OECD-Zahlen zur Entwicklungsfinanzierung

Tod durch Kürzungen

Heute hat die OECD die Zahlen zur weltweiten Entwicklungszusammenarbeit veröffentlicht. Die ODA-Quote zeigt, wie viel öffentliche Mittel ein Land im Verhältnis zu seiner Wirtschaftsleistung für Entwicklungs-zusammenarbeit bereitstellt. Als politischer Maßstab gilt dabei die 1970 von den Vereinten Nationen vereinbarte Zielmarke von 0,7 Prozent des Bruttonationaleinkommens, die bis heute als Richtschnur für internationale Verantwortung gilt.

2025 betrug die deutsche Quote nur 0,56 Prozent (29,1 Milliarden US-Dollar), was im Vergleich zum Vorjahr einem Rückgang von 17,4 Prozent entspricht. Charlotte Becker, Vorständin von Oxfam Deutschland sagt: „Das zeigt: Reiche Länder wie Deutschland entziehen sich ihrer Verantwortung. Diese Kürzungen sind keine abstrakten Haushaltsentscheidungen – sie haben konkrete, lebensbedrohliche Folgen.“ Die Tragweite von Kürzungen zeigen drei Beispiele:

Auswirkungen auf Menschenleben

„Die Welt steht in Flammen und Deutschland kürzt weiter. Während geopolitische Krisen und Kriege Armut und Ungleichheit weltweit eskalieren, stehen durch die Kürzungen zusätzliche Menschenleben auf dem Spiel“, so Becker. Eine aktuelle Studie im Fachjournal The Lancet warnt, dass die Kürzungen in der Entwicklungsfinanzierung bis 2030 bis zu 9 Millionen vermeidbare Todesfälle verursachen könnten.

Auswirkungen für Mädchen und Frauen

„Fast 700 Millionen Frauen leben in Konfliktregionen“, veranschaulicht Becker. Wenn Mittel gekürzt werden, stehen Programme zum Schutz vor Gewalt, zur Gesundheitsversorgung und zur wirtschaftlichen Teilhabe vor dem Aus.

Auswirkungen auf die Klimafinanzierung

Durch sinkende Unterstützung für einkommensschwache Länder beim Klimaschutz und bei der Anpassung an die Klimakrise, torpediert die Bundesregierung die eigene Glaubwürdigkeit. Die Zahlen nähren die Sorge, dass das deutsche Versprechen von mindestens sechs Milliarden Euro bereits 2025 gebrochen wurde. Auch für 2026 fehlen voraussichtlich mindestens eine Milliarde Euro.

In den letzten Jahren hat die Bundesregierung die Mittel für Entwicklungszusammenarbeit und humanitäre Hilfe massiv gekürzt, die ODA-Quote lag 2022 bei 0,83 Prozent – nur drei Jahre später ist sie auf 0,56 Prozent gefallen. Oxfam fordert die Bundesregierung auf, auf die geplanten weiteren Kürzungen im Bundeshaushalt 2027 zu verzichten.

Redaktionelle Hinweise

  • Das Institute of Global Health in Barcelona veröffentlichte im Februar 2026 eine Studie im Lancet Journal, in der die Auswirkungen der öffentlichen Entwicklungshilfe (ODA) auf die Sterblichkeitsraten weltweit untersucht wurden. Sie schätzt, dass allein die Kürzungen der Entwicklungshilfe im Jahr 2025 – unter der Annahme einer Kürzung um 21 % – für 695.238 zusätzliche Todesfälle verantwortlich wären und dass, sollte sich der Trend der Kürzungen fortsetzen, bis 2030 9.416.417 Menschen. sterben könnten.
  • Der UN-Jahresbericht zu Frauen, Frieden stellt fest, dass 676 Millionen Frauen in Konfliktgebieten leben.
  • Mehr zu den Auswirkungen der Kürzungen auf Rechte von Frauen und Mädchen finden Sie im Blogbeitrag.

     
  • Mitarbeiterin im Presseteam: Lena Enders.

    Lena Enders

    Pressereferentin Klima, Gerechte Lieferketten, Oxfam Shops