Die Oxfam-Analyse zeigt, wie aktuelle Kooperationsprojekte mit Agrarkonzernen wie Bayer, BASF und Yara auf eine industrielle Landwirtschaft setzen und die vielfältigen ökologischen Probleme verharmlosen. Den Bauern werden konkrete Markenprodukte empfohlen, zum Teil hochgiftige Pestizide.

Öffentlich-private Partnerschaften: Wer profitiert?

Die Kooperation mit den großen Agrarkonzernen im Rahmen der Entwicklungszusammenarbeit begann Ende der 1990er Jahre. Besonders in den letzten fünf Jahren kamen diese öffentlich-privaten Partnerschaften (PPPs) bei den Regierungen reicher Staaten in Mode. Sie starteten Initiativen mit wohlklingenden Namen wie „Neue Vision für die Landwirtschaft“, „GROW Africa“ und „Neue Allianz für Ernährungssicherheit“. 2012 rief der damalige deutsche Entwicklungsminister Dirk Niebel die „German Food Partnership“ ins Leben.

In Trainingsanzüge gekleidete Aktivist/innen mit Masken von Angela Merkel und Gerd Müller posieren neben einer sie überragenden Bowlingkugel mit den Logos von Monsanto, Bayer und BASF.
Kleinbauern werden einfach überrollt: Angela Merkel und Entwicklungsminister Gerd Müller werfen eine riesige, von Agrarkonzernen gesponserte Bowlingkugel.

Die Zivilgesellschaft war besorgt: Dienen die intransparenten Kooperationsprojekte tatsächlich der Hungerbekämpfung? Oder werden hier mit Steuergeldern große Agrarkonzerne gefördert und Pestizide vermarktet, anstatt Kleinbäuerinnen und ökologisch nachhaltige Landwirtschaft zu fördern? Über 65.000 Menschen forderten deshalb 2014: „Keine Entwicklungshilfe für Agrarkonzerne!“ und sprachen sich stattdessen für eine Stärkung der kleinbäuerlichen Landwirtschaft aus.

Um mehr Transparenz zu schaffen, drängte Oxfam beim Entwicklungsministerium auf die Offenlegung der Verträge mit den Konzernen. Die Bundesregierung weigerte sich zunächst und wollte uns stattdessen mit allgemeinen Informationen abspeisen. Nach zähem Ringen und unter Hinweis auf das Informationsfreiheitsgesetz erhielt Oxfam schließlich einen Einblick in die Verträge sowie Trainingsmaterialien aus den Projekten.

Werbung für hochgiftige Pestizide, Kleinbauern ignoriert

Die Analyse der Dokumente bestätigt nun unsere Befürchtungen. Eines der Projekte empfiehlt zum Beispiel den Einsatz von hochgiftigen, gesundheits- und umweltschädlichen Pestiziden wie Lambda-Cyhalothrin und Deltamethrin, die auf der Liste des internationalen Pesticide-Action-Networks (PAN) stehen. Damit verstößt das BMZ gegen eigene Vorgaben, wonach besonders umweltschädliche Produkte nicht mehr zur Anwendung kommen dürfen und die PAN-Liste zeitnah berücksichtigt werden soll.

Die Projekte sind außerdem darauf fixiert, das Hungerproblem durch technologische Lösungen zu beheben. Dabei ist Hunger kein Problem des Mangels, sondern von Armut und der Verletzung von Menschenrechten: Es werden genügend Lebensmittel produziert, um die ganze Menschheit zu ernähren. Dennoch hungern weltweit mindestens 800 Millionen Menschen. Es sind vor allem Menschen, die ausgegrenzt und diskriminiert werden, wie Kleinbäuerinnen und Kleinbauern und Frauen in anderen Bereichen.

Genau diese Gruppen waren jedoch bei der Entwicklung der Projekte bis auf eine beschränkte Ausnahme nicht beteiligt. Es ist schockierend, dass die Bundesregierung Projekte zur Hungerbekämpfung über die Köpfe der Betroffenen hinweg entwickelt.

In Zukunft noch mehr Vorteile für Agrarkonzerne?

Zwei der drei untersuchten Projekte laufen noch bis Ende 2017. Die German Food Partnership lief 2015 offiziell aus, vielleicht auch aufgrund des großen Protestes aus der Zivilbevölkerung. Ist die Bundesregierung nun geläutert und hat sich von den gefährlichen Partnerschaften mit Großkonzernen in der Entwicklungspolitik abgewandt?

Leider sieht es nicht danach aus: Letztes Jahr schuf Entwicklungsminister Gerd Müller die „Grünen Innovationszentren“ und stattete sie mit 195 Millionen Euro aus. Diese räumen den Agrarkonzernen nun teilweise noch mehr Macht und Vorteile ein, wie eine Analyse der bislang einsehbaren Vertragsmodalitäten belegt. Kein Wunder, dass die Unternehmen bereits Schlange stehen.

Oxfam fordert eine wirkliche Kehrtwende des Entwicklungsministeriums: Wer den Hunger bekämpfen will, muss die Hungernden unterstützen und agrarökologische Anbauverfahren fördern!

Gemeinsam bleiben wir dran

Wir bleiben an dem Thema dran und schauen Regierungen und Konzernen auf die Finger. Um unsere politische Unabhängigkeit zu sichern, sind wir auf finanzielle Unterstützung angewiesen. Bitte spenden Sie für unsere Arbeit:

Jetzt Förderer werden