Südsudan
Die aktuelle Lage im Südsudan
Der Südsudan steht weiterhin vor einer schweren humanitären Krise, ausgelöst durch Klimaschocks, anhaltende Gewalt, und eine schwache Wirtschaft. Diese sich überlagernden Krisen haben die Widerstandskraft der Bevölkerung stark geschwächt. Im Jahr 2026 werden voraussichtlich über 10 Millionen Menschen – rund zwei Drittel der Bevölkerung – auf humanitäre Hilfe angewiesen sein.
Gleichzeitig verschärft der Konflikt im Sudan die Lage weiter: Geflüchtete suchen Schutz im Südsudan, wo Ressourcen bereits extrem knapp sind.
Bereits mehr als 4,5 Millionen Sudanes*innen sind über die Grenze in Nachbarstaaten geflohen. Und täglich kommen tausende weitere in Ländern wie Äthiopien, dem Tschad oder Südsudan an.
Doch dort sind Wasser und Nahrung ebenfalls knapp. Aktuell sind gewaltsame Konflikte im Südsudan erneut aufgeflammt. Besonders im Bundesstaat Jonglei hat sich die humanitäre Lage deutlich verschärft, und mehr als 267.000 Menschen wurden jüngst vertrieben.
Damit setzt sich eine langjährige Entwicklung fort: Seit der Staatsgründung 2011 wurden bereits Millionen Menschen zur Flucht gezwungen – viele von ihnen suchten Schutz im benachbarten Äthiopien.
Cholera-Ausbruch verschärft die Krise
Die Notunterkünfte in der Grenzstadt Renk sind inzwischen deutlich überlastet. Ein akutes Problem sind die hygienischen Bedingungen, die vielerorts durch regelmäßige Überschwemmungen, die durch die menschengemachte Klimakatastrophe immer gravierender werden, katastrophal sind. Verunreinigtes Wasser und stehende Gewässer begünstigen die Ausbreitung von Krankheiten wie Durchfall und Cholera. Die aktuelle Cholera-Epidemie im Südsudan ist der längste und größte Ausbruch der Krankheit seit der Unabhängigkeit des Landes in 2011.
Gemeinsam mit unseren Partnerorganisationen versorgen wir Geflüchtete und Vertriebene im Südsudan und in den Nachbarländern sowohl mit sauberem Trinkwasser als auch mit medizinischer Versorgung. Zur Bekämpfung der Cholera-Epidemie im Südsudan wurden gezielte Impfungen bei besonders gefährdeten Personengruppen (vor allem Menschen im Grenzgebiet und solche, die zwischen Sudan und Südsudan geflohen sind) durchgeführt.
Akute Ernährungsunsicherheit
Neben der gesundheitlichen und sicherheitspolitischen Notsituation ist Südsudan eines der am stärksten von Hunger betroffenen Länder weltweit. Viele Familien können aufgrund der immer wieder aufflammenden Konflikte im Land ihre Felder nicht bestellen.
Die Vorräte sind aufgezehrt, Überschwemmungen und Schädlingsbefall haben wertvolle Ernten vernichtet. Schätzungsweise knapp 6 Millionen Menschen im Südsudan sind in hohem Maße von akuter Ernährungsunsicherheit betroffen.
Regelmäßige Überschwemmungen
Zum akuten Hunger in der Bevölkerung tragen auch die schweren Überschwemmungen bei, die die humanitäre Krise im Südsudan seit Jahren verschlimmern. Sie wirken sich negativ auf Ernteerträge und die allgemeine Ernährungssituation aus.
2025 führten die anhaltenden Auswirkungen des El-Niño-Ereignisses von 2024 zu einer extremen Wetterlage mit gegensätzlichen Folgen: Während Teile von Greater Upper Nile, Unity und Jonglei von schweren Überschwemmungen betroffen waren – mit über 1,3 Millionen Betroffenen und mehr als 375.000 Vertriebenen bis Ende November 2025 – litten gleichzeitig nördliche und südöstliche Regionen unter anhaltender Dürre.
Wunsch nach Frieden
Ayul Ajak war gerade auf dem Weg der Besserung von einer Erkrankung, die sie fast das Augenlicht gekostet hatte, als der Krieg die sudanesische Hauptstadt Khartum erreichte. Sie musste fliehen – und die Behandlung abbrechen. „Ich konnte wieder sehen – zwar verschwommen, aber ich konnte sehen. Jetzt bin ich blind“, so die sechsfache Mutter.
Im südsudanesischen Renk, wohin Ayul Ajak mit ihren Kindern geflohen ist, mangelt es an Nahrung, Wasser und sanitären Einrichtungen. Oxfam-Mitarbeiter*innen tun ihr Bestes, um die Menschen zu unterstützen und über wichtige Hygiene-Maßnahmen zu informieren. „Ich bekomme monatlich Bargeld, Wasserbehälter, Menstruationsartikel und Seife von Oxfam“, berichtet Ayul Ajak. Dass sie wegen ihrer Erblindung nicht mehr für ihre Familie tun kann, belastet sie sehr: „Meine älteste Tochter holt Wasser, während ich mich um die Jüngeren kümmere.“
„Als der Krieg uns erreichte, musste ich meine Kinder nehmen und fliehen. Jetzt erhalte ich von Oxfam Bargeldunterstützung, Eimer, Hygieneartikel und Seife, aber mit einer sechsköpfigen Familie würde ich gerne mehr tun, um meine Kinder zu ernähren“, erzählt Ayul Ajak.
Oxfams Arbeit vor Ort
Oxfam unterstützt die Menschen vor Ort mit Zugang zu sauberem Trinkwasser sowie sanitärer Grundversorgung (WASH), der Bereitstellung von Lebensmitteln und finanzieller Nothilfe. Zudem bieten wir psychosoziale Unterstützung für die Betroffenen von geschlechtsspezifischer Gewalt an.
Zu unseren Nothilfemaßnahmen gehören unter anderem:
- Wasserversorgung per Tankwagen
- Verteilung von Nothilfesets zur Aufbereitung und sicheren Lagerung von Wasser
- Bereitstellung von Lebensmittelpaketen
- Verteilung von Sets für die Menstruationshygiene für Frauen und junge Mädchen
- Desinfektion und Instandsetzung von Brunnen
- Ausbildung von Hygienepromotor*innen und Schulung der regionalen Bevölkerung hinsichtlich sicherer Hygienepraktiken zur Vermeidung von ansteckenden Krankheiten
Unterstützen Sie unsere Arbeit, damit wir auf Hungerkrisen wie diese rechtzeitig reagieren können!