• 04. April 2012

Gletscher verschwinden

"Der Huascarán stirbt und wir mit ihm"
Leoncio Tamara Leandro ist Kartoffelbauer in den Anden von Peru. Die Klimaerwärmung ist eine der gravierendsten Veränderungen, die er in seinem Leben erlebt hat.

„In meinem Leben habe ich viele Veränderungen erlebt. Doch die Klimaerwärmung ist die gravierendste“, erzählt Leoncio Tamara Leandro, Kartoffelbauer in Ancash, in den Anden von Peru. „Woran ich das erkenne? An den Pflanzen kann ich sehen, dass es wärmer geworden ist. Sie wachsen anders und vertrocknen häufiger. Außerdem erkenne ich es am Gipfel des Huascarán. Früher war er gefroren und mit Schnee bedeckt. Jeden Tag kamen Lawinen herunter, heute keine einzige mehr.“

„Die Sonne verbrennt alles. Unser Wasserbedarf ist gestiegen.“

Die Bevölkerung in Peru ist abhängig von der Wasserzufuhr durch die Schneeschmelze in den Anden, besonders in der Trockenzeit, wenn kaum Regen fällt. Doch die Gletscher sind in den letzten 35 Jahren um 20 Prozent zurückgegangen und werden vielleicht schon in wenigen Jahren völlig verschwunden sein. Das gefährdet die Wasserversorgung - nicht nur für die Landwirtschaft, sondern auch für die Städte und die Stromerzeugung. Vor allem die Bäuerinnen und Bauern leiden unter fehlendem Wasser, weil die Ernten geringer ausfallen.

„Nur noch ganz oben auf dem Berg liegt Schnee.“

Leoncios Nichte Olga Tamara Morales erzählt: „Wir haben immer weniger Wasser. Aber wenn wir früher das Land bewässert haben, reichte das für zwei ganze Wochen – mittlerweile nur noch vier Tage. Die Sonne verbrennt alles. Unser Wasserbedarf ist gestiegen, doch der Huascarán gibt immer weniger Wasser. Nur noch ganz oben auf dem Berg liegt Schnee, der  aber jeden Tag weiter zurückgeht. Der Huascarán stirbt wegen der Erwärmung und wir mit ihm.“