Burundi: Zukunftsperspektiven für Ex-Kämpfer/innen

Burundi leidet unter politischen Krisen und gewalttätigen Konflikten. Daran beteiligt sind oft ehemalige Bürgerkriegs-Kämpfer/innen – von der Gesellschaft ausgeschlossen und ohne Zukunftsperspektive. Oxfam unterstützt sie durch Bildung und berufliche Ausbildung auf ihrem Weg zurück in das zivile Leben.
Ehemalige Kämpferinnen während ihrer Schneider-Ausbildung in Kanyosha in Bujumbura Rural

Burundi kommt nicht zur Ruhe. Von 1993 bis 2005 tobte ein Bürgerkrieg in dem kleinen ostafrikanischen Land und zerstörte große Teile der Infrastruktur und der Ernährungsgrundlagen der Bevölkerung. Zuletzt stürzte die Präsidentschaftswahl 2015 Burundi erneut in eine tiefe Krise, in dessen Folge bewaffnete Konflikte und gewalttätige Auseinandersetzungen das Land erschütterten.

An diesen Auseinandersetzungen sind oft junge Menschen beteiligt, die als Kindersoldat/innen im Bürgerkrieg gekämpft haben. Nach dem Krieg blieben sie ohne Arbeit, ausreichende Schulbildung und soziale Einbindung auf sich allein gestellt; die Bevölkerung grenzt sie aufgrund ihrer Vergangenheit aus. Frustriert und ohne Perspektive lassen sich viele der ehemaligen Kämpfer/innen leicht manipulieren und für weitere Gewalttaten rekrutieren.

Vertrauen und Wiedereingliederung

Wie können diese Menschen einen Weg zurück ins zivile Leben finden? Mit der lokalen Partnerorganisation OAP (Organisation d'Appui à l'Autopromotion) arbeitet Oxfam seit 2013 in einem Pilotprojekt in der Provinz Bujumbura Rural mit 800 jungen Menschen, darunter Ex-Kämpfer/innen, Waisen und Mitglieder ethnischer Minderheiten. Das Projekt bezieht die lokale Gemeinschaft eng mit ein und hat zum Ziel, für die Jugendlichen berufliche Perspektiven zu schaffen und sie wieder in das soziale Leben einzugliedern. Zudem ist ein Anliegen des Projekts, die Menschen dabei zu unterstützen, lokale Konflikte gewaltfrei zu lösen. Das können etwa Konflikte zwischen Anhänger/innen verschiedener politischer Lager sein, häusliche Streitigkeiten oder Auseinandersetzungen um Besitztümer wie Grundstücke oder Ernteerträge.

Besonders wichtig für die Jugendlichen sind Bildung und eine handwerkliche Ausbildung: Viele der ehemaligen Kämpfer/innen haben nie oder nur zeitweise eine Schule besucht. Durch das Projekt haben bereits rund 140 von ihnen in Alphabetisierungskursen Lesen, Schreiben und Rechnen gelernt. Darauf aufbauend werden Berufsausbildungen angeboten, etwa im Schweißer- und Schneider-Handwerk oder in der Seifenherstellung. Bislang haben alle Auszubildenden ihre Ausbildung erfolgreich abgeschlossen.

Einer dieser Auszubildenden ist der junge Ex-Kämpfer Germain aus Kabezi, der 2016 nach einer Friseurausbildung durch das Projekt einen eigenen Friseursalon eröffnete. Zudem nahm ihn eine lokale Spargruppe auf. Er konnte dort genug Geld sparen, um sich ein Solarpanel zu kaufen, das nun seinen Friseursalon mit Strom versorgt. Mit seinem florierenden Geschäft ist Germain ein gutes Beispiel für die gelungene Reintegration in die lokale Gemeinschaft und die burundische Gesellschaft.

Soziale Konflikte friedlich beilegen

Ebenfalls wichtig für die Annäherung zwischen den lokalen Gemeinschaften und den ehemaligen Kämpfer/innen sind die zahlreichen Seminare, die das Projekt initiiert hat. Diese Seminare haben 780 Teilnehmer/innen zu Themen wie Bürgerrechte und -pflichten, Konfliktlösungen oder der Schaffung und Festigung einer Kultur des demokratischen und friedlichen Zusammenlebens geschult.

Konfliktlösung, Dialog- und Mediationsarbeit werden vor Ort bereits erfolgreich praktiziert: So bildeten die Dorfgemeinschaften 52 Friedenskomitees, die von OAP unterstützt werden. Die Ergebnisse dieser lokalen Ansprechpartner sind beeindruckend: In den Gemeinden und Haushalten konnten so bereits über 350 soziale Konflikte friedlich beigelegt werden. Die Friedenskomitees sensibilisierten die Bevölkerung regelmäßig zur lokalen Konfliktlösung und leisteten fortlaufenden psychologischen Beistand für traumatisierte oder gefährdete Personen.

Gemeinsames Sparen und Investieren

Zudem förderten zahlreiche Sport- und Kulturveranstaltungen sowie gemeinsame Aktionen, wie die Instandsetzung von über 75 Kilometer Verbindungswegen zwischen den Gemeinden, die Versöhnung und den gegenseitigen Respekt. Inzwischen haben viele Dorfbewohner/innen so viel Vertrauen gewonnen, dass sie ihr Geld sogar zusammen mit den jungen Ex-Soldaten/innen in Spar- und Kreditgruppen anlegen – wie im Falle Germains. Zusammen können sie dadurch mehr Geld investieren, etwa in Ausstattung, Zuchtvieh und Landerwerb. Bereits 45 Spar- und Kreditgruppen mit über 1.000 Mitgliedern haben sich in den Gemeinden gegründet.

Wie erleben die Gemeinden die Veränderungen durch das Projekt? Die lokale Bevölkerung ist sich einig: Das Verhalten der ehemaligen Kämpfer/innen hat sich deutlich gebessert. Selbst auf dem Höhepunkt der politischen Krise 2015 sei es relativ friedlich geblieben; keine der Gemeinden berichtet von größeren Ausschreitungen. Die Verhaltensänderung der Jugendlichen bestärkt wiederum die gute Meinung und das Vertrauen der Bevölkerung in die Ex-Kämpfer/innen.

Folgeprojekt bis 2020

In einem Folgeprojekt werden Oxfam und OAP die Menschen weiter dabei unterstützen, den lokalen Frieden zu sichern und eine Zukunftsperspektive für die Jugendlichen zu entwickeln. Bis zum Jahr 2020. Dann werden die nächsten Parlaments- und Präsidialwahlen in Burundi stattfinden, und es wird sich zeigen, wie belastbar die aufgebauten Strukturen sind. Auf lokaler Ebene ist für viele schon Realität geworden, worum Burundi noch ringt: ein friedliches Zusammenleben mit gegenseitigem Vertrauen.

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Burundi

In Burundi unterstützt Oxfam die Bevölkerung gemeinsam mit lokalen Partnern in den Bereichen Ernährungssicherung, Friedensförderung, Schulbau und Wasser.

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Oxfam leistet Nothilfe bei Krisen und Katastrophen. Auf politischer Ebene setzen wir uns dafür ein, die Zivilbevölkerung zu schützen und die Ursachen von Konflikten zu beseitigen.

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