Die 100 umsatzstärksten europäischen Konzerne befeuern die Ungleichheitskrise
Die 100 umsatzstärksten europäischen Unternehmen verschärfen die Ungleichheitskrise – sozial, politisch, wirtschaftlich und ökologisch. Das zeigt der neue Oxfam-Bericht „People, Power, Profits, Planet: How the biggest European companies fuel the global inequality crisis“. Anhand verschiedener Indikatoren und mit Daten aus den Jahren 2022 bis 2024 untersucht der Bericht erstmals, wie Konzerne in Europa mit ihrer Geschäftspolitik verschiedene Aspekte von Ungleichheit verstärken. Auch 27 deutsche Unternehmen sind Teil der Auswertung. Oxfam fordert eine Begrenzung von Führungsgehältern und eine dauerhafte Übergewinnsteuer.
Die wichtigsten Ergebnisse des Berichts
- Zwischen 2022 und 2024 erhielten Aktionär*innen der 100 untersuchten europäischen Konzerne im Schnitt mehr als zwei Drittel der Gewinne. Sechs Unternehmen, darunter der deutsche Pharma- und Chemiekonzern Bayer und der Schweizer Bergbau- und Rohstoffkonzern Glencore, schütteten 2024 sogar Dividenden aus, obwohl sie Verluste machten.
- 2024 schüttete knapp die Hälfte der Konzerne 32-mal mehr an Aktionär*innen aus, als sie in den ökologischen Wandel investierte, also zum Beispiel in die Umstellung auf CO2-arme Produktionsprozesse.
- 2024 verursachten die 100 untersuchten Konzerne zusammen rund 26 Prozent der weltweiten CO2-Emmissionen. Während die Unternehmen ihre direkten Emissionen zusammen zwischen 2022 und 2024 insgesamt senkten, erhöhten etwa Lufthansa und Thyssenkrupp ihre direkten Emissionen.
- CEOs verdienten 2024 im Durchschnitt das 78-Fache des durchschnittlichen Einkommens in den 100 analysierten Unternehmen.
- Der durchschnittliche Gender Pay Gap in den deutschen Unternehmen lag 2024 mit rund 16 Prozent über dem Gesamtdurchschnitt von 11 Prozent aller untersuchten europäischen Unternehmen. Die Deutsche Bank hatte mit rund 39 Prozent den größten Gender Pay Gap.
- Nur 18 der 100 Konzerne veröffentlichten Informationen zu ihren Ausgaben für Lobbyarbeit oder Parteispenden, die im Durchschnitt 1,4 Millionen Euro betrugen. Von den Unternehmen, die dazu Angaben in ihren Geschäftsberichten machten, war der deutsche Pharma- und Chemiekonzern Bayer im Jahr 2024 mit 15,1 Millionen Euro das Unternehmen mit den höchsten Lobbyausgaben.
Egal ob milliardenschwere Dividenden für Aktionär*innen,
maßlose CEO-Vergütungen oder vernachlässigte Investitionen in den ökologischen Wandel: Europäische und deutsche Konzerne tragen zur sozialen und ökologischen Krise bei. Das ist kein zufälliges Ergebnis wirtschaftlicher Entwicklungen, sondern Ausdruck eines Systems, das zu einem enormen Einfluss von Großkonzernen und der Konzentration von Milliardenvermögen führt. Denn die Rekordgewinne deutscher Unternehmen kommen vor allem den Superreichen des Landes zugute, die als Anteilseigner*innen Entscheidungen der Unternehmen mitbestimmen und von den immer weiter steigenden Dividenden-Ausschüttungen profitieren.
EU und Bundesregierung bauen soziale und ökologische Standards ab
Der neue Oxfam-Bericht erscheint zu einer Zeit, in der die EU und die Bundesregierung soziale und ökologische Standards abbauen. Unter dem Vorwand der Wettbewerbsfähigkeit werden in Europa und Deutschland bereits erreichte Regelungen geschwächt, etwa bei der Nachhaltigkeitsberichterstattung und der Lieferkettengesetzgebung.
Um konzerngetriebene Ungleichheit zu reduzieren, ist eine Vielzahl von Maßnahmen erforderlich. Oxfam fordert unter anderem, den Abstand zwischen der Vergütung von CEOs und dem Medianlohn in Unternehmen auf maximal 20 zu 1 zu begrenzen, die Senkung der Körperschaftssteuer rückgängig zu machen, eine dauerhafte Übergewinnsteuer von mindestens 50 Prozent einzuführen sowie Lobbyeinfluss stärker zu regulieren. Um den klimaneutralen Umbau der Wirtschaft voranzutreiben, müssen Mechanismen wie der europäische Emissionshandel gestärkt und durch sozial gerechte und zukunftsfähige industriepolitische Ansätze ergänzt werden. Die EU-Entgelttransparenz-Richtlinie muss zügig und vollständig in deutsches Recht umgesetzt werden.
Redaktionelle Hinweise
- Der Bericht analysiert die 100 größten europäischen Konzerne nach Umsatz im Zeitraum 2022 bis 2024. Grundlage für das Sample ist das Ranking „Fortune 500 Europe“.
- Mit dem „Corporate Inequality Framework“ hat Oxfam ein Instrument entwickelt, um den Einfluss einzelner Unternehmen auf verschiedene Dimensionen von Ungleichheit zu analysieren.
- Eine interaktive Aufbereitung der Daten des Berichts finden Sie hier. Die Daten sind filterbar nach Konzern, Branche und Land.
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Bericht „People, Power, Profits, Planet: How the Biggest European Companies Fuel the Global Inequality Crisis“ (englisch)
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