Rahman Ijaz stammt aus Pakistan, wuchs aber in Libyen auf. Bis vor vier Jahren arbeitete er in Tripolis für eine Tierfutter-Firma. 2011, mitten im Bürgerkrieg, flüchtete er mit seiner Familie nach Italien, nachdem eines Nachts maskierte Männer in sein Haus eingedrungen waren, seine Familie bedroht und all sein Hab und Gut gestohlen hatten. Für die Flucht über das Mittelmeer musste Rahman 700 Dinar (etwa 500 EUR) pro Person an eine kriminelle Bande zahlen. Als er mit seiner schwangeren Frau Saima und seinen zwei Kindern den Frachtkahn in Richtung Italien betrat, wusste der damals 26-Jährige nicht, dass es die gefährlichste Reise ihres Lebens werden würde. Außerhalb der libyschen Küstengewässer überließen die Schlepper die Menschen ihrem Schicksal. Als ein Flüchtling dagegen protestierte, töteten sie ihn und warfen ihn über Bord. Zusammengepfercht mit hunderten anderen verzweifelten Menschen verharrten Rahman und seine Familie drei Tage ohne Wasser und ohne Essen auf dem führerlos im Mittelmeer treibenden Boot. Dann wurden sie von einem italienisches Schiff entdeckt, das sie nach Lampedusa brachte. Rahman und seine Familie landeten schließlich im toskanischen Arezzo und bekamen Unterstützung von Oxfam. Heute sind sie dort vollständig integriert und als politische Flüchtlinge anerkannt. Der 31-Jährige arbeitet gelegentlich für verschiedene Firmen und Saima ist Gesundheitsfachkraft.

Cheickne Niakate
Cheickne Niakate, 22 Jahre (
Cheickne Niakate ist ein Fußballprofi und spielte in Mali in der ersten Liga. Nach dem Putsch und der darauffolgenden französischen Intervention verließ er Ende 2012 seine Heimat zum ersten Mal und verbrachte sechs Monate in Dakar, Senegal. Im August 2013 kehrte Cheickne nach Mali zurück, um im Dezember das Land endgültig in Richtung Europa zu verlassen. Nach einer viermonatigen Odysee durch Afrika landete er in Libyen, wo er 1000 Dinar (etwa 650 Euro) für einen Platz in einem Boot nach Italien zahlte und im März 2014 übersetzte. Die italienische Marine fing das Boot ab und brachte es ins sizilianische Syrakus. Cheickne kam nach Arezzo, verbrachte zwei Monate in Montemignaio und wurde im Juni 2014 in ein Hilfsprojekt von Oxfam aufgenommen. Hier bekommt er rechtliche Unterstützung für seinen Asylantrag, lernt Italienisch, besucht Musik- und Computerkurse, aber vor allem kann er Fußball spielen. Sollte der 22-Jährige als Flüchtling anerkannt werden, könnte er in größeren Teams spielen. Zurzeit spielt er mit Atletico Ubuntu, einer Mannschaft aus Flüchtlingen, die in der Toskana leben.

Anila Pervaiz
Anila Pervaiz, 28 Jahre (
Anila Pervaiz, pakistanische Katholikin, verließ ihre Heimat zusammen mit ihrer Familie aufgrund religiöser Verfolgung. Zuerst ging sie nach Libyen, wo sie und ihr Bruder schwere körperliche Arbeit auf einer Ölbohrinsel verrichteten, während ihre Mutter als Krankenschwester in einem Krankenhaus tätig war. Während des Bürgerkriegs verließen sie Libyen in Richtung Italien und erhielten in Arezzo von Oxfam Unterstützung. Dort lernten sie Italienisch und konnten Berufskurse besuchen. Dank Oxfams rechtlichem Beistand wurde ihr Antrag auf politisches Asyl anerkannt. Heute arbeitet Anila in einer Schuhfabrik. Im August 2014 heiratete sie - in einer katholischen Zeremonie - einen Inder, den sie in Italien kennengelernt hat.