Gerechte Löhne auf der Bananenplantage?
Unser neuer Bericht „Gerechte Löhne auf der Bananenplantage?“ untersucht die Bemühungen der deutschen Supermärkte im Hinblick auf gerechte Löhne beim Anbau von Bananen. Das Ergebnis: Während einige Supermärkte erste Schritte unternehmen, verweigert sich Edeka. Insgesamt beruht die Herstellung immer noch auf einem System der Ausbeutung.
Der deutsche Bericht „Gerechte Löhne auf der Bananenplantage?“ basiert auf unserem englischsprachigen Bericht „Paid up?“, der sowohl die deutschen als auch die niederländischen Supermärkte in den Blick nimmt.
Welche Supermärkte übernehmen Verantwortung für existenzsichernde Löhne in ihren Lieferketten?
Edeka, Rewe, Aldi und die Schwarz-Gruppe (mit Lidl und Kaufland) kontrollieren 88 % des deutschen Lebensmittelhandels. Diese Marktmacht gibt ihnen enormen Einfluss auf die Preise hierzulande sowie auf die Arbeitsbedingungen in den Anbauländern.
Erste Supermärkte übernehmen Verantwortung entlang der eigenen Lieferkette: Rewe und Aldi verpflichteten sich, bis Ende 2025 mindestens die Hälfte ihrer Bananen als „Living Wage-Banane“ einzukaufen. Ein „Living Wage“ (existenzsichernder Lohn) bedeutet, dass Arbeiter*innen und ihre Familien ein menschenwürdiges Leben führen können und sich beispielsweise eine Wohnung, Kleidung und Gesundheitsversorgung leisten können.
Lidl schließt nach eigenen Angaben bereits seit 2022 den eigenen Anteil der Lücke zwischen realen und existenzsichernden Löhnen. Edeka hingegen hat sich keinerlei Ziele gesetzt.
Wer begleicht die Lohnlücke?
| Begleicht seinen Anteil der Lohnlücke | Lidl |
|---|---|
| Begleichen 50 % der Lohnlücke von Eigenmarken-Bananen | Aldi Süd, Aldi, Rewe |
| Keine Selbstverpflichtung zur Schließung der Lohnlücke | Edeka |
Edeka ist der einzige Supermarkt, der keine Schritte in Richtung existenzsichernder Löhne unternimmt und lässt damit die Arbeiter*innen auf den Bananenplantagen im Stich.
Reality Check: Was kommt bei den Arbeiter*innen an?
Die Ermittlung der Lücke zwischen real gezahlten und existenzsichernden Löhnen ist voller Tücken. Supermärkte verlassen sich dabei häufig auf die Angaben ihrer Zulieferer.
Unsere Studie hat jedoch ergeben, dass beispielsweise die in Costa Rica befragten Frauen nur etwas mehr als die Hälfte des existenzsichernden Lohns erhalten – und über 60 Stunden die Woche arbeiten. Dabei ist eine angemessene Bezahlung kein nettes Extra: Das Lieferkettengesetz und die EU-Lieferkettenrichtlinie verpflichten Unternehmen ausdrücklich zu einer angemessenen Bezahlung.
Vergleich von Mindestlohn, Living Wage gemäß Global Living Wage Alliance (beide Stand 2025) und durchschnittliche Löhne gemäß einer Befragung von Banana Link für Oxfam (2025). Jeweils Bruttolöhne.
Transparenz im Bananen-Dschungel?
Noch immer sind die Lieferbeziehungen zwischen Supermärkten, Zwischenhändlern und Lieferanten weitgehend undurchsichtig. Für Verbraucher*innen ist es schwer nachzuvollziehen, woher die Bananen aus dem Supermarktregal kommen. Während Aldi Süd, Rewe und Lidl ihre Lieferanten und Plantagen angeben, veröffentlicht Edeka keine Lieferantenlisten.
Gewerkschaften unverzichtbar
Der Bericht zeigt auch: Nur wenn Arbeiter*innen und ihre Gewerkschaften vor Ort einbezogen werden, können langfristig existenzsichernde Löhne erreicht werden. Denn sie kennen die Lohndaten und Problematiken wie Lohnmanipulation und Überstunden am besten.
Supermärkte müssen uns als Gewerkschaften einbeziehen, damit Arbeiter*innen existenzsichernde Löhne bekommen und endlich ein besseres Leben führen können.
Unsere Forderungen
Wer von globalen Lieferketten profitiert, muss Menschenrechte schützen – das ist keine Frage des guten Willens, sondern des Gesetzes.
- Edeka muss endlich nachziehen und verbindliche Ziele setzen.
- Alle Supermärkte sollten unbedingt Gewerkschaften einbeziehen und freiwillige Zahlungen durch faire Einkaufspreise ersetzen.
- Die Bundesregierung muss das Lieferkettengesetz verteidigen und die EU-Lieferkettenrichtlinie ambitioniert umsetzen.
-
Ein existenzsichernder Lohn (Living Wage) ist „die Vergütung, die ein*e Arbeitnehmer*in an einem bestimmten Ort für eine normale Arbeitswoche erhält und die ausreicht, um ihr*ihm und ihrer*seiner Familie einen angemessenen Lebensstandard zu ermöglichen.
Zu den Elementen eines angemessenen Lebensstandards gehören Nahrung, Wasser, Wohnen, Bildung, Gesundheitsversorgung, Transport, Kleidung und andere grundlegende Bedürfnisse, einschließlich der Vorsorge für unerwartete Ereignisse.“
(Definition der „Global Living Wage Coalition“)Der existenzsichernde Lohn kann höher liegen als der nationale oder lokale Mindestlohn. Die Differenz zwischen den tatsächlich gezahlten Löhnen und dem Living Wage wird als „Lohnlücke“ bezeichnet.
Es gibt verschiedene Berechnungsmethoden für existenzsichernde Löhne. Die Internationale Arbeitsorganisationen (ILO) legte 2024 eine Reihe von Prinzipien fest, die unter anderem die Einbeziehung von Gewerkschaften in die Lohnberechnung vorsehen.
-
Bericht „Gerechte Löhne auf der Bananenplantage? Was tun Supermärkte in ihren Lieferketten?“
-
Bericht „Paid Up? Living Wage Efforts in Banana Supply Chains of Dutch and German Supermarkets“