Jedes Land hat so seine Spezialitäten. Tortillas zum Beispiel. Die kann Mexiko besser als wir. Dafür haben wir die Currywurst. Wir sind auch ziemlich gut beim Klimaschutz, Deutschland und Europa. Das ist so die landläufige Wahrnehmung, mit der etwa die Regierungsdelegationen der Europäischen Union bei den internationalen Klima-Konferenzen gerne aufwarten, gemäß der Linie: Wir tun viel, die anderen müssen noch nachsitzen.

Und dann verabschiedet das Repräsentantenhaus in Mexiko ein umfassendes Klimaschutzgesetz. Das hat außer Großbritannien kein einziges anderes Land, auch nicht das Land der Klimakanzlerin – mehrere Versuche, so ein Gesetz in Deutschland auf den Weg zu bringen, sind über ein Entwurfsstadium im Umweltministerium nicht hinausgekommen (dazu würde sich vielleicht auch einmal ein Artikel lohnen).

Das mexikanische Gesetz muss nun noch vom mexikanischen Senat gebilligt und vom Präsidenten gegengezeichnet werden. Danach ist gesetzlich verankert, dass bis 2050 der mexikanische Treibhausgasausstoß um 50 Prozent unter das Niveau des Jahres 2000 fallen muss. Darüber hinaus sieht das Gesetz vor, bis 2020 die Emissionen um 30 Prozent gegenüber business-as-usual abzusenken, die Subventionen für fossile Energieträger auslaufen zu lassen und bis 2024 mindestens 35 Prozent des Stromverbrauchs über klimafreundliche Energieträger bereitzustellen.

Wer ist der bessere Klimaschützer?

Europa hat sich vorgenommen, bis 2020 seine Emissionen um 20 Prozent unter das Niveau von 1990 zu drücken. In einem business-as-usual-Szenario, so analysierte es die Europäische Kommission letztes Jahr, dürften die europäischen Emissionen 2020 knapp 14 Prozent unter dem Niveau von 1990 liegen. Das europäische 20%-Ziel entspricht also einer Abweichung unter business-as-usual von 6 Prozent. Selbst wenn die EU ihr Klimaschutzziel auf 30 Prozent Reduktionen unter das Niveau von 1990 anheben würde (wogegen sich zurzeit vor allem Polen, aber auch Teile der Bundesregierung und die klimaschädliche Industrie wehren), entspräche das bis 2020 einer Abweichung von nur 16 Prozent unter business-as-usual, deutlich unter dem jetzt festgelegten Ziel der Mexikaner.

Richtig ist natürlich, dass in Europa die Emissionen trotz allem absolut zurückgehen, wohingegen in Mexiko sie nur gegenüber einem Szenario ohne zusätzlichen Klimaschutz zurückgehen sollen (und absolut betrachtet sogar steigen können). Allerdings ist es auch richtig, den fairen Beitrag eines Landes zum globalen Klimaschutz anhand der zusätzlich geschulterten Anstrengung zu bemessen. Hinzu kommt: Mexiko ist ein Schwellenland. Das Pro-Kopf-Einkommen Mexikos liegt bei etwa einem Fünftel des Pro-Kopf-Einkommens in Deutschlands, knapp die Hälfte der Bevölkerung lebt unterhalb der nationalen Armutsgrenze, die weltweite Finanz- und Wirtschaftskrise hat Mexiko wesentlich stärker getroffen als Europa.

Was bleibt? Die Europäer streiten sich also um 6 oder 16 Prozent, und machen die möglichen 16 Prozent übrigens zumindest offiziell davon abhängig, dass auch andere Länder beim Klimaschutz mitziehen. Mexiko, Klimaziel 30 Prozent, zieht nicht mit, sondern überholt.

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