Rohingya-Flüchtlinge: Todesangst vor Rückkehr nach Myanmar

Bangladesch und Myanmar wollen ab Ende Januar Rohingya-Flüchtlinge rückführen. Die Geflüchteten versetzt diese Ankündigung in Angst und Schrecken, wie ein neuer Oxfam-Bericht zeigt. Sie fürchten Gewalt und Folter so sehr, dass sie sogar die katastrophalen Zustände in den Behelfsunterkünften in Bangladesch einer Rückkehr vorziehen.
Romida mit Ehemann und Kindern im Shafiullah Ghata Camp in Bangladesch
Romida mit ihrem Ehemann und ihren vier Kindern im Shafiullah Ghata Camp in Bangladesch

Sicherheit und gleiche Rechte sind Voraussetzung für die nach Bangladesch geflüchteten Rohingyas, um nach Myanmar zurückzukehren. Für den neuen Oxfam-Bericht „I still don’t feel safe to go home“ sprach Oxfam mit mehr als 200 Geflüchteten, die in Behelfsunterkünften in der südöstlichen Provinz Cox’s Bazar in Bangladesch untergekommen sind. Einige waren bereits zum dritten Mal in ihrem Leben gezwungen, aus ihrem Heimatland zu fliehen.

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Stellvertretend für viele erklärt Fatima Sultan (Name geändert), eine 20-jährige Geflüchtete: „Ich möchte zurück nach Hause, wenn wir dort als gleiche Staatsbürger behandelt werden, wenn die Gewalt endet, wenn Frauen nicht gefoltert und entführt werden, wenn wir endlich in Freiheit leben können“. Und sie ergänzt: „Wenn wir gezwungen werden zu gehen, verbrennen wir uns selbst.“ Viele Befragte, insbesondere Frauen, sind stark traumatisiert, wurden vergewaltigt oder mussten mit ansehen, wie ihre Angehörigen getötet wurden.

Katastrophale Bedingungen

Trotz verheerender Zustände in den Behelfsunterkünften erklären einige Befragte, sich eher umzubringen als zurückzukehren. Dabei müssen die Geflüchteten in unsicheren, überfüllten Behelfsunterkünften hausen und sind der ständigen Gefahr ausgesetzt, entführt oder vergewaltigt zu werden. Alle Flüchtlinge, mit denen Oxfam gesprochen hat, erklärten, sie fürchteten insbesondere bei Nacht um ihre Sicherheit. Mehr als die Hälfte berichtete, Mädchen und Frauen seien von Fremden angesprochen worden und später verschwunden.

Oxfams Forderungen

Die Menschen sind schrecklich traumatisiert und in den Camps nun mit neuen Gefahren konfrontiert, von Menschenhandel bis sexualisierter Gewalt. Internationale Regierungen und die Vereinten Nationen dürfen nicht länger untätig zusehen, wie Verbrechen gegen die Menschlichkeit ungestraft begangen werden.
Paolo Lubrano, Oxfams Nothilfe-Koordinator für Asien

Die Vereinten Nationen müssen eine Führungsrolle in der Vermittlung zwischen Bangladesch und Myanmar übernehmen und sicherstellen, dass humanitäre Hilfe diejenigen erreicht, die sie brauchen.

Von den Behörden Myanmars fordern wir, alles zu unternehmen, um die Gewalt zu beenden. Zudem müssen sie sich an ihre Zusage halten, die Empfehlungen der von Kofi Annan geleiteten Rakhine-Kommission umzusetzen. Diese hatte unter anderem erklärt, in Myanmar sollten für alle Menschen gleiche Rechte gelten.

Oxfam ist vor Ort

Der Junge Mohammad in Bangladesch wäscht sich an einer Wasserpumpe
Der achtjährige Mohammad wäscht sich an einer von Oxfam errichteten Wasserpumpe

Um die Menschen in Bangladesch zu unterstützen, ist Oxfam vor Ort. Wir arbeiten in Flüchtlingscamps in Ukhia und Teknaf in der Provinz Cox’s Bazar. Dort richten wir Wasserstellen, Toiletten und Duschen ein und stellen Seife und andere lebenswichtigen Güter bereit. Bisher haben wir mit unseren Nothilfe-Maßnahmen 185.000 Menschen erreicht. Unser Ziel ist es, mehr als 200.000 Menschen zu erreichen.

Wir arbeiten außerdem mit der Regierung Bangladeschs und anderen Hilfsorganisationen zusammen, um sicherzustellen, dass neu eingerichtete Camps den Standards für humanitäre Hilfe entsprechen. Gleichzeitig bereichert die Zusammenarbeit mit lokalen Partnerorganisationen unseren Nothilfeeinsatz durch Ortskenntnisse und kulturelle Sensibilität bei der Unterstützung der betroffenen Menschen.

Bitte unterstützen Sie unseren Nothilfe-Einsatz in Bangladesch:

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