Als Isidrio Ochoa in seiner Bananen-Plantage eine Gewerkschaft gründete, bedrohte ihn sein Chef am Telefon: „Ich habe Dich im Visier.“ In Todesangst verließ er seine Stadt und suchte Unterschlupf im Büro der Gewerkschaft ASTAC.

In Ecuadors Bananensektor, dem größten Arbeitgeber der tropischen Küstenregion, herrscht ein Klima der Angst: Wer sich auf den Bananen-Plantagen gewerkschaftlich organisiert, muss damit rechnen bedroht zu werden, seinen Job zu verlieren, auf einer schwarzen Liste zu landen und nie wieder in „Bananen“ angestellt zu werden. Während der Interviews für die Studie „Süße Früchte, bittere Wahrheit“ hörten wir zahlreiche Beispiele dafür, dass Arbeits- und Gewerkschaftsrechte in Ecuador de facto nicht umgesetzt werden.

Am 1. Januar 2017 soll Ecuador dem Freihandelsabkommen der Europäischen Union mit Kolumbien und Peru beitreten. Heute diskutiert das Europäische Parlament letztmalig darüber. ASTAC, Oxfam Deutschland und sieben weitere Organisationen drängen in einem Brief an Mitglieder des Parlaments darauf, die Umsetzung von Arbeits- und Gewerkschaftsrechten von der ecuadorianischen Regierung einzufordern, bevor das Abkommen in Kraft tritt.

Wie aus einer kürzlich veröffentlichten Studie des Internationalen Gewerkschaftsbunds (ITUC) hervorgeht, gibt es in Ecuador noch weitreichende rechtliche und faktische Einschränkungen der Gewerkschaftsfreiheit. Gewerkschaftsmitglieder werden bedroht oder entlassen, doch auch schon die Gründung einer Gewerkschaft ist durch schwer zu erfüllende gesetzliche Vorgaben extrem schwierig. Zum Beispiel verweigert die ecuadorianische Regierung seit Jahren die offizielle Registrierung von ASTAC als öffentlich anerkannte Gewerkschaft mit der Begründung, dass es keine sektoralen Gewerkschaften geben dürfe, sondern nur betriebliche Gewerkschaften.

Das Freihandelsabkommen Ecuadors mit der EU beinhaltet auch ein Kapitel zu „Handel und nachhaltiger Entwicklung“, in dem sich alle Parteien verpflichten, geltendes Recht anzuwenden und die Arbeitsrechtsstandards umzusetzen, die in den Übereinkommen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) anerkannt sind. Dazu gehören auch Gewerkschaftsrechte und das Recht kollektiver Tarifverhandlungen. EU-Kommissarin Cecilia Malmström hat bereits hervorgehoben, dass der neue Handels- und Investitions-Rahmenvertrag durch solide und durchsetzbare Binnenpolitiken vervollständigt werden müsse, darunter Arbeitsrechte, Menschenrechte und Umweltschutz.

Frau Malmström, jetzt müssen Ihren Worten Taten folgen!