Vor einem Jahr riefen die Vereinten Nationen eine Hungersnot für Teile des Südsudans aus. Zwar wurde die Hungersnot in den beiden betreffenden Distrikten im Juni 2017 wieder für beendet erklärt. Seitdem hat sich die Situation im Land aber nicht verbessert. Im Gegenteil: Mittlerweile leiden 6,3 Millionen Menschen – beinahe die Hälfte der Bevölkerung – unter Hunger. Aufgrund des jahrelangen Bürgerkriegs mussten mehr als 4 Millionen Menschen vor der Gewalt fliehen und ihre Heimat verlassen. 1,8 Millionen Binnenflüchtlinge und 2,4 Millionen Menschen, die in die Nachbarländer des Südsudans fliehen mussten, machen es zur größten Flüchtlingskrise Afrikas.

Vertreibung und andauernde Kämpfe haben Felder und Ernten zerstört und dadurch die Produktion von Nahrungsmitteln beinahe zum Erliegen gebracht. Dies hat zu einer Wirtschaftskrise und zu einem fast vollständigen Zusammenbruch der Märkte sowie einer steigenden Inflation geführt. Die meisten Menschen im Südsudan können sich das begrenzt verfügbare Essen nicht mehr leisten und sind auf Unterstützung angewiesen. Zudem haben viele Menschen keinen Zugang zu sauberem Wasser und sanitären Anlagen. Diese katastrophalen hygienischen Bedingungen schwächen die Hunger leidenden Menschen im Südsudan weiter und führen zur Ausbreitung von Krankheiten wie Cholera.

Oxfam ist vor Ort

In 2017 konnten wir mit unseren Partnern mehr als 600.000 Menschen unterstützen, darunter mehr als 415.000 Menschen durch die Verteilung von Nahrungsmitteln. Darüber hinaus stellen wir sauberes Wasser, sanitäre Einrichtungen und grundlegende Hygieneartikel bereit. Damit konnte die Ausbreitung von Cholera und anderen Krankheiten verhindert werden. Zudem unterstützen wir die Menschen dabei, ihren Lebensunterhalt selbst zu erwirtschaften – etwa durch den Aufbau gemeinschaftlicher Gemüse- und Fischzuchtkollektive. Wir arbeiten auch in Schulen, um sicherzustellen, dass vom Krieg betroffene Kinder weiterhin unterrichtet werden. Gemeinden helfen wir beim Aufbau und Betrieb lokaler Infrastruktur, einschließlich Wasseraufbereitungsanlagen.

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Oxfams Arbeit in der Region Pibor

Nyapaluk, Mitglied des WASH-Komitees von Pibor
Nyapaluk, Mitglied des WASH-Komitees von Pibor

Oxfam verbessert mit dem WASH-Programm (WASH steht für Water, Sanitation and Hygiene) den Zugang zu sauberem Wasser durch integrierte Wasserversorgungs- und Hygieneförderungsmaßnahmen. Wir setzen Brunnen instand und aktivieren lokale WASH-Komitees, die sich gemeinsam um die Wasserentnahmestellen kümmern. Zudem beraten die Komitees ihre Gemeinschaften zu Themen der Hygiene.

Ein neues Mitglied eines solchen WASH-Komitees möchte Nyapaluk werden. Er wird in der Region Pibor ausgebildet. Nyapaluk sagt: „Meine Aufgabe ist es, mich um die Hygiene der Wasserstelle zu kümmern. Denn durch schmutziges Wasser werden wir krank. Im Training lernen wir, wie man Wasserstellen sicher hält, damit das Trinkwasser sauber bleibt. Dafür lege ich das stehende Wasser trocken, säubere das Gebiet um die Wasserstelle und baue Zäune auf, um Tiere fernzuhalten. Ich bringe auch den anderen Mitgliedern der Gemeinschaft ein gewisses Hygienebewusstsein bei.

So lernen wir, später selbst zurechtzukommen. Wir haben hier zwar einige Wasserstellen, aber die Bevölkerung wächst. Besonders während der Trockenzeit kommen viele Menschen aus den Dörfern, um Wasser zu suchen. Die Wasserstellen waren seit einiger Zeit kaputt, aber Oxfam hat sie repariert.“

Elizabeth, Gemüsebäuerin
Elizabeth, Gemüsebäuerin

Gemüsebäuerin Elisabeth aus Pibor berichtet: „Wir bauen seit letztem Jahr Gemüse an. Ich habe schon immer landwirtschaftlich gearbeitet, aber die meisten dieser Gemüsesorten waren neu für mich. Normalerweise baue ich Hirse, Mais, Erdnüsse sowie etwas Okra an. Mittlerweile ziehe ich auch Tomaten, Paprika, Chili, Grünkohl, Zwiebeln, Wassermelonen und Auberginen.

Oxfam hat uns in Pflanzenanbau und -pflege geschult, da dieses Gemüse ein anderes Maß an Pflege sowie bestimmte Techniken erfordert. Um Hirse muss man sich etwa nicht groß kümmern und es wächst trotzdem. Ein Teil der Gemüseernte ist für unsere Familien, den Rest verkaufen wir auf dem Markt. Meine Familie liebt die neuen Lebensmittel und auf dem Markt kommen sie ebenfalls gut an. Mit dem Geld, das ich so verdiene, kann ich meine Kinder auf die Schule schicken, die medizinische Versorgung bezahlen und Essen kaufen, was ich selbst nicht anbaue. Wir motivieren auch andere Leute, uns beim Gemüseanbau zu unterstützen und ebenfalls davon zu profitieren.“

Majuang, Fischer
Majuang, Fischer

Der Fischer Majuang erzählt: „Ich war schon immer ein Fischer. Ich gehe sehr früh am Morgen für zwei oder drei Stunden fischen und dann abends noch einmal. Ich liebe meine Arbeit und mein Leben hier. Normalerweise kaufe oder baue ich meine Angelausrüstung selbst, aber dieses Mal habe ich ein Fischernetz von Oxfam erhalten. Das hat mir sehr geholfen, weil auf dem Markt mittlerweile alles so teuer ist. So konnte ich Geld sparen und mehr Fische fangen. Zudem wurden wir von Oxfam geschult, wie man Fisch konserviert, damit wir den Fang optimal nutzen können.

Oxfam hat uns auch dabei geholfen, eine lokale Spargruppe zu gründen: Dort zahlen 20 Menschen etwas Geld in einen Fond ein, über den man dann Kleinkredite aufnehmen kann. Das hilft durch harte Zeiten oder bei Extraausgaben. Auf diesem Weg konnte ich mir schließlich ein Fischerboot kaufen. Früher musste ich mir zum Fischen Boote von Freunden leihen, jetzt kommen die Leute dafür zu mir.

Mein Leben hat sich wirklich verbessert: Wenn ich jetzt angeln gehe, nehme ich einen Teil des Fangs mit zu meiner Familie, den anderen Teil kann ich verkaufen. Während ich früher zusätzlich Getreide anbauen musste, um etwas dazu zu verdienen, genügt mir heute mein Einkommen aus der Fischerei.“

Kajach aus Pibor
Kajach aus Pibor

Im September 2017 arbeitete Oxfam mit lokalen Händler/innen in der Region Pibor zusammen und versorgte 1.000 Menschen mit Rindfleisch. Das Fleisch bekamen Menschen, die während der ertragsarmen Saison am wenigsten zu Essen hatten. So wie Kajach.

„Das Leben hier ist sehr schwierig, weil wir hungrig sind. Ich kam nach Pibor, um Essen zu bekommen, das Oxfam verteilt. Zuhause werde ich Suppe kochen und das Fleisch mit meinen sechs Kindern teilen. Sie gehen alle in die Schule. Doch es ist schwierig: Ihr Vater ist gestorben und sie müssen sich nun völlig auf mich verlassen.

Ich sammele Brennholz zum Verkauf, aber ich kann es mir nicht leisten, selbst viel zu kaufen. Zum Essen sammele ich Wildgemüse aus dem Busch. Es reicht aber oft nicht, um satt zu werden. An manchen Tagen habe ich auch gar nichts zu essen. Die Situation ist dieses Jahr ein wenig besser, aber unsere Ernte ist von Schädlingen befallen, sodass wir auf die Unterstützung von Hilfsorganisationen angewiesen sind.

Es gibt wenige Menschen, denen es besser geht als mir. Manche Menschen verhungern. Sie schlafen ein und wachen dann nicht wieder auf. Es gibt keinen anderen, der mir helfen könnte. Ich bin auf mich selbst angewiesen. Es gab einmal eine Zeit des Friedens, aber es fällt mir schwer, mich daran zu erinnern. Ich weiß nicht, wie alt ich war. Woran ich mich erinnern kann, ist, dass es viel zu essen gab und Wasser einfach zu bekommen war. Das Leben war gut. Der Krieg dauert einfach schon so lange. Ich weiß nicht, was passieren wird. Ich bete, dass es besser wird.“

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