beteiligen.
Die 13 Maßnahmen basieren auf lokalen Entwicklungsplänen, die im Vorgängerprojekt gemeinsam mit den zuständigen Behörden in Heet, Falludscha und Ramadi erarbeitet wurden. Durch die Beteiligung der Bürger*innen in diesem Projekt sollen nun konkrete Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel in der jeweiligen Stadt vorangetrieben werden.
Marginalisierte Gruppen wie Frauen, Jugendliche und ehemals durch den IS vertriebene Rückkehrer*innen werden besser in politische Gestaltungsprozesse eingebunden.
So entstehen von der Gemeinschaft getragene Entwicklungsmaßnahmen, die die Bedürfnisse aller Bürger*innen berücksichtigen und für die sich alle Beteiligten verantwortlich fühlen.
Die Maßnahmen umfassen beispielsweise:
- Forum zur gerechten Verteilung von Wasser für die Landwirtschaft in Ramadi:
Oxfam unterstützt die lokalen Behörden in Ramadi bei der Durchführung dieses Forums. Teilnehmer*innen sind beispielsweise technische Expert*innen, Mitglieder der Kommunalverwaltung, zivilgesellschaftliche Organisationen, Forscher*innen sowie Bauernverbände (insbesondere weibliche geführte). Der Frauenanteil bei dem Forum beträgt 30 %.
Unter Koordination der Direktion für Wasserwirtschaft entwickeln die Teilnehmer*innen Empfehlungen für eine gerechte Bewässerungsplanung. Diese Empfehlungen fließen in die politische Entscheidungsfindung ein.
- Bürger*innendialog zum Abfallmanagement in Falludscha:
Diese Maßnahme wird von der Stadtverwaltung in Falludscha geleitet und umfasst einen Bürger*innendialog mit rund 40 Teilnehmer*innen (mindestens 30 % Frauen). Zu den Teilnehmer*innen gehören Mitglieder der ehemaligen Gemeindekomitees (die im Vorgängerprojekt gegründet wurden), zivilgesellschaftliche Organisationen und Bewohner*innen betroffener Viertel. Sie diskutieren zentrale Herausforderungen im Abfallmanagement wie Serviceabdeckung, Gesundheitsrisiken und Bürger*innenverantwortung.
Die Ergebnisse sollen zukünftige Planungs- und Koordinationsprozesse im Abfallmanagement unterstützen.
- Workshop zur Stadtbegrünung und zur Planung von Baumpflanzungen in Heet:
Diese Maßnahme umfasst einen Planungsworkshop mit Bürger*innen zur nachhaltigen Begrünung der Stadt Heet. Der Workshop wird von der Gemeinde in Zusammenarbeit mit der Direktion für Landwirtschaft, dem Bürgermeisteramt, lokalen zivilgesellschaftlichen Organisationen und Vertreter*innen des ehemaligen Gemeindekomitees durchgeführt. Oxfam unterstützt dabei logistisch und koordinatorisch.
Rund 40 Teilnehmer*innen (mindestens 30 % Frauen) diskutieren geeignete öffentliche Flächen für Baumpflanzungen und urbane Begrünungsmaßnahmen (einschließlich Pflanzorte, Baumarten, Pflegebedarf sowie klimabezogene Herausforderungen).
Der dabei entstehende Plan wird den Behörden zur weiteren Umsetzung vorgelegt. Die Stadtbevölkerung wird in die langfristige Pflege der grünen Infrastruktur einbezogen.