US-Unternehmen verschieben Billionen in Steueroasen

Die 50 größten US-Unternehmen nutzen in zunehmendem Maße Steueroasen und politische Lobbyarbeit, um sich vor ihrem fairen Beitrag zum Gemeinwohl zu drücken – das zeigt der aktuelle Oxfam-Bericht „Rigged Reform“. Unternehmen müssen weltweit zu mehr Steuertransparenz verpflichtet werden. Und die Politik muss mit Sanktionen gegen Steueroasen den ruinösen Wettlauf um Niedrigsteuersätze aufhalten.
Logos von US-Unternehmen: Ford, Verizon, Walmart, Goldman Sachs, Walt Disney, Apple, Bank of America, General Electric, Pfizer, Coca Cola, Chevron
Konzerne wie Apple und Goldman Sachs drücken mit Steuertricks ihren Beitrag zum Gemeinwohl.

Bei internationalen Konzernen ist Steuervermeidung mittlerweile Volkssport. Der Bericht „Rigged Reform“ wertet Steuererklärungen und andere öffentlich zugängliche Berichte der 50 größten US-Unternehmen aus. Das Ergebnis:

  • Die untersuchten Unternehmen haben zusammen rund 1,6 Billionen US-Dollar in Steueroasen verschoben. Das entspricht dem Bruttoinlandsprodukt Kanadas. Dazu bedienen sie sich eines Netzwerks von 1.751 Tochterfirmen und Zweigniederlassungen. 2015 ist die Summe der in Steueroasen verschobenen Gewinne im Vergleich zum Vorjahr um 200 Milliarden Dollar gestiegen, die Anzahl der Tochterfirmen in Steueroasen um 143.
  • Zwischen 2009 und 2015 haben die untersuchten Unternehmen 2,5 Milliarden Dollar für Lobbyarbeit in Richtung der US-Regierung ausgegeben, davon 325 Millionen für Lobbyarbeit zu Steuerfragen. Das hat dazu beigetragen, ihnen Steuernachlässe in Höhe von über 423 Milliarden Dollar zu sichern – jeder Dollar für steuerpolitische Lobbyarbeit hat damit 1.200 Dollar an Steuernachlässen eingebracht.
  • Mit diesen und ähnlichen Strategien konnten die untersuchten Unternehmen ihren Beitrag zum Gemeinwohl um rund ein Viertel drücken: Statt des gesetzlich vorgeschriebenen Steuersatzes von 35 Prozent haben sie im Durchschnitt nur 25,9 Prozent gezahlt.

Das Problem betrifft nicht nur die USA. Wohin man auch schaut, finden sich Hinweise, dass Unternehmen sich aus ihrer gesellschaftlichen Verantwortung stehlen – erst kürzlich hatte Oxfam aufgedeckt, dass europäische Banken auffällig viel Gewinn in Steueroasen verbuchen.

Die hohen Renditen für Anteilseigner erkaufen Unternehmen weltweit, indem sie Staaten um die Mittel prellen, die für Bildung, Gesundheitsversorgung und Infrastruktur dringend gebraucht würden. Das verschärft soziale Ungleichheit und ist Sprengstoff für ganze Gesellschaften.

Tricksereien einen Riegel vorschieben: So geht's

  • Wir brauchen viel klarere Transparenzvorgaben. Es muss deutlich erkennbar sein, in welchem Land Unternehmen Gewinne machen und wieviel Steuern sie darauf zahlen.
  • Das Geschäftsmodell der Steueroasen, das einen ruinösen Wettlauf um Niedrigsteuersätze anheizt, muss beendet werden. Eine Möglichkeit wäre, Strafsteuern auf Geschäfte mit Steueroasen zu erheben.

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Steuervermeidung von Unternehmen

Die weltweite soziale Ungleichheit hat einen neuen Höchststand erreicht: Ein Prozent der Weltbevölkerung hat mehr Vermögen als der Rest der Welt zusammen; nur 8 Menschen besitzen genauso viel wie die ärmere Hälfte der Weltbevölkerung. Ein Grund ist die Steuervermeidung von Unternehmen und reichen Einzelpersonen durch ein System von Steueroasen, das vor allem den Reichen zugutekommt und die Kluft zwischen Arm und Reich vertieft.

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