Dürrekrise in Somalia, Kenia und Äthiopien: Millionen Menschen betroffen

Wasserpreise in einigen Gebieten um das 20-Fache gestiegen

Die ausgebliebenen Regenfälle zwischen Oktober und Dezember haben in Ostafrika nahezu 26 Millionen Menschen in extreme Hungersnot getrieben. 58 Millionen Menschen haben keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Ausgetrocknete Brunnen, extrem gestiegene Wasserpreise, Ernteausfälle und das Sterben von Nutztieren treiben Gemeinschaften an den Rand des Zusammenbruchs. Oxfam fordert dringend mehr finanzielle Mittel für humanitäre Hilfe. 

Unter der akuten Nahrungs- und Wasserkrise in Somalia, Kenia und Äthiopien leiden Millionen Menschen, die sich noch immer von der längsten und schwersten jemals verzeichneten Dürre zwischen 2020 bis 2023 erholen. In diesen Jahren fielen fünf Regenzeiten in Folge aus. 

Millionen Nutztiere sterben, da die Dürre Weideflächen und Wasserquellen zerstört und damit die Existenzgrundlage von Weidehirt*innen bedroht. Die Dürre vernichtet auch Felder noch vor der Ernte. Oxfam arbeitet in den drei Ländern gemeinsam mit lokalen Partnern daran, lebensrettende Maßnahmen bereitzustellen, darunter Trinkwasserversorgung, Versorgung mit Hygieneartikeln oder Bargeldhilfen.

Wasser für viele Familien unbezahlbar geworden

Weil Flüsse und flache Brunnen austrocknen, müssen Familien bis zu 15 Kilometer zurücklegen, um Wasserkanister zu füllen. Gleichzeitig machen drastisch steigende Preise für den Transport per Tankwagen Wasser für viele unerschwinglich. In Teilen Somalias berichten Oxfam-Mitarbeitende und Partnerorganisationen, dass die Wasserpreise um das 20-Fache gestiegen sind. Familien zahlen zwischen 1 und 1,50 US-Dollar für einen einzelnen Kanister Wasser – im Vergleich zu 0,06 US-Dollar vor einem Jahr. Für Familien, die bereits ihre Ernten, ihr Vieh und damit ihre Einkommensquellen verloren haben, ist Wasser unbezahlbar geworden. 

Fati N’Zi-Hassane, Direktorin von Oxfam in Afrika:

Wasserlieferungen per Tankwagen sind inzwischen oft die einzige verbleibende Hilfe. Doch für viele Familien, die sich nicht einmal eine Mahlzeit am Tag für ihre Kinder leisten können, ist es schlicht unmöglich, auch noch für Wasser zu bezahlen. Für Frauen und Mädchen ist die Krise besonders gravierend, da sie nun längere Strecken – häufig unter unsicheren Bedingungen – zurücklegen müssen, um Zugang zu etwas zu erhalten, das ein elementares Menschenrecht ist.

In Somalia zeigt eine neue Warnmeldung der Integrated Food Security Phase Classification (IPC), dass sich die Zahl hungernder Menschen seit Anfang 2025 auf 6,5 Millionen Menschen nahezu verdoppelt hat. Zwischen Februar und März 2026 wird voraussichtlich jede dritte Person im Land von akutem Hunger betroffen sein. In den sehr trockenen und halbtrockenen Gebieten Kenias berichten Gemeinden von geringeren Ernteerträgen. In Äthiopien führen die ausgebliebenen Regenfälle der letzten beiden Regenzeiten in einigen Regionen zu erheblichen Ernteausfällen, sodass viele Haushalte ohne Vorräte dastehen. Das Frühwarnsystem „Famine Early Warning Systems Network“ (FEWS NET) schätzt, dass einige Regionen Produktionsverluste von 34 bis 54 Prozent erlitten haben.

Nur rund 13 Prozent der benötigten humanitären Mittel für Somalia gesichert

Die sich verschärfende Krise entfaltet sich vor dem Hintergrund massiver Finanzierungslücken in der humanitären Hilfe. Während der Bedarf in Ostafrika stark gestiegen ist, sind die Mittel deutlich zurückgegangen, sodass Millionen Familien auf sich allein gestellt bleiben. 2021 benötigten Somalia, Kenia und Äthiopien zusammen 2,65 Milliarden US-Dollar an humanitärer Hilfe. Knapp 61 Prozent davon wurden finanziert. Im Jahr 2025 wurde weniger als ein Drittel des Gesamtbedarfs gedeckt. In Somalia erhielt der Humanitäre Reaktionsplan 2025 lediglich 29 Prozent der erforderlichen Mittel. Für 2026 sind bislang nur 13,4 Prozent gesichert.

Oxfam-Direktorin N’Zi-Hassane: „Die bevorstehende Trockenzeit wird nicht nur schwierig. Sie könnte viele Gemeinschaften in die Katastrophe treiben. Jetzt werden dringend finanzielle Mittel benötigt, um Leben in der gesamten Region zu retten. Die Menschen hier haben nahezu nichts zur globalen Klimakrise beigetragen, zahlen jedoch den höchsten Preis. Familien kämpfen täglich ums Überleben. Wir dürfen sie nicht im Stich lassen.“

  • Mitarbeiter im Presseteam: Sebastian Danz.

    Sebastian Danz

    Pressereferent Soziale Ungleichheit, Steuern, humanitäre Krisen, Oxfam Shops